Morning in Brief ・ 23.07.2026

Morning in Brief, 23. Juli 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Driss Schmid, Yannic Haimeder, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Salzburg.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update – Ruf nach Spritpreisbremse. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,009 Euro für Diesel und 1,878 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im September lag heute Früh bei 95,96 Dollar, ein Plus von rund 4,9 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Donnerstagfrüh bei 62,98 Euro pro MWh – ein Anstieg um rund 5,2 %. Die Regierung verhandelt aufgrund der steigenden Spritpreise über eine Fortführung und Ausweitung der Spritpreisbremse. Derzeit beträgt die Steuerreduktion 0,8 Cent pro Liter. Die Margenbeschränkung ist mit Mai ausgelaufen – der ÖGB fordert diese wieder ein, der Kraftstoff-Fachverband lehnt eine solche Maßnahme ab. In Deutschland steht die „sehr teure“ Spritpreisbremse nicht vor einem Comeback. Das bisherige Instrument habe den Bundeshaushalt bereits „viele Milliarden Euro“ gekostet, für neue Entlastungen fehle angesichts der knappen Haushaltslage der Spielraum, so die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. [Quellen: SN, Ö1, NTV, Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis | Reaktion: FPÖ | Grafik: Spritpreise ziehen wieder an]

Kommentar: Danke für dieses Argument
von Rainer Nowak

Das Sozialministerium erklärt die schwachen Werte zur Selbsterhaltungsfähigkeit mit geringer Bildung und niedrigen Löhnen. Genau damit beschreibt es das Problem, das es relativieren möchte. Ein System, das Menschen jahrelang in Hilfstätigkeiten ohne Aufstiegsperspektive festhält und die verbleibende Differenz dauerhaft mit Transfers ausgleicht, ist weder wirtschaftlich noch sozial erfolgreich. Es konserviert Abhängigkeit, statt sie zu überwinden.

💡 Digitalisierung senkt Verwaltungsaufwand im Gesundheitswesen. Laut einer Befragung von Economica unter 26 österreichischen Gesundheitseinrichtungen, überwiegend Reha- und Kurbetriebe sowie Privatkliniken, sinkt der Zeitaufwand durch digitale Patientenkontaktpunkte am stärksten bei Terminkoordination (62,5 %) und Dokumentation (60,1 %); Informationsbeschaffung (57,2 %) und Patientenkommunikation (56,6 %) folgen. Bei Aufnahme (53,6 %) und Entlassung (54,5 %) liegt die Einsparung bei rund der Hälfte. Umgerechnet auf einen 8-Stunden-Arbeitstag entspricht eine Einsparung von 60 % knapp 4:48 Stunden, bezogen auf die erhobenen Tätigkeiten. In 85 % der Einrichtungen gingen zudem Dokumentationsfehler zurück, in 90 % nahmen redundante Arbeitsschritte ab. [Quelle: Economica | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Feuerpause dämpfte Energiepreise im Juni. Aufgrund der kurzzeitigen Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran sanken die Energiepreise von Mai auf Juni um 3,1 %, lagen aber weiterhin 5,4 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Heizöl verbilligte sich im Monatsabstand am stärksten (-11,6 %), dahinter folgten Diesel (-7 %) und Superbenzin (-4,9 %). Erdgas (0,1 %), Strom (0,2 %) und Pellets (0,3 %) verteuerten sich geringfügig. Preiseffekte der jüngsten Eskalation im Iran-Konflikt sind in diesen Daten noch nicht abgebildet. [Quelle: Austrian Energy Agency]

🇦🇹 3 von 4 Wienern kaufen online ein, stationärer Handel dominiert weiter. Die Online-Ausgaben der Wiener stiegen im Vorjahr um 17 % auf rund 2,3 Mrd. Euro und erreichten damit einen neuen Höchstwert. 74 % der Wiener kaufen heute online ein, nach 58 % vor 10 Jahren. Der Großteil der Einzelhandelsausgaben entfällt weiterhin auf den stationären Handel (88 %), der Online-Anteil liegt bei 12 %. Laut WK-Wien-Handelsobfrau Margarete Gumprecht fließen bereits 65 % der Online-Ausgaben ins Ausland, vor allem zu asiatischen Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress. Der Wiener Handel fordert gleiche Wettbewerbsbedingungen und die konsequente Anwendung von EU-Regeln auch auf Anbieter aus Drittländern. „Umwelt-, Sicherheits-, Steuer- und Sozialstandards müssen für alle Marktteilnehmer gleichermaßen gelten“, so Gumprecht. [Quelle: WK Wien]

„Investitionen wandern zunehmend in andere Länder ab“
Interview mit Alexander Mülhaupt

In Österreich ist die Zahl klinischer Studien in 3 Jahren um 30 % eingebrochen. Das ist nicht nur für Patienten bitter, weil es den frühen Zugang zu innovativen Medikamenten einschränkt, erklärt der General Manager von Roche Österreich: „Das bedeutet auch höhere Kosten für das Gesundheitssystem“. Österreich hätte sehr gute Voraussetzungen als Innovationsstandort, sei aber zu langsam und zu kompliziert. Die Folge: Investitionen wandern in die USA und nach China ab: „Was ich in Europa und Österreich derzeit sehe, ist ein play not to lose: Man versucht, das Bestehende zu erhalten, ohne aggressiv voranzugehen“. Zur Kritik an hohen Medikamentenpreisen meint er: „Die Preisstruktur in Europa ist im internationalen Vergleich tatsächlich sehr niedrig, aber das wird selten transparent gemacht“.

🇪🇺 🇦🇹 EU-Automarkt wächst – Nachfrage nach Hybrid-Elektroautos am größten. Die Pkw-Neuzulassungen in der EU stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 5,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hybridfahrzeuge blieben mit einem Marktanteil von 37,3 % die meistgewählte Antriebsart, mit Zuwächsen u. a. in Italien (+23 %) und Spanien (+20,8 %). Batterieelektrische Autos legten auf 20,7 % zu (Vorjahr: 15,6 %), getrieben von Frankreich (+62,9 %) und Deutschland (+48 %). Plug-in-Hybride stiegen auf 9,8 % (8,5 %). Der gemeinsame Anteil von Benzin- und Dieselfahrzeugen sank auf 29,7 % (37,8 %), mit den stärksten Rückgängen bei Benzin in Frankreich (−34,2 %), Spanien (−18,5 %) und Deutschland (−18,2 %). In Österreich entfielen 34,4 % der Neuzulassungen auf Benzin- und Dieselfahrzeuge, 30,2 % auf Hybridfahrzeuge, 24,3 % auf batterieelektrische Autos und 11 % auf Plug-in-Hybride. [Quelle: Acea]

🇪🇺 Umweltsteuer-Einnahmen gestiegen. Die Einnahmen aus Umweltsteuern in der EU sind 2024 um 21,4 Mrd. Euro auf 371,9 Mrd. Euro gestiegen, ein Plus von 6,1 %. Ihr Anteil am BIP sank zwischen 2014 und 2024 von 2,5 % auf 2,1 %, ihr Anteil an den gesamten Steuer- und Sozialbeitragseinnahmen im selben Zeitraum von 6,1 % auf 5,1 %. Die größte Kategorie waren Energiesteuern mit 287,0 Mrd. Euro, nach 269,3 Mrd. Euro im Vorjahr. Es folgten Verkehrssteuern mit 67,0 Mrd. Euro (zuvor 64,0 Mrd. Euro) sowie Steuern auf Umweltverschmutzung und Ressourcen mit 17,9 Mrd. Euro (zuvor 17,2 Mrd. Euro). In 22 der 27 EU-Mitgliedsstaaten stiegen 2024 die Einnahmen aus Umweltsteuern. Der österreichische Staatshaushalt nahm dadurch rund 4,2 % mehr ein als 2023. [Quellen: Eurostat, Statistik Austria]

🇪🇺 EU-Kommission möchte hochwertige Jobs fördern und Ungleichheit abbauen. Die EU-Kommission hat gestern eine Mitteilung zu ihrer „Säule der sozialen Rechte“ vorgelegt, die 3 Schwerpunkte benennt: Die gestiegenen Lebenshaltungskosten, den KI-Einsatz in der Arbeitswelt sowie den Abbau von Ungleichheiten. Zur Förderung hochwertiger Arbeitsplätze und eines leichteren Wiedereinstiegs aus der Arbeitslosigkeit will die Kommission mit den Sozialpartnern über mögliche EU-Initiativen beraten. Angesichts der raschen Verbreitung von KI soll zudem eine hochrangige Gruppe zu den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt eingerichtet werden. Noch dieses Jahr will die Kommission ein Gesetz zu hochwertigen Arbeitsplätzen samt neuer Indikatoren zur Messung der Arbeitsplatzqualität vorlegen. [Quelle: EU-Kommission | Reaktion: SPÖ]

🇪🇺 🇺🇸 EU akzeptiert neue US-Zölle nur unter der Obergrenze von 15 %. Die EU-Kommission wird die von den USA geplanten neuen Zölle laut Euractiv hinnehmen, sofern sie unter der im Vorjahr vereinbarten Obergrenze von 15 % bleiben. Erwartet werden diese nach dem morgigen Ablauf der bisherigen Zölle von 10 %. Washington begründet die Abgaben mit angeblicher Zwangsarbeit. Brüssel habe zwar „sehr deutlich“ gemacht, dass die Vorwürfe falsch seien, das Hauptziel bleibe aber die Einhaltung der Obergrenze, berichtet Euractiv unter Berufung auf einen hohen Kommissionsbeamten. Mit den Vorwürfen dürften die USA vor allem China treffen, wodurch sich der zuletzt auf knapp 14 Prozentpunkte halbierte Zollvorteil der EU gegenüber China wieder vergrößern könnte. Von den jüngst angekündigten 100-%-Zöllen auf Generika sieht sich die EU hingegen nicht betroffen. Aufgrund des EU-US-Zolldeals würden diese weiterhin mit 0 % verzollt werden, wie EU-Kommissionssprecher Olof Gill gegenüber Politico erklärte. [Quelle: Euractiv, IW Köln, Politico | Reaktion: U.S. Chamber of Commerce & BusinessEurope]

🇩🇪 🇺🇸 US-Zollpolitik belastet deutsche Industrie. In einer Umfrage des Ifo-Instituts berichten 62 % der Industrieunternehmen von negativen Auswirkungen der US-Zölle auf ihr Geschäft. Im Maschinenbau und der Automobilbranche liegt der Wert bei über 70 %. Die Mehrheit der Unternehmen rechnet mit einer dauerhaft hohen Belastung bis zum Ende von Donald Trumps Amtszeit. 34 % der Unternehmen geben die Mehrkosten vollständig an US-Kunden weiter, weitere 28 % zumindest zur Hälfte. Rund 40 % haben deshalb standortübergreifende Investitionen verschoben, gestoppt oder umstrukturiert, 16 % strichen konkret Investitionen in Deutschland. [Quelle: Ifo]

🇩🇪 Deutsche Regierung beschließt Startup- und Scaleup-Strategie. Damit Startups in der Wachstumsphase den Standort Deutschland nicht verlassen, legt die deutsche Bundesregierung nun ein Strategiepapier vor. Darin sind 8 Handlungsfelder definiert, die Startups u. a. dabei helfen sollen, zu skalieren, Zugang zu mehr Risikokapital zu bekommen, bürokratische Vorgänge zu reduzieren. Zudem soll der Transfer von Forschung in die Praxis gefördert werden. Im Zusammenhang mit dem Bürokratieabbau wird die Umsetzung des einheitlichen europäischen Rechtsrahmens EU Inc. bis zum Jahresende gefordert. Ein weiterer Fokus liegt auf Startups und Scaleups aus der Verteidigungsbranche, für die der Zugang zu öffentlichen Aufträgen einfacher gestaltet werden soll. [Quelle: Übersicht, Startup-Strategie]

🇬🇧 Britische Inflation gesunken. Die Inflation im Vereinigten Königreich ging im Juni stärker als erwartet zurück. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,6 %, nach 2,8 % im Mai. Die Inflation erreichte damit ihren niedrigsten Wert seit März 2025. Hauptgrund waren gesunkene Kraftstoffpreise infolge der vorübergehenden Deeskalation im Nahen Osten. Die britische Notenbank rechnet allerdings im 3. Quartal mit einem erneuten Anstieg der Inflation auf 3 %. Der seit Montag amtierende Premierminister Andy Burnham hat bereits eine Senkung der Energiesteuer angekündigt. Zudem sollen die Preise für einfache Bustickets ab Jänner 2027 mit 2 Pfund (2,35 Euro) gedeckelt werden. [Quellen: ONS, Reuters, britische Regierung]

🌐 Weltbank warnt vor globalem Wachstumseinbruch. Bei einer weiteren Eskalation des Irankriegs könnte das globale Wachstum heuer auf 1,3 % sinken, warnt Weltbank-Chefökonom Indermit Gill. Im Vorjahr ist die Weltwirtschaft um 2,9 % gewachsen, für 2026 wurden bisher 2,5 % prognostiziert. Halte der Konflikt ein halbes Jahr oder länger an, könnte zudem die Inflationsrate auf 4,5 % steigen und folglich auch die Zinsen. Ein längerer Konflikt und Schäden an der Öl-Infrastruktur der Region würden außerdem die Ernährungssicherheit verschärfen, da Lieferungen von Düngemitteln und anderen Agrargütern unterbrochen würden. [Quelle: Reuters]

Selektive Agenda:

6:00 Uhr, Brüssel: Europäischer Autoherstellerverband ACEA veröffentlicht „Pkw-Neuzulassungen Juni“

9:00 Uhr, Frankfurt: Zinspolitische Sitzung des EZB-Rats – Ergebnis um 14:15 Uhr

16:00 Uhr, Brüssel: EU-Kommission veröffentlicht „Verbrauchervertrauen Eurozone Juli“ (Vorabschätzung)

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Thorsten Frei soll auf Jens Spahn als neuer Fraktionsführer der Union im deutschen Bundestag folgen. Christian Strobel-Ludwig übernimmt mit 1. August das Firmenkundengeschäft der Region Süd der UniCredit Bank Austria, Martin Stocker wird neuer Landesdirektor für Firmenkunden in Kärnten.

Geburtstage: Wir gratulieren Susanne Winter und Roland Ertl zum Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Salzburg Summit Update

Heute um 9 Uhr eröffnet die Industriellenvereinigung den Kongress „Salzburg Summit“ – um 11 Uhr spricht der ehemalige US-Außenminister Antony Blinken.

Traditionell fand am Vorabend ein Galadinner auf Einladung von IV und Raiffeisen statt. Gesehen wurden u.a. Holger Bonin, Christine Catasta, Martin Hauer, Georg Knill, Therese Niss, Christian Diewald, Georg Schöppl, Sabine Herlitschka, Wolfgang Hattmannsdorfer, Pavol Dobrocky, Ulrike Rabmer-Koller, Wolfgang Wurm, Valerie Brunner, Karl-Heinz Strauss, Wolfgang Sobotka, Christoph Neumayer, Christoph Knogler, Beatrix Praeceptor, Ricardo-José Vybiral, Georg Krause, Alexander Schallenberg, Karl Nehammer, Johannes Hahn uvm. 

Morgen um 7 Uhr erhalten Sie mit dem „Morning in Brief“ ein Summit-Briefing mit den wichtigsten Punkten aus allen Diskussionen und Keynotes sowie die besten Bilder des ersten Kongresstags. 

Heute, Salzburg: Salzburg Summit im Salzburg Congress Center u. a. mit Antony Blinken, Wolfgang Hattmannsdorfer, Georg Knill, Magnus Brunner, Karoline Edtstadler, Sabine Mauderer und Claudia Bauer [Info]

17:00 Uhr, Innsbruck: Christian Stocker lädt zu „Österreich im Gespräch“ [Info]

20:00 Uhr, Salzburg: Salzburg Summit Get Together im Hotel Sacher & Café Bazar mit Selektiv Media Pop-up Bar zwischen den Veranstaltungsorten [invite only]

Sie haben diesen Newsletter weitergeleitet bekommen?