Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
News – das müssen Sie heute wissen:
🇦🇹 Gewerkschaft droht mit Streiks in Frühjahrslohnrunde. Heute findet die nächste KV-Verhandlungsrunde in der Elektronikindustrie statt, am Donnerstag folgen Chemische Industrie und Papierindustrie. Die Forderungen der Gewerkschaft (+3,5 bzw. +3,35 %) übertreffen dabei die aktuellen Angebote der Arbeitgeberseite (Einmalzahlungen bzw. 1-1,8 %). Reinhold Binder, der Vorsitzende der Produktionsgewerkschaft (ProGe), spricht von „rotzfrechen Angeboten“. Sollten die nächsten Verhandlungsrunden keine „substanziellen Fortschritte“ bringen, dann „werden wir Streikbeschlüsse einholen müssen“, droht Binder. Die Arbeitgeberseite sieht mit Verweis auf die steigende Inflation und den Irankrieg keinen Spielraum für hohe Lohnabschlüsse. „Es geht in diesen Verhandlungen nicht um Emotionen oder öffentliche Inszenierungen, sondern um wirtschaftliche Fakten, die nicht widerlegbar sind“, so der Arbeitgeber-Chefverhandler in der chemischen Industrie, Ernst Gruber. [Quellen: Kurier, Kleine Zeitung, Reinhold Binder auf X, FCIO]
„Kurzfristig ein Problem der Branche, langfristig eine Standortfrage“
Interview mit Thomas Kicker
Österreich hinkt beim Glasfaserausbau hinterher und das wird zunehmend zum Problem: „Der Datenkonsum steigt jedes Jahr um mehr als zehn Prozent. Und die Anforderungen an digitale Infrastruktur steigen mit KI noch einmal dramatisch“, sagt Magenta-Telekom-CEO Thomas Kicker. Die Hürden seien hausgemacht: „Ein Glasfaseranschluss kostet in Österreich fünf- bis siebenmal so viel wie in anderen europäischen Ländern. Warum? Extrem fragmentierter Markt, sehr aufwändige Genehmigungsverfahren und hohe Regulierung beim Ausbau“. Die Breitbandmilliarde, die den Ausbau beschleunigen sollte, ist laut Kicker falsch gestaltet: „Hier lebt der Föderalismus auf und mit ihm die subventionierte Bauwirtschaft, die sich über die Breitbandförderung freut“.
💡 Pensionsanpassungen begünstigten niedrige Pensionen. Gesetzlich ist die jährliche Pensionsanpassung an den Verbraucherpreisindex gebunden. Tatsächlich wurden die Anpassungen 2018 bis 2026 regelmäßig gestaffelt vorgenommen: Niedrige Pensionen wurden stärker angehoben als der Richtwert vorsieht, hohe schwächer. Kumuliert liegt die Ausgleichszulage (gesetzliche Mindestpension) um 11,1 Prozentpunkte über dem Richtwert, mittlere Pensionen um rund 3 Prozentpunkte. Pensionen im oberen Bereich wurden unter dem Richtwert angepasst. Solche Staffelungen können das Äquivalenzprinzip der Pensionsversicherung unter Druck setzen. Dieses sieht vor, dass höhere Beiträge zu proportional höheren Pensionen führen. [Quelle: Eco Austria | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Wirtschaft trotz Irankrieg auf Erholungskurs. Der Konjunkturindikator der Bank Austria ist im April um 0,4 Zähler auf minus 1,8 Punkte gesunken. Laut Chefökonom Stefan Bruckbauer wird die heimische Wirtschaft ihren Erholungskurs jedoch fortsetzen können, auch wenn es in den kommenden Monaten nur „sehr verhaltene Wachstumsaussichten“ gibt. Für heuer wird ein Wirtschaftswachstum von 0,8 % prognostiziert. Die gestiegene Inflation wird den Konsum belasten und die erwartete Entspannung am Arbeitsmarkt auf 2027 verschieben. Die Arbeitslosigkeit soll daher leicht auf 7,5 % steigen. Die Erhöhung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte im Juni wird als „immer wahrscheinlicher“ eingeschätzt. [Quelle: UniCredit Bank Austria]
🇦🇹 Agrardiesel kommt früher. Die Koalitionsparteien haben sich im Rahmen des Doppelbudgets aufgrund der gestiegenen Treibstoffpreise auf eine Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung für die Jahre 2027 und 2028 geeinigt. Die erste Auszahlung wäre demnach erst im Dezember 2027 erfolgt, diese soll nun um ein Jahr vorgezogen werden. Diesel wird damit für Bauern mit ca. 16 Cent pro Liter subventioniert, pro Jahr stehen 50 Mio. Euro zur Verfügung. „Mit dem Vorziehen der Auszahlung um ein Jahr wirken wir den aktuell hohen Preisen entgegen und stärken die Liquidität unserer Betriebe“, so Bundeskanzler Christian Stocker und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig in einem gemeinsamen Statement. [Quelle: BMLUK | Reaktionen: ÖVP, FPÖ, Bauernbund]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,874 Euro für Diesel und 1,775 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juli liegt heute früh bei 111,21 Dollar, ein Anstieg um 0,27 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt liegt bei 51,795 Euro pro MWh, ein Anstieg um 1,16 %. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 Weiter keine Einigung bei Lohntransparenz. Noch gibt es keine Einigung bei der Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die bis 7. Juni in nationales Recht gegossen werden muss. Bundeskanzler Christian Stocker sprach sich letzte Woche für eine „praktikable“ Umsetzung aus, „Goldplating“ werde nicht stattfinden. Um die Richtlinie fristgerecht bis 7. Juni umzusetzen, müsste sie noch diese Woche im Nationalrat beschlossen werden. Sozialministerin Korinna Schumann teilte der APA mit, dass man sich derzeit in der finalen Abstimmung mit den Sozialpartnern befindet. Für Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn braucht es „aber nicht zwingend die gesamte Richtlinie in ihrer derzeitigen Form mit ihren zahlreichen Bruchstellen in der praktischen Umsetzung“. [Quelle: APA via Medienberichte – Stocker, Schumann; Die Presse | Reaktionen: FPÖ, Die Grünen | Kommentar: Entgelttransparenz: Richtiges Ziel, schweres Geschütz]
🇦🇹 Finanzsituation der Österreicher verschlechtert. 43 % der befragten Österreicher berichteten in einer aktuellen Umfrage, dass sich die eigene finanzielle Situation in den letzten 12 Monaten eher verschlechtert hat. Nur 7 % schätzen die rezente Entwicklung als positiv ein. Mit 58 % beschreibt eine Mehrheit die aktuelle finanzielle Lage als „sehr“ oder „eher gut“, im November 2025 waren es aber noch 67 %. Die Hälfte der Befragten erwartet in den kommenden 3 Monaten steigende Haushaltsausgaben. [Quelle: IMAS]
🇦🇹 Baukosten im April „deutlich“ gestiegen. Die Kosten für den Wohnhaus- und Siedlungsbau sind im Jahresabstand laut vorläufigen Daten von Statistik Austria „deutlich“ um 4,3 % gestiegen. Die Kosten für Straßenbau (+7,8 %), Siedlungswasserbau (+6,3 %) und Brückenbau (+6,0 %) legten im Vergleich zum Vorjahresmonat noch stärker zu. [Quelle: Statistik Austria]
🇪🇺 EU plant Maßnahmen gegen chinesische Importe. Die EU-Kommission verschärft Berichten zufolge ihre Gangart in Handelsfragen gegenüber China. Laut Politico will die EU weitere Wirtschaftssektoren dahingehend überprüfen, ob Importe der europäischen Industrie schaden und ob weitere Zölle eingeführt werden könnten, um sich vor „Überkapazitäten“ zu schützen. Solche Schutzmaßnahmen wurden in der Vergangenheit etwa für Stahl verabschiedet. Die Pläne sollen Ende Mai von den EU-Kommissaren besprochen und am G7-Gipfel sowie beim Rat der Staats- und Regierungschefs Mitte Juni vertieft werden. [Quelle: Politico]
🇩🇪 Energieintensive Industrie seit 2022 zweistellig geschrumpft. Die energieintensiven Industriezweige Deutschlands haben ihre Produktion seit der russischen Invasion um 15,2 % reduziert. Insgesamt ist die Produktion der deutschen Industrie zwischen Februar 2022 und März 2026 saison- und kalenderbereinigt um 9,5 % gesunken. Am stärksten betroffen war die „Herstellung von Erzeugnissen aus Beton, Zement und Kalksandstein“ mit einem Minus von 29,3 % sowie die Papierindustrie (-18,5 %) und chemische Industrie (-18,1 %). Seit Februar 2022 ging die Beschäftigung in der energieintensiven Industrie um 53.000 Personen bzw. 6,3 % zurück – nur die Mineralölverarbeitung konnte als einziger Industriezweig einen Beschäftigungsanstieg verbuchen (+1.000 Beschäftigte bzw. +5,8 %). [Quelle: Statistisches Bundesamt]
🇺🇸 🇨🇳 Trump in China. Der Besuch von US-Präsident Donald Trump beim chinesischen Präsidenten Xi Jinping drehte sich vor allem um sicherheitspolitische Fragen zu Taiwan und Iran. Die chinesische Regierung drängte auf ein Ende des Irankriegs und eine Öffnung der Straße von Hormus, machte aber keine verbindlichen Zusagen, hierzu beizutragen. In zoll- und handelspolitischen Fragen sprach Trump bei seiner Abreise am Freitag von „sehr erfolgreichen“ Verhandlungen, jedoch ohne Details zu nennen. China veröffentlichte dann am Samstagabend fünf „vorläufige Ergebnisse“ der Verhandlungen: Erstens sollen Ergebnisse früherer Zoll-Verhandlungen nun umgesetzt werden; zweitens werden ein Handels- und ein Investitionsausschuss eingerichtet; drittens wollen beide Länder nichttarifäre Handelshindernisse bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen beseitigen; viertens soll durch gegenseitige Zollsenkungen der bilaterale Handel vertieft werden und fünftens wird China von den USA Flugzeuge und Triebwerke kaufen. [Quellen: Reuters I, Reuters II, Chinesisches Handelsministerium]
🇺🇸 🇷🇺 US-Sanktionen auf russisches Öl wieder in Kraft. Die vorübergehend ausgesetzten US-Sanktionen auf russisches Öl sind am Wochenende wieder in Kraft getreten. Indien – der zweitwichtigste Abnehmer von russischem Öl – hat die USA zuvor vergeblich um eine Verlängerung ersucht. Die USA hatten Mitte März russische Öllieferungen über den Seeweg von den Sanktionen ausgenommen, um das globale Ölangebot zu erhöhen und die Preise zu dämpfen. [Quellen: Reuters, Bloomberg]
🇨🇳 Chinas Industrieproduktion verliert im April an Tempo. Die chinesische Industrieproduktion ist im April im Vorjahresvergleich um 4,1 % gewachsen, nach 5,7 % im März. Die Einzelhandelsumsätze legten im April um 0,2 % zu, nach 1,7 % im März. Die Anlageinvestitionen gingen in den ersten 4 Monaten 2026 um 1,6 % zurück, nachdem sie im Zeitraum Januar bis März noch um 1,7 % gestiegen waren. [Quellen: Chinesisches Statistikamt, Reuters]
Selektive Agenda:
Heute, Wien: 4. KV-Verhandlungsrunde für die Elektro- und Elektronikindustrie
10:00 Uhr, Brüssel: EU-Ministerrat „Auswärtige Angelegenheiten“ (Entwicklung) [Info]
17:00 Uhr, Straßburg: Sitzung des EU-Parlaments (bis 21.5.) [Info]
Wochenvorschau
Am heutigen Montag eröffnet Bundespräsident Alexander van der Bellen das Donau-Forum Wachau, dessen 30. Ausgabe bis Freitag dauert. Weiters findet in Wien die 4. KV-Verhandlungsrunde in der Elektronikindustrie statt. In Brüssel findet der EU-Ministerrat „Auswärtige Angelegenheiten“ (Entwicklung) statt. Das Europaparlament tagt von Montag bis Donnerstag in Straßburg.
Der Ministerrat findet aufgrund der Plenarsitzungen bereits am Dienstag statt.
In der ersten Plenarsitzung am Mittwoch wird über das „Asyl- und Migrationspakt Anpassungsgesetz“ beraten, sowie eine aktuelle Stunde der ÖVP abgehalten. Statistik Austria veröffentlicht am Mittwoch die finalen Zahlen zur Entwicklung des Verbraucherpreisindex im April.
Die zweite Plenarsitzung am Donnerstag startet mit einer Fragestunde an Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, danach wird u. a. die Umsatzsteuersenkung für Grundnahrungsmittel beschlossen. In Wien finden KV-Verhandlungen in der Chemischen Industrie, in Graz in der Papierindustrie statt. Die EU-Kommission präsentiert ihre Frühjahrsprognose in Brüssel. Bundeskanzler Christian Stocker empfängt den neuen ungarischen Ministerpräsidenten Péter Magyar in Wien.
Am Freitag gibt Statistik Austria die Geburtenbilanz 2025 sowie die Anzahl der Eheschließungen und -scheidungen bekannt. Weiters findet der EU-Ministerrat „Auswärtige Angelegenheiten“ (Handel) in Brüssel statt. Ebenfalls am Freitag treffen sich die Finanzminister der Eurogruppe im zypriotischen Lefkosia – daran angeschlossen folgt eine informelle Tagung der Wirtschafts- und Finanzminister, die bis Samstag dauert.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Jobwechsel und Karriereschritte: Erika Merta wurde zur neuen Vorsitzenden der GÖD-Bundesvertretung Berufsschule gewählt. Reinhard Waldhör wurde als Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft wiedergewählt.
Geburtstage: Wir gratulieren Renée Schroeder zum Geburtstag.
Sehen & gesehen werden:
17:00 Uhr, Grafenegg: Eröffnung des Europa-Forum Wachau (bis 22.5.) [Info]