Morning in Brief ・ 09.06.2026

Morning in Brief, 9. Juni 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Stephan Frank, David Schima und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Budgetbegleitgesetz stockt bei AMS und Parteienförderung. Am Tag vor der Budgetrede von Finanzminister Marterbauer herrscht in der Regierung Uneinigkeit über die notwendigen Begleitmaßnahmen zum geplanten Doppelbudget für die Jahre 2027 und 2028. Beim „Zwischenparken“ von Arbeitnehmern beim AMS gibt es bis dato weder einen Konsens zwischen den Sozialpartnern noch innerhalb der Regierung. Zuletzt stand im Raum, dass Arbeitgeber stärker zur Kasse gebeten werden, wenn sie Mitarbeiter arbeitslos melden, deren Wiedereinstellung bereits fix ist. Das soll dem Staat in Kombination mit Kürzungen beim Arbeitslosengeld insgesamt 200 Mio. Euro einbringen. Auch bei der Parteienförderung sind sich die Regierungsparteien uneins: Während ÖVP und SPÖ auf eine Valorisierung pochen, wehren sich die Neos gegen eine Erhöhung entlang der Inflationsrate. Für heute Abend ist ein Treffen der Regierungskoordinatoren Alexander Pröll (ÖVP), Michaela Schmidt (SPÖ) und Armin Hübner (Neos) angesetzt. Sollte es dort zu keiner Einigung kommen, gibt es die Möglichkeit einer „Trägerrakete“, also eines Gesetzesantrags, der erst in den finalen Beratungen inhaltlich befüllt wird. [Quelle: APA via Medienberichte | Reaktionen: FPÖ, Grüne]

„Die Entgelttransparenz-Richtlinie würde am Gender-Pay-Gap nichts ändern“
Interview mit Monika Köppl-Turyna

Am heimischen Gender-Pay-Gap würde sich durch die Umsetzung der umstrittenen EU-Entgelttransparenzrichtlinie nichts ändern, so EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna. Das würden die Studien zum bestehenden Lohntransparenzgesetz zeigen. Die Gründe für den Gender-Pay-Gap sind laut Köppl-Turyna in Österreich vor allem mit den Themen Kinderbetreuung und Teilzeitarbeit verbunden. Der Ausbau der Kinderbetreuung ist daher wichtig, aber auch kein Allheilmittel, da soziale Normen und die persönliche Einstellung eine noch größere Rolle spielen, wie Köppl-Turyna im Selektiv-Interview erklärt.

💡Österreich zählt zu den Hochsteuerländern beim Sprit. Angesichts der Diskussionen um die Fortführung der Spritpreisbremse ist der Anteil von Steuern und Abgaben am Spritpreis wieder in den Fokus gerückt. Von 1,74 Euro pro Liter Benzin entfallen in Österreich 51,1 % auf Abgaben, darunter Mineralölsteuer, CO₂-Bepreisung und Mehrwertsteuer. Beim Diesel liegt der Anteil bei 45,4 % (83 Cent von 1,83 Euro). Beide Werte liegen über dem gewichteten EU-27-Schnitt von 47,0 bzw. 41,1 %. Da Mineralölsteuer und CO₂-Bepreisung als Festbeträge pro Liter erhoben werden, die Mehrwertsteuer aber wertbasiert ist, variiert der Abgabenanteil mit dem Rohölpreis. Die Daten beziehen sich auf den 1. Juni 2026. [Quelle: Europäische Kommission, eigene Berechnungen | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Regierung appelliert an Grüne, EABG zuzustimmen. Die Energiesprecher der Koalitionsparteien fordern in einer gemeinsamen Aussendung die Zustimmung der Grünen zum Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG): „Wir appellieren an die Grünen, endlich vom Reden ins Tun zu kommen und mit uns das EABG im Sinne des Landes gemeinsam auf den Weg zu bringen.“ Das EABG soll am Donnerstag im Nationalrat beschlossen werden, es benötigt aber eine Zweidrittelmehrheit – die die Grünen bisher noch nicht zugesagt haben. Auch die NGO Oecolution sowie WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger drängen auf einen raschen Beschluss, da sich Österreich keine weiteren Verzögerungen leisten könne. Für die Grünen dürften dem Vernehmen nach die länderspezifischen Vorgaben zum Erneuerbaren-Ausbau Knackpunkt sein. [Quelle: Gemeinsame Aussendung, WKÖ, Oecolution]

🇦🇹 Privatsender protestieren gegen Streamingabgabe. Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) warnt in einem offenen Brief an Medienminister Babler vor der geplanten Einführung einer Streamingabgabe von bis zu 12 %. Statt großer internationaler Streamingplattformen würden auch österreichische Sender getroffen und laut VÖP mit mindestens 20 Mio. Euro pro Jahr belastet werden. „Streaming, digitale Abrufdienste und IP-basierte Verbreitung sind die Zukunft der Mediennutzung. Wer diese Geschäftsmodelle zusätzlich besteuert, schwächt genau jene Investitionen, die österreichische Medienunternehmen für ihre digitale Transformation benötigen“, so der Appell. Wie der Kurier berichtet, wird die Streamingabgabe noch nicht Teil des Doppelbudgets sein, da sich die Regierungsparteien nicht auf die konkrete Ausgestaltung einigen konnten. [Quelle: VÖP, Kurier]

🇦🇹 1.200 Unternehmen von Corona-Hilfen-Rückforderung betroffen. Laut Finanzministerium sind 193 Unternehmensverbünde, die 1.200 eigenständige Unternehmen umfassen, mit Rückforderungen von Covid-19-Hilfen konfrontiert. Bisher wurden 90 Fälle bearbeitet und 37 Mio. Euro zurückgefordert, insgesamt könnten 106 Mio. Euro zurückgefordert werden. Das endgültige Ausmaß wird erst nach Abschluss aller Überprüfungen feststehen. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,859 Euro für Diesel und 1,745 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im August lag heute Früh bei 93,21 Dollar, ein Plus von 0,2 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Dienstagfrüh bei 49,94 Euro pro MWh – ein Anstieg um 3,0 %. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]

🇦🇹 🇪🇺 Geschäftsklima verbessert, aber weiterhin rezessiv. Die Anlegerstimmung zur österreichischen Wirtschaft verbesserte sich von Mai auf Juni um 3,8 Punkte, liegt mit minus 20,6 Punkten aber weiterhin im Rezessionsbereich. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten wurden besser eingestuft. In der Eurozone stieg der Sentix-Konjunkturindex gegenüber dem Vormonat um 3 Punkte auf minus 13,4 Punkte. In Deutschland legte der Gesamtindex leicht auf minus 28,5 Punkte zu, die Einschätzung der aktuellen Lage sank mit minus 42,5 Punkten jedoch zum dritten Mal in Folge und erreichte den tiefsten Stand seit Februar 2025. Das weltweite Geschäftsklima liegt mit 8 Punkten und einem Plus von 5,4 Punkten im positiven Bereich, getragen v. a. von den USA und Asien. [Quelle: Sentix]

🇦🇹 🇪🇺 Österreich fordert europäische Strategie für die Bahnindustrie. Im EU-Verkehrsministerrat hat Mobilitätsminister Peter Hanke die Ausarbeitung einer europäischen Strategie für die Bahnindustrie vorgeschlagen. Hanke begründet den Vorstoß mit verzerrten globalen Wettbewerbsbedingungen und wachsenden Abhängigkeiten, insbesondere bei digitalen Technologien. Er fordert u. a. eine Analyse strategischer Abhängigkeiten, gleiche Marktbedingungen gegenüber Drittstaaten sowie eine stärkere Berücksichtigung europäischer Wertschöpfung bei der öffentlichen Auftragsvergabe. „Es geht längst nicht mehr nur darum, welche Züge auf unseren Schienen fahren. Es geht auch darum, wer über unsere Mobilität entscheidet, wer die Software kontrolliert und wie wir unsere kritische Infrastruktur langfristig absichern“, so Hanke. Die österreichische Bahnindustrie (VBI) begrüßt den Vorschlag Hankes und ortet darin „die Chance, die Bahnindustrie als europäische Leitindustrie zu positionieren“, so VBI-Geschäftsführer Anil W. Rai. Das gemeinsame Ziel von Industrie und Politik müsse sein, „dass die Weltmarktführer von heute auch morgen aus Österreich und der EU kommen“. [Quellen: BIMI, Doorstep Hanke | Reaktionen: SPÖ, ÖGB]

🇪🇺 Mehrkosten von 47 Mrd. Euro für Energie. In den ersten 100 Tagen seit Ausbruch des Irankriegs sind die Ausgaben der EU für den Import fossiler Energieträger um 47 Mrd. Euro gestiegen. Die Auswirkungen des Krieges auf die Energierechnung sind „enorm“, so Eva Hrncirova, Sprecherin der EU-Kommission. Sie betonte gleichzeitig, dass es in der Krise zwar einen Preisschock, aber bisher keine Engpässe oder Ausfälle gab. „Es zeigt sich, dass wir auf eine Krise wie diese sehr gut vorbereitet waren“, so Hrncirova. Die Koordinationsgruppen für Öl und Gas werden sich laut Hrncirova bald wieder treffen und die derzeitigen Marktentwicklungen beraten. [Quelle: Pressebriefing EU-Kommission]

🇪🇺 Grünes Licht für novellierte Schutzmaßnahmen für den EU-Stahlmarkt. Ab dem 1. Juli treten neue Schutzmaßnahmen für den EU-Stahlmarkt in Kraft, die den europäischen Markt vor weltweiten Überkapazitäten schützen sollen. Die neuen Regeln ersetzen die seit 2018 geltenden Bestimmungen, die Ende Juni auslaufen. Unter anderem sinkt die zollfreie Einfuhrmenge auf 18,3 Mio. Tonnen pro Jahr, ein Minus von 47 % gegenüber 2024. Für Mengen darüber hinaus verdoppelt sich der Zollsatz von 25 % auf 50 %. Zudem gilt künftig die „Melt-and-Pour“-Regel: Als Ursprungsland zählt jener Staat, in dem der Stahl erstmals geschmolzen wurde. Damit soll verhindert werden, dass Hersteller die Quoten durch geringfügige Weiterverarbeitung in Drittländern umgehen. [Quellen: Rat der EU, EU-Parlament]

🇪🇺 Gemeinschaftliche Verschuldung der EU steigt bis 2030 auf 1,15 Bio. Euro. Die gemeinschaftlichen EU-Schulden werden bis 2030 von rund 800 Mrd. Euro auf circa 1,15 Bio. Euro steigen. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW). Damit würden die gemeinschaftlichen Schulden rund 7 % der nationalen Staatsschulden aller Mitgliedsstaaten erreichen. Die EU verfüge bereits über gemeinsame Verschuldungsinstrumente, die in der Debatte über die sogenannten „Eurobonds“ übersehen würden, so das ZEW. Der Großteil dieser Schulden fließt als Kredite und Zuschüsse an Mitgliedstaaten. Die Kredite werden vor allem von Ländern mit unterdurchschnittlicher Bonität in Anspruch genommen, finanziert über Garantien von Mitgliedstaaten mit besserer Bonität. Die daraus entstehenden Rückzahlverpflichtungen sind in den nationalen Schuldenstatistiken nicht sichtbar. Das ZEW empfiehlt, im Mehrjährigen Finanzrahmen 2028-2034 keine neuen Kreditlinien für Mitgliedstaaten zu schaffen, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) auszubauen und die Rückzahllasten transparent in den nationalen Schuldenstatistiken auszuweisen. [Quelle: ZEW]

🇪🇺 Europas Luftfahrt unter Kostendruck durch Energiekrise. Die europäische Luftfahrtbranche ist durch die hohe Abhängigkeit von Kerosinimporten aus der Golfregion von steigenden Kosten betroffen. Das geht aus dem aktuellen „Global Outlook for Air Transport“ der International Air Transport Association (IATA) hervor. Europäische Fluggesellschaften haben einen Teil ihres Kerosinbedarfs noch zu Vorkrisenpreisen abgesichert, einzelne bis zu 70 %. Diese Absicherungen laufen sukzessive aus, sodass sich die höheren Kerosinpreise mit Verzögerung in den Kosten niederschlagen. Strukturell operieren europäische Airlines laut IATA mit einer höheren Kostenbasis als andere Regionen, was u. a. auf regulatorische Auflagen sowie höhere Flughafen- und Flugsicherungsgebühren zurückgehe. Sobald sich der Markt normalisiert, könnte sich die Wettbewerbsposition Europas verschlechtern. Global rechnet die IATA für 2026 mit einem Branchen-Nettogewinn von 23 Mrd. USD, etwa die Hälfte der vorherigen Prognose. [Quelle: IATA Ausblick – Juni 2026, Dezember 2025]

🇩🇪 Auftragsrückgang in der deutschen Industrie. Der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist im April 2026 saison- und kalenderbereinigt um 3,8 % gegenüber März zurückgegangen. Das geht aus vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Im Dreimonatsvergleich von Februar bis April lag der Auftragseingang 3,1 % unter den drei Monaten davor. Verantwortlich für den Rückgang im April waren laut der Behörde die Automobilindustrie mit einem Minus von 5,3 % bei den Neuaufträgen, die Herstellung elektrischer Ausrüstung mit 16,3 % und der Maschinenbau mit 7,4 %. Der reale Umsatz lag im April saison- und kalenderbereinigt um 0,1 % höher als im Vormonat. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇨🇳 Chinesischer Autoabsatz um ein Fünftel gefallen. Im Mai wurden in China 1,51 Mio. Pkw verkauft und damit um 22,1 % weniger als im Vorjahresmonat. Mehr als 80 % des Rückgangs ist laut dem chinesischen Branchenverband CPCA auf die gesunkene Nachfrage von Verbrennern zurückzuführen. Von Jänner bis Mai 2026 ergibt sich ein Minus von 19,5 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Der Automobilmarkt ist derzeit durch einen intensiven Wettbewerb in einem gesättigten Markt gekennzeichnet“, so die CPCA-Analyse. [Quelle: CPCA]

Selektive Agenda:

Heute, österreichweit: Auktionstermin für österreichische Bundesanleihe

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht den Bildungsstand 2024 und den Außenhandel März (Einfuhren, Ausfuhren)

9:30 Uhr, Luxemburg: EU-Ministerrat „Verkehr, Telekommunikation und Energie“ (Telekommunikation) [Info]

9:30 Uhr, Wien: Budgetausschuss des Nationalrats mit Fiskalratspräsident Badelt [Info]

10:40 Uhr, Wien: Runder Tisch von Medienminister Babler zum Thema Social-Media-Verbot [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Stefan Brida wird Managing Partner bei Kohl & Partner. Petra Hofbauer leitet seit Anfang Juni die Bereiche Marketing, Kommunikation, Event und PR des Medienhauses Wimmer. Lorenzo Friedli ist der neue Bundesvorsitzende der Junos, Bjarne Kirchmair ist der neue Stellvertreter. Michaela Langer-Weninger wurde als Landesobfrau des Oberösterreichischen Bauernbundes wiedergewählt.

Geburtstage: Wir gratulieren Gerda Holzinger-Burgstaller und Christina Stürmer zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

10:00 Uhr, Wien: Feier anlässlich 50 Jahre Seniorenrat im Parlament u. a. mit Walter Rosenkranz, Alexander van der Bellen, Christian Stocker, Ingrid Korosec, Korinna Schumann, Alexander Pröll, Renate Anderl, Markus Hengstschläger und Birgit Gerstorfer [Info & Anmeldung]

12:00 Uhr, Reichenau an der Rax: Festakt anlässlich 100 Jahre Rax-Seilbahn u. a. mit Johanna Mikl-Leitner, Elisabeth Zehetner [invite only]

18:00 Uhr, Graz: Die BKS Bank feiert ihr 40-jähriges Börsenjubiläum in der Alten Universität, u. a. mit Nikolaus Juhász, Bernd Kohlbacher, Josef Herk, Manfred Hohensinner, Andreas Steinle und Ute Pichler [invite-only]

18:00 Uhr, Tulln: Verleihung des NÖ Innovationspreises 2026 u. a. mit Johanna Mikl-Leitner [invite only]

18:30 Uhr, Wien: Diskussion am AIES „Realitätscheck für Europas Verteidigung: Wer, was, wie, wann?“ mit Arnold Kammel, Robert Brieger und Werner Fasslabend [Info]

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