Morning in Brief ・ 18.08.2026

Morning in Brief, 18. August 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, David Schima, Driss Schmid, Maximilian Kern und Yannic Haimeder – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Meinl-Reisinger fordert „Reformdividende“ und Pension mit 67. Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger brachte im ORF-Sommergespräch die Idee einer „Reformdividende“ ein. Sollte die Budgetkonsolidierung besser laufen als geplant, soll die Hälfte des Überschusses in den weiteren Abbau der Staatsschulden fließen und die andere Hälfte „im Wege eines Freibetrags zur Entlastung der Steuerzahler“ verwendet werden. Meinl-Reisinger will „den Menschen wieder etwas zurückgeben“, die Budgetkonsolidierung sei „kein Selbstzweck“. Diese „Reformdividende“ sollte laut Meinl-Reisinger am besten durch ein Verfassungsgesetz abgesichert werden. Potential für weitere Einsparungen sieht die Neos-Chefin v. a. im Pensionsbereich. Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung fordert sie die schrittweise Erhöhung des Pensionsantrittsalters ab dem Jahr 2030 in Zwei- bzw. Drei-Monatsschritten auf 67 Jahre. Dabei soll aber nicht nur das Geburtsdatum zählen, sondern auch die Beitragsjahre einbezogen werden. Die nötigen Reformen im Pensionssystem will Meinl-Reisinger im Herbst auf einem „All-Parteien-Gipfel“ besprechen. [Quelle: ORF Sommergespräch | Grafik: Sparpaket bremst Schuldenwachstum, stoppt es aber nicht]

Kommentar: Wie sich die Union mit besten Absichten selber sabotiert
von Georg Renner

Alle paar Jahre wird man so eben von einer Regelung überrascht, die längst beschlossene Sache ist und von der man findet, dass sie der guten Sache völlig zuwiderläuft. Genau so ist es mir vergangene Woche gegangen, als ich von einem kleinen litauischen Webshop meines Hobby-Vertrauens informiert worden bin, dass sie bis auf Weiteres nur an litauische Adressen versenden werden, bis sie sich über die Auswirkungen der mit 12. August in Kraft getretenen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) im Klaren sind. 

💡 Lebenserwartung steigt deutlich schneller als Pensionsantrittsalter. Das faktische Pensionsantrittsalter hat sich zwischen 1970 und 2024 nur wenig verändert: Männer gingen 1970 mit 61,9 Jahren in Pension, 2024 mit 62,3. Bei Frauen blieb der Wert mit 60,4 Jahren praktisch gleich. Die Lebenserwartung mit 65 Jahren stieg im selben Zeitraum hingegen deutlich stärker. So stieg sie bei Männern von 76,8 auf 83,8 Jahre sowie bei Frauen von 80,0 auf 86,7 Jahre an, jeweils rund 7 Jahre mehr. Daraus ergibt sich eine erwartete Pensionsbezugsdauer von aktuell 21,4 Jahren bei Männern und 26,3 Jahren bei Frauen, 1970 waren es noch 14,9 bzw. 19,6 Jahre. Für die gesetzliche Pensionsversicherung, die nach dem Umlageverfahren finanziert wird, ist das ein zentraler Kostentreiber. [Quellen: Statistik Austria I, Statistik Austria II | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Bonin mahnt zu strengem Budgetvollzug. Im 1. Halbjahr 2026 verzeichneten die Länder insgesamt ein Budgetdefizit von rund 1,2 Mrd. Euro und damit 2 Mrd. Euro weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dabei werden jedoch noch nicht alle Ausgaben berücksichtigt, jene der Landesspitäler fehlen etwa. Die niedrigeren Defizite der Länder seien zwar erfreulich, im 2. Halbjahr folgen aber „einige dämpfende Effekte“ wie die Gehaltserhöhung im öffentlichen Dienst und die MwSt-Senkung auf ausgewählte Lebensmittel, so Wifo-Ökonomin Margit Schratzenstaller gegenüber Ö1. Seit Jahresbeginn müssen die Bundesländer ihre Budgetzahlen monatlich vermelden, das macht einen Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum schwierig, sagt IHS-Direktor Holger Bonin im Ö1-Mittagsjournal. Man dürfe sich jetzt nicht zurücklehnen: „Es wird darauf ankommen, dass wir die strenge Budgetexekution in der 2. Jahreshälfte weiter verfolgen“, so Bonin. Vor 2028 werde Österreich ohnehin nicht aus dem EU-Defizitverfahren herauskommen. [Quelle: Ö1 | Grafik: Budgetvollzug unterscheidet sich stark zwischen den Ressorts]

🇦🇹 Trockenste 12 Monate der Geschichte. Laut Daten der Geosphere Austria waren die vergangenen 12 Monate die niederschlagsärmsten seit Beginn der Messungen im Jahr 1850. In Niederösterreich beträgt das Niederschlagsdefizit seit Jahresbeginn 43 %, in Oberösterreich 42 %. Das geringste Niederschlagsdefizit verzeichnen Tirol (23 %) und Kärnten (21 %). Zwischen 23. Februar und 9. August sind in ganz Österreich 210,9 mm Niederschlag gefallen, um 47 % weniger als der langjährige Durchschnitt. Geosphere Austria erwartet trotz Regen keine Entspannung: „Das vorhandene Niederschlagsdefizit könnten selbst durchschnittliche Niederschläge nicht so schnell beheben“, so Klimaforscher Klaus Haslinger. [Quelle: Geosphere Austria]

🇦🇹 Keine Sondersitzung zu Agrarhilfen. Zu den Dürrehilfen kommt keine Sondersitzung des Nationalrats zustande. In der tagungsfreien Zeit im Sommer kann eine solche nur auf Verlangen eines Drittels der Abgeordneten, der Bundesregierung oder des Bundesrats einberufen werden. Die FPÖ hätte dafür die Grünen gebraucht, um auf das nötige Drittel der Mandate zu kommen – die Grünen lehnten das Gesuch jedoch gestern ab. Mit FPÖ-Chef Herbert Kickl sei keine Lösung zu erreichen, die den Landwirten helfe, teilten die Grünen Selektiv mit. [Quellen: FPÖ/Grüne auf Selektiv-Anfrage, Parlament | Interview – Totschnig: „Wir brauchen zusätzliches Geld“ | Grafik: Dürre vernichtet ein Fünftel der Ernte]

🇦🇹 WKÖ und IV warnen vor „Gold Plating“ bei Klimazielen. Die im Klimagesetz geplante rechtliche Verankerung der Klimaneutralität 2040 statt des EU-Ziels von 2050 würde Österreich „gravierende Nachteile für den Wirtschaftsstandort“ bescheren, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer und WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger in einem gemeinsamen Appell. Das Übererfüllen der EU-Ziele („Gold Plating“) würde sich negativ auf Wachstum und Beschäftigung auswirken, ohne einen Mehrwert für das Klima zu bieten. Gegenüber Selektiv hatte sich Umweltminister Norbert Totschnig letzte Woche für ein rasches Beschließen des Klimagesetzes ausgesprochen, während Energiestaatssekretärin Elisabeth Zehetner vor überstürzten Beschlüssen warnte. Je nach Szenario könnte das vorgezogene Datum der Klimaneutralität Österreich zwischen 1,7 und 2,6 % des BIP kosten. [Quellen: WKÖ/IV, Totschnig zu Selektiv, Zehetner zu Selektiv | Grafik: CO2-Neutralität 2040: Der Preis des Alleingangs | Reaktion: FPÖ OÖ]

🇦🇹 SPÖ-Staatssekretärin für Zuckersteuer. Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig will die Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke „intensiv diskutieren“. Eine Zuckersteuer wäre „wichtig, nicht nur wegen der Steuereinnahmen. Es wäre auch eine von vielen Möglichkeiten, um Adipositas bei Kindern und Jugendlichen zu verringern“, so die Staatssekretärin im Interview mit den Salzburger Nachrichten. Mit den Koalitionspartnern wurde der Vorstoß aber noch nicht diskutiert, so Königsberger-Ludwig. [Quelle: SN]

🇦🇹 Speditionsverband warnt vor „Maut-Fleckerlteppich“. Der Zentralverband Spedition & Logistik (ZV) lehnt die geplante Lkw-Maut im Burgenland ab und warnt u. a. vor einer Präzedenzwirkung für weitere Bundesländer. Österreich dürfe nicht in „neun unterschiedliche regionale Mautwelten“ zerfallen, das erhöhe Kosten und Verwaltungsaufwand, so der Verband. Zudem sei die Lkw-Maut in Österreich bereits heute eine der höchsten Europas. Der Gesetzesentwurf befindet sich seit dem 14. August in Begutachtung, der Beschluss ist für den Oktober geplant. Vor weiteren Umsetzungsmaßnahmen fordert der ZV eine „transparente wirtschaftliche, verkehrliche und rechtliche Folgenabschätzung“. [Quellen: ZV Spedition & Logistik, Land Burgenland]

🇪🇺 Unternehmensanmeldungen sinken, Insolvenzen steigen. Im 2. Quartal 2026 sind die Unternehmensanmeldungen in der EU im Quartalsabstand um 0,5 % gesunken, während die Insolvenzen um 5,7 % gestiegen sind. Vor allem in der Industrie gingen die Registrierungen zurück (-3,6 %), gefolgt von der Beherbergung und Gastronomie (-3,4 %). Zugleich wurden Anstiege in der Kommunikationsbranche (+8,8 %) und in der Baubranche (+1 %) verzeichnet. Die Insolvenzen stiegen hauptsächlich im Bildungs- und Sozialsektor (+21,1 %) sowie in der Transportbranche (+11,4 %). Weniger Insolvenzen wurden in der Beherbergung und Gastronomie sowie im Baugewerbe eröffnet. [Quelle: Eurostat – Übersicht, Daten]

🇩🇪 Studie: Deutsches Produktivitätswachstum reicht nicht, um Wohlstand zu erhalten. Die deutsche Arbeitsproduktivität stieg in den vergangenen 6 Jahren durchschnittlich um 0,3 % pro Jahr. Um den Wohlstand zu erhalten, wäre laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mehr als das Fünffache nötig, ein Produktivitätswachstum von durchschnittlich 1,6 % pro Jahr. Ursächlich dafür sei v. a. der Arbeitskräfterückgang durch die alternde Bevölkerung. Um dieses Niveau zu erreichen, müssten laut dem IW in den Bereichen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Innovation, Bürokratie und Investitionen Rahmenbedingungen angepasst werden. Beispielsweise könnte eine Anhebung der Forschungsausgaben auf israelisches Niveau die Produktivität um 13 % erhöhen. Man müsse „zu den Ländern der OECD aufschließen, Ideen von dort aufnehmen, ausprobieren, experimentieren“, so Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, die die Studie in Auftrag gegeben hat. [Quelle: IW Köln via Handelsblatt | Grafik: Österreichs Produktivitätswachstum im Sinkflug]

🇯🇵 Japans Wirtschaft wuchs im 2. Quartal. Japans BIP wuchs im 2. Quartal 2026 real um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal – das 3. Quartal in Folge mit Plus, aber schwächer als im nach oben revidierten 1. Quartal (+0,5 %). Der private Konsum sank real um 0,1 %, die Unternehmensinvestitionen gingen um 1,2 % zurück. Dagegen stieg der Staatskonsum um 1,6 %. Die Binnennachfrage bremste das Wachstum um 0,2 Prozentpunkte, während der Außenhandel mit plus 0,5 Prozentpunkten das Wachstum antrieb. Die Exporte legten real um 0,5 % zu, die Importe sanken um 1,5 %. [Quelle: Cabinet Office/ESRI Japan

🇨🇳 Chinesische Konjunktur schwächer als erwartet. Im Juli ist die Produktion im verarbeitenden Gewerbe Chinas um 4,5 % gewachsen und damit schwächer als die erwarteten 4,8 %. Auch im Vergleich zum Juni (+5,3 %) war das Wachstum im Juli niedriger. Die Umsätze im Einzelhandel legten im Juli um 0,6 % zu und entwickelten sich damit ebenfalls schwächer als noch im Juni (+1,0 %). Analysten hatten ein Plus von 1,5 % erwartet. [Quellen: Nationales Statistikbüro, Reuters]

🇬🇷 Griechenland will 13 Mrd. Euro Schulden vorzeitig tilgen. Die griechische Regierung plant, bis Jahresende rund 13 Mrd. Euro an Schulden vorzeitig zurückzuzahlen – u. a. 2,5 Mrd. aus dem 1. Griechenland-Hilfsprogramm von 2010. Durch die früheren Rückzahlungen spare das Land rund 360 Mio. Euro Zinsen pro Jahr. Schätzungen zufolge soll die griechische Staatsverschuldung im laufenden Jahr auf 137 % des BIP sinken. Damit würde Griechenland von Italien mit einer prognostizierten Schuldenquote von 138,6 % des BIP als Schulden-Spitzenreiter in der Eurozone abgelöst. [Quelle: Kathimerini | Grafik: Wird Österreich das neue Griechenland?]

Selektive Agenda:

Heute, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht „Bildungsausgaben 2023“

Heute, Helsinki: Außenministerin Beate Meinl-Reisinger startet dreitägigen Finnland-Besuch

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Seit August ist Thomas Gaber Teil des Führungsteams von Deloitte Österreich. Patrick Madl hat mit Juli die Leitung von Smile Österreich übernommen. Samuel Krivic wird Teil der Geschäftsführung der Immonow Services GmbH. Heiner Lang löst ab 1. Oktober Alfred Felder als Zumtobel CEO ab. Rainer Hauswirth wird mit 1. September neuer Abteilungsleiter der MA44. Romana Klocker verstärkt seit 1. August die Geschäftsführung von Lohberger. Arantxa Hernando ist seit 17. August 2026 neue General Managerin von Arval Österreich.

Geburtstage: Wir gratulieren Rotraud Perner und Dietrich Kops zum Geburtstag.

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