Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Yannic Haimeder, Driss Schmid und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Dürre-Hilfe soll auch unversicherte Betriebe erfassen. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig möchte nicht nur gegen Dürre versicherte, sondern auch unversicherte Betriebe finanziell unterstützen. Ein entsprechendes Maßnahmenpaket soll in den nächsten Tagen vorliegen. Als mögliches Instrument nennt Totschnig Betriebsmittelkredite. Die Mittel könnten nicht allein durch Umschichtungen im Landwirtschaftsbudget aufgebracht werden, so Totschnig, „eine außerordentliche Situation erfordert außerordentliche Maßnahmen“. Aus dem Finanzministerium hieß es dazu gegenüber der APA: „Eine ‚Koste-es-was-es-wolle-Politik‘ wird es aus guten Gründen nicht geben.“ Die Hagelversicherung beziffert den bisherigen Schaden in der Landwirtschaft durch die anhaltende Trockenheit mit 1 Mrd. Euro, dazu kommen 80 Mio. Euro durch Frost, Hagel, Sturm und Überschwemmung. Davon deckt sie 400 Mio. Euro ab. [Quellen: APA via Medienberichte, Hagelversicherung | Reaktionen: Felbermayr auf X, SPÖ, Neos, FPÖ, Die Grünen, Bauernbund]
Kommentar: Sommerlicher Reformdrang an falscher Stelle
von Carmen Treml
Wer glaubt, mit einer Verschiebung der Sommerferien eine nachhaltige Lösung gefunden zu haben, verschiebt lediglich das Problem. Die Sommer werden dadurch nicht kühler, die Schulgebäude nicht besser und der Unterricht nicht angenehmer. Mit nachhaltigen infrastrukturellen Anpassungen könnte man auch den leidigen Diskussionen über geeignete Hitzemaßnahmen oder ein generelles „Hitzefrei“ ein Ende setzen und Schulen zu einem Ort machen, an dem zu hohe Temperaturen kein Argument sind, zu Hause zu bleiben.
💡 Erwerbs- und Sorgearbeit sind zwischen den Geschlechtern gegenläufig verteilt. Frauen und Männer kommen bei Erwerbs- und Sorgearbeit zusammengerechnet auf ein ähnliches Gesamtpensum: Frauen wenden täglich durchschnittlich 2,2 Stunden für Erwerbsarbeit und 3,6 Stunden für Sorgearbeit auf, Männer 3,6 Stunden für Erwerbsarbeit und 2,1 Stunden für Sorgearbeit. Bei Schlafen, Essen und Freizeit sind die Unterschiede gering. Bundeskanzler Stocker hatte kürzlich mit der Aussage, Kinderbetreuung sei keine unbezahlte Arbeit, für Kritik gesorgt und sich später entschuldigt. [Quelle: Statistik Austria | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger | Kommentar: Der Kanzler hat recht]

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🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update – Diesel zieht an. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,953 Euro für Diesel und 1,713 Euro für Benzin. Nach Angriffen auf Raffinerien in Russland und Saudi-Arabien sind gestern laut Medienberichten die Großhandelspreise für Diesel um fast 10 % gestiegen. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Oktober lag heute Früh bei 87,71 Dollar, ein Plus von rund 5 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag am Dienstagmorgen bei 61,61 Euro pro MWh – ein Anstieg um 10 % seit dem Vortag. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 Gewessler lässt Zustimmung zu Wehrpflicht-Reform offen. Junge Männer verdienten Klarheit, sagte Grünen-Chefin Leonore Gewessler im ORF-Sommergespräch. Solange kein fertiges Gesetz vorliege, gebe es diese Klarheit noch nicht. So wie die Reform derzeit vorliege, sei sie eine Ansammlung von Überschriften und ein schlechter Kompromiss. Der Zivildienst leiste eine enorm wichtige Aufgabe, eine doppelte Benachteiligung wolle sie nicht hinnehmen: Komme ein Automatismus zur Verlängerung, brauche es auch einen Automatismus zu besserer Bezahlung, das sei eine Grundvoraussetzung. Angesichts der sicherheitspolitischen Lage verstehe sie grundsätzlich, dass Österreich seine Verteidigungsfähigkeit stärken müsse, das bestehende System dürfe aber nicht einfach verlängert, sondern müsse verbessert werden. So wie die Reform jetzt vorliege, stimme sie ihr nicht zu, sei aber verhandlungsbereit. [Quelle: ORF]
🇦🇹 9.000 Lehrerstellen für das kommende Schuljahr noch unbesetzt. Rund 4 bis 6 Wochen, je nach Bundesland, vor dem Start des neuen Schuljahres sind noch 9.000 Lehrerposten bzw. ein Drittel der benötigten Stellen unbesetzt. 6.200 davon sind Vollzeitposten, der Rest Teilzeitstellen oder einzelne offene Stunden. Die Anzahl der offenen Stunden ist seit April von 96.900 auf 136.300 angestiegen. Bereits im vergangenen Jahr waren mit Schulstart nicht alle Stellen besetzt. Aber auch die Zahl der Bewerber steigt seit dem Frühjahr und liegt derzeit bei 18.400. Jeder 10. davon ist ein Quereinsteiger, der zwar ein fachlich geeignetes Studium oder eine Ausbildung hat, jedoch berufsbegleitend pädagogisch ausgebildet werden muss. 44 % der Neueinstellungen im vergangenen Jahr waren ausgebildete Lehrer. Die Mehrheit hat sich aus Personen zusammengesetzt, die entweder noch in der Ausbildung waren, einen Quereinstieg vollzogen oder Sonderverträge erhalten haben. [Quelle: APA via Medienberichte | Reaktion: FPÖ]
🇦🇹 Grundeigentümer müssen Tiefengeothermie ab 300 Metern dulden. Das SPÖ-geführte, für Bergbau zuständige Finanzministerium hat den Koalitionspartnern eine Novelle des Mineralrohstoffgesetzes vorgelegt: Grundeigentümer sollen künftig verpflichtet sein, das Aufsuchen und Gewinnen geothermischer Energie ab einer Tiefe von 300 Metern zu dulden, zudem soll ein einheitliches Genehmigungsverfahren die Umsetzung beschleunigen. Nach Schätzungen ließen sich damit rund 1.000 MW thermische Leistung im Untergrund erschließen, genug, um etwa 500.000 Wohneinheiten mit Fernwärme zu versorgen. Finanziert werden soll ein Risikoabsicherungsinstrument über eine „moderate“ Geothermie-Abgabe, die erst nach Amortisation der Investitionskosten fällig wird. Details muss die Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos noch aushandeln; SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll rechnete im Ö1-Morgenjournal mit einer „raschen“ Einigung. [Quellen: BMF, Ö1-Morgenjournal 10.8. | Reaktion: BMWET]
🇦🇹 Beschäftigung im Telekomsektor 2025 um 6,7 % gesunken. Ende 2025 waren im österreichischen Telekomsektor 10.459 Personen beschäftigt, um 6,7 % weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl ist seit 2018 rückläufig, der Rückgang betraf eigene Mitarbeiter und Leasingpersonal gleichermaßen. Außerdem sanken die Investitionen der Telekom-Unternehmen 2025 um 1,4 % auf 805 Mio. Euro. Davon flossen 796 Mio. Euro in technische Infrastruktur und 8,7 Mio. Euro in Vertrieb und Kundenservice. [Quelle: RTR]
🇦🇹 Baupreise im 2. Quartal um 4,9 % gestiegen. Die Baupreise für Hoch- und Tiefbau lagen im 2. Quartal 2026 um 4,9 % über dem Vorjahresquartal und um 3,1 % über dem 1. Quartal. Die Preise im Tiefbau stiegen im Jahresvergleich um 7 %, im Hochbau um 3,6 %. Preissteigerungen gab es in allen Bausparten, den größten Anstieg verzeichnete der Straßenbau (+7,5 %), gefolgt vom Brückenbau (+6,8 %). [Quelle: Statistik Austria]
🇦🇹 🇪🇺 Ab morgen gilt die EU-Verpackungsverordnung. Am 12. August greifen die ersten Anforderungen der EU-Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation), die bis 2030 schrittweise ausgeweitet werden. Ziel ist eine über den gesamten Lebenszyklus kreislauffähigere Gestaltung von Verpackungen. Laut einer PwC-Studie aus dem Juni 2026 unter 1.000 Österreichern stößt eine strengere Regulierung mehrheitlich auf Zustimmung: 84 % wünschen sich nachhaltige Verpackungen als Standard, 82 % eine Reduktion des Verpackungsmaterials, 89 % nehmen übergroße Verpackungen als problematisch wahr. Im Onlinehandel erwarten 83 % wiederverwendbare Versandverpackungen. [Quelle: PwC]
🇦🇹 🇹🇷 Stocker wirbt in Ankara für engere Wirtschaftskooperation. Bundeskanzler Christian Stocker hat bei seinem Türkei-Besuch das bilaterale Handelsvolumen von knapp 5 Mrd. Euro hervorgehoben. 250 österreichische Unternehmen sind vor Ort tätig. Die Türkei ist nach den USA, der Schweiz, Großbritannien und China der fünftgrößte Exportmarkt Österreichs außerhalb der EU. „Wir wollen die wirtschaftlichen Potenziale noch weiter ausbauen“, so Stocker nach dem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Erdoğan verwies auf Direktinvestitionen aus Österreich in der Türkei von einem Volumen von mehr als 11 Mrd. Dollar. Er sieht in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit insbesondere Potenziale in den Bereichen erneuerbare Energien, kritische Rohstoffe, Hochtechnologie, Verkehr und Verteidigungsindustrie. Bei einem Roundtable mit WKÖ-Vizepräsident Wolfgang Hesoun und Infrastrukturminister Peter Hanke ging es um Kooperationen bei Verkehrsinfrastruktur, Schienenverkehr und automatisiertem Fahren, zudem wird das Luftverkehrsabkommen zwischen Wien und Ankara verlängert. Hanke traf seinen Amtskollegen Abdulkadir Uraloğlu, um auch den „Mittleren Korridor“ als strategisch wichtige Transportroute zwischen Europa und Asien zu besprechen. Hesoun begleitete eine kleine Wirtschaftsdelegation, u. a. mit VIG-Vorstand Hartwig Löger. Im Herbst reist Innenminister Gerhard Karner nach Ankara. [Quellen: PK mit Stocker und Erdoğan, WKÖ-Länderprofil, Die Presse, APA via Medienberichte]
🇪🇺 Sentix-Konjunkturindex steigt den 4. Monat in Folge. Der Sentix-Konjunkturindex für den Euroraum legte im August um 4 Punkte auf 0,9 Punkte zu und erreichte den höchsten Stand seit Februar. Vor allem die Lagebeurteilung verbesserte sich mit einem Anstieg von -14,8 auf -8 Punkte, die Erwartungen stiegen leicht auf 10,3 Punkte. Für Österreich stieg der Index um 11,1 auf 1,8 Punkte, den höchsten Wert seit Februar 2022. Die Erwartungen lagen hierzulande bei 14 Punkten, die Lagebeurteilung blieb mit -9,8 Punkten negativ. Laut Sentix ist der Vertrauensschock infolge des Irankriegs zumindest teilweise verarbeitet, hohe Energiekosten und eine verhaltene Auftragslage bleiben aber Belastungsfaktoren. [Quelle: Sentix]
🇪🇺 Hitzewelle lässt EU-BIP um rund 1 % schmelzen. Die hohen Temperaturen im Sommer 2026 könnten die EU-Wirtschaft laut einer Auswertung der Triodos Bank rund 180 Mrd. Euro bzw. 1 % des BIP kosten, etwa so viel wie das für 2026 erwartete Wirtschaftswachstum. Am stärksten betroffen ist Frankreich mit einem Minus von 1,4 Prozentpunkten beim BIP-Wachstum. Auch Spanien und Italien verzeichnen laut der Auswertung „substanzielle Verluste“. Ursächlich ist v. a. die gesunkene Arbeitsproduktivität in hitzesensiblen Bereichen wie Bau, Landwirtschaft und Industrie, höhere Energiepreise durch eingeschränkte Kraftwerksleistung sowie Transport- und Logistikstörungen. [Quelle: Triodos Bank]
🇩🇪 Wohnimmobilien verteuern sich, Gewerbeimmobilien billiger. Die Immobilienpreise in Deutschland lagen im 2. Quartal 2026 um 1,3 % über dem Vorjahresquartal, gegenüber dem 1. Quartal gaben sie um 0,1 % nach. Wohnimmobilien verteuerten sich im Jahresvergleich um 1,9 %, Eigentumswohnungen mit +2,6 % am stärksten. Büro- und Einzelhandelsimmobilien wurden dagegen um 1,2 % bzw. 0,2 % günstiger. Laut dem Verband deutscher Pfandbriefbanken reagiert der Gewerbeimmobilienmarkt stärker auf geopolitische Entwicklungen, gestiegene Inflationserwartungen und die Zinsentwicklung. Unter den 7 größten Städten verteuerten sich Wohnobjekte im Jahresvergleich in Hamburg (3,8 %) am stärksten, in Berlin (1,6 %) und Stuttgart (0,7 %) am schwächsten. [Quelle: VDP]
Selektive Agenda:
Heute, Washington, USA: Außenministerin Meinl-Reisinger in der USA – Treffen mit Marco Rubio geplant
9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Fahrzeug-Neuzulassungen Jänner bis Juli 2026“
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Alexander Benz hat die Leitung des Bachelorstudiengangs Angewandte Elektronik und Technische Informatik und des Masterstudienganges Technische Informatik an der Hochschule Campus Wien übernommen. Wienerberger-CEO Heimo Scheuch tritt zurück.
Geburtstage: Wir gratulieren Hans-Peter Martin, Conrad Seidl, Gernot Kulis und Christian Hafenecker zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
17:00 Uhr, Villach: Bundeskanzler Stocker lädt zu „Österreich im Gespräch“ [Info]