Morning in Brief ・ 08.05.2026

Morning in Brief, 8. Mai 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 IWF: Irankrieg trifft Österreich weniger hart als Ukrainekrieg 2022. Laut aktueller IWF-Länderanalyse dürfte das BIP-Wachstum 2026 bei 0,7 % liegen und damit um 0,4 Prozentpunkte niedriger als vor dem Krieg erwartet. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sollen aber weniger hart ausfallen als durch den russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Die Inflation wird im Jahresschnitt bei 2,5 % gesehen, um 0,6 Prozentpunkte über der Vorkriegsprognose. Mittelfristig erwartet der IWF eine Verlangsamung auf 1,3 % Wachstum bis 2028 und nur noch rund 0,8 % Potenzialwachstum bis 2031, bedingt vor allem durch demografische Herausforderungen. Das Budgetdefizit von aktuell über 4 % sei zu hoch und müsse langfristig Richtung 2 % gesenkt werden; beim Pensionssystem empfiehlt der IWF, Anreize für Frühpensionierungen zu reduzieren und das Antrittsalter zu erhöhen. Den österreichischen Bankensektor bewertet der IWF als gut kapitalisiert und stabil. Zudem ortet der Bericht bei den Einzelhandelspreisen Handlungsbedarf: Diese lägen über jenen der Nachbarländer unter anderem wegen restriktiver Öffnungszeitenregelungen und bürokratischer Markteintrittsbarrieren. Der vollständige Country Report erscheint in den kommenden Wochen. [Quellen: IWF]

Kommentar: Entgelttransparenz: Richtiges Ziel, schweres Geschütz
von Gerald Loacker

Wer gleiche oder gleichwertige Arbeit leistet, darf nicht deshalb weniger verdienen, weil er Frau oder Mann ist. Daran gibt es nichts zu relativieren. Die offene Frage ist aber, ob die EU-Entgelttransparenz-Richtlinie dieses Ziel mit Augenmaß verfolgt, oder ob sie mit komplexen Berichts- und Auskunftspflichten insgesamt übers Ziel hinausschießt.

💡 Lohntransparenz brachte Dänen falschen Effekt. Als dänische Unternehmen ab 2006 verpflichtet wurden, Lohndaten nach Geschlecht offenzulegen, sank der Gender Pay Gap um 13 % – allerdings vor allem weil Männerlöhne langsamer wuchsen, nicht weil Frauenlöhne stiegen. Die Unternehmensgewinne blieben stabil, weil sinkende Lohnkosten die gleichzeitig gesunkene Produktivität (–2,9 %) kompensierten. Die Ergebnisse sind aktuell: Mit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie stehen auch österreichische Unternehmen vor ähnlichen Berichtspflichten. [Quelle: Bennedsen et al. (Journal of Finance, 2022) | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Bauwirtschaft droht 8. Rezessionsjahr. Raiffeisen Research geht davon aus, dass 2026 der österreichischen Bauwirtschaft das 8. Rezessionsjahr beschert. Das ist eine längere Phase als in jeder anderen Branche seit 1977. Die Mietpreisbremse sei dabei ein wesentlicher Faktor: Sie wirke als Investitionsbremse und verschärfe die Angebotsknappheit am Mietmarkt in den Ballungszentren. Der Jahresstart war für den Wohnimmobilienmarkt zwar stark, aber der Irankrieg bremse zusätzlich. Im 1. Quartal stiegen die Preise laut OeNB-Immobilienpreisindex um 1,1 % gegenüber Q4 2025 – deutlich schneller als im Vorquartal (+0,4 %). Der Irankrieg und die damit verbundenen Zinserhöhungen werden die Leistbarkeit 2026 weiter einschränken, für 2027 werden aber wieder sinkende EZB-Leitzinsen erwartet. [Quelle: Raiffeisen Research | Kommentar: Baurezession und kein Ende?]

🇦🇹 Handel fordert Übergangsregeln für Sachbezug auf E-Firmenautos. Im Zuge des kommenden Doppelbudgets will die Regierung die Sachbezugsbefreiung für privat genutzte Firmen-Elektroautos ab 2027 streichen. Für Arbeitnehmer könnte das eine Mehrbelastung von bis zu rund 500 Euro im Monat bedeuten, rechnete gestern der Handel vor. Fahrzeughandel und Elektrohandel warnen vor gravierenden Folgen für die Mobilitätswende: 66 % aller neu zugelassenen Fahrzeuge werden von Unternehmen angemeldet. Elektrohandels-Obmann Robert Pfarrwaller warnt, dass weniger attraktive E-Firmenwagen auch die Nachfrage nach Ladeinfrastruktur, Wallboxen und Photovoltaik bremsen würden. Beide Branchen fordern Übergangsregeln: Bestehende Fahrzeuge und laufende Leasingverträge sollen ausgenommen, Änderungen nur für Neuanschaffungen ab einem klar definierten Stichtag gelten. [Quellen: WKÖ – Fahrzeughandel, Elektrohandel]

Kommentar: Elektrisch fahren – wann, wenn nicht jetzt? 
von Barbara Schmidt

Man könnte meinen, spätestens jetzt müsste klar sein, dass die Abhängigkeit von Öl und Gas so schnell wie möglich reduziert werden muss. Und Österreich? Nach dem Auslaufen der Kaufprämie für E-Autos und dem Ende der Befreiung von der motorbezogenen Versicherungssteuer soll nun auch der Sachbezugsvorteil für elektrische Dienstwagen fallen. Man fragt sich: Wie passt das zusammen?

🇦🇹 Weitere 270 Mio. Euro für „Transformation der Industrie“. Ab heute startet ein neuer Fördercall im Rahmen des laufenden Programms „Transformation der Industrie“. Dieser umfasst 140 Mio. Euro für Investitionen in u. a. Anlagen, Maschinen und Technologien im Bereich erneuerbarer Energien sowie 130 Mio. Euro als Zuschuss zu laufenden Kosten beim Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Einreichungen sind bis September möglich. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer will sich zudem für eine Verlängerung des Stromkostenausgleichs (SAG) bis 2029 stark machen – bisher wird dieser nur für 2025 und 2026 gewährt, die EU-Kommission hat diese Woche grünes Licht bis 2030 gegeben. Ab 1.1.2027 soll dann der Industriestrompreis nach deutschem Vorbild kommen. Zur Finanzierung verwies Hattmannsdorfer auf die laufenden Budgetverhandlungen. Laut IV-Generalsekretär Christoph Neumayer geht es bei der energieintensiven Industrie direkt um rund 260.000 Beschäftigte und rund 690.000 abhängige Arbeitsplätze inklusive vor- und nachgelagerter Dienstleistungen. [Quellen: BMWET – Pressekonferenz, Aussendung, Transformation der Industrie | Reaktion: FPÖ]

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,979 Euro für Diesel und 1,809 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juli liegt heute Morgen bei 101,790 Dollar, ein Rückgang um 0,07 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag Freitagfrüh bei 45,205 Euro pro MWh, ein Anstieg um 1,78 %. In der Nacht kam es zu einem Beschuss zwischen dem Iran und den USA in der Straße von Hormus. Mittlerweile hat sich die Lage wieder beruhigt. US-Präsident Donald Trump teilte mit, dass die Waffenruhe weiterhin in Kraft sei. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis, APA via Medienberichte, ABC News]

🇦🇹 Handel fehlt Klarheit bei MwSt.-Senkung. Ab 1. Juli soll die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel auf 4,9 % sinken, noch fehlt aber ein konkreter Gesetzestext. Die WKÖ kritisiert die fehlende Planungssicherheit: Welche Produkte betroffen sind, ist unklar, die Kassensysteme müssen auf einen Steuersatz mit Kommastelle umgestellt werden, und die Kapazitäten externer Dienstleister sind begrenzt. Im Gewerbe sind rund 1.300 Bäckereien, 1.400 Konditoreien und 1.100 Fleischereien betroffen. „Unter diesen Voraussetzungen ist die Umstellung in so kurzer Zeit nicht zu schaffen“, so Bundesinnungsmeister Leo Jindrak. [Quelle: WKÖ]

🇦🇹 Stocker setzt in VAE auf stärkere Zusammenarbeit bei KI. Bundeskanzler Christian Stocker unterzeichnete gestern in den Vereinigten Arabischen Emiraten gemeinsam mit dem VAE-Präsidenten Muhammad bin Zayid Al Nahyan eine Erneuerung der bilateralen strategischen Partnerschaft, bei der es vor allem um eine stärkere Zusammenarbeit bei KI geht. Bei der Reise gehe es nicht darum, Öl und Gas für Österreich zu sichern. Das Land sei Vorreiter bei neuen Technologien und Stocker sieht in diesem Bereich große Chancen für österreichische Unternehmen. Auf EU-Ebene will er sich für einen raschen Abschluss eines Freihandelsabkommens einsetzen.  [Quellen: Aussendung BKA, Joint Declaration, APA via Medienberichte]

🇦🇹 Einzelhandel hat erstmals seit 3 Jahren Beschäftigungsplus. Der österreichische Einzelhandel setzte im März 2026 nominell um 3,2 % und real um 1,1 % mehr um als im Vorjahresmonat. Damit kehrte die Branche nach einem realen Minus von 0,2 % im Februar wieder ins Plus zurück. Zugleich waren laut HV/Wifo-Konjunkturreport im März 328.143 unselbständig Beschäftigte im Einzelhandel  tätig, ein Anstieg um 0,5 % gegenüber dem Vorjahr und der erste Beschäftigungszuwachs seit Februar 2023. Auf europäischer Ebene zeigte sich ein gemischtes Bild: Im Euroraum gab das Einzelhandelsvolumen saisonbereinigt um 0,1 % gegenüber dem Vormonat nach, in der EU legte es um 0,3 % zu. [Quellen: Statistik Austria, HV & Wifo, Eurostat]

🇦🇹 Großhandelspreise im April +6,7 %, Energieprodukte als Haupttreiber. Der österreichische Großhandelspreisindex legte im April 2026 im Jahresvergleich um 6,7 % zu (März: +5,4 %). Stärkste Preistreiber waren sonstige Mineralölerzeugnisse (+54,8 %), Gummi und Kunststoffe in Primärformen (+39,4 %) sowie Motorenbenzin und Diesel (+32,3 %). Auch IKT-Geräte (+13,6 %), Nicht-Eisen-Metalle (+13,8 %) und Eisen und Stahl (+8,3 %) verteuerten sich deutlich. Günstiger wurden Getreide, Saatgut und Futtermittel (−12,8 %). [Quelle: Statistik Austria]

🇪🇺 EU einigt sich auf vereinfachte KI-Regeln. Das Europäische Parlament und der EU-Rat haben sich auf die Digital-Omnibus-Verordnung zum AI Act geeinigt. Kernpunkt ist ein klarer Fahrplan: Hochrisiko-KI-Systeme (u.a. Biometrie, Bildung, Migration) müssen ab Dezember 2027 compliant sein, in Produkte integrierte Systeme ab August 2028. KMU-Erleichterungen werden auf kleine Midcap-Unternehmen ausgeweitet, mehr Unternehmen erhalten Zugang zu Reallaboren. Neu ist das Verbot von KI-„Nudification“-Apps, die nicht einvernehmliche sexuell explizite Inhalte erzeugen. [Quelle: EU-Kommission]

🇪🇺 🇺🇸 Trump setzt EU Deadline für Zolldeal. US-Präsident Donald Trump hat der EU im Zollstreit eine Frist für die Umsetzung des Zolldeals gesetzt. Sollte der Deal bis 4. Juni von der EU nicht umgesetzt sein, droht er mit höheren Zöllen. Zugleich hat ein US-Handelsgericht die seit 24. Februar geltenden weltweiten, pauschalen 10-%-Zölle für unzulässig erklärt, sektorspezifische Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos bleiben davon jedoch unberührt. [Quelle: Trump auf Truth Social, APA via Medienberichte]

Selektive Agenda:

81. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa

Heute, Abu Dhabi: Bundeskanzler Christian Stocker in den Vereinigten Arabischen Emiraten (bis 9.5.)

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria veröffentlicht „Registrierungen und Insolvenzen 1. Quartal“ sowie den Baupreisindex für das 1. Quartal und den Produktionsindex März

Samstag: Europatag der EU [Info]

Sonntag, Nikosia, Zypern: Informeller EU-Rat Allgemeine Angelegenheiten der Außen- und Europaminister (bis 11.5.) [Info]

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Emma Bauer ist die neue globale Chief Product Officer bei Signicat. Stephan Heyng ist der neue General Manager von British American Tobacco Austria. Paul Kimberger bleibt weitere 5 Jahre Vorsitzender der Pflichtschullehrergewerkschaft. Clemens Pig ist der neue Präsident des Genossenschaftsverbands. Sabine Keri wurde als Landesleiterin des Landtages der Wienerinnen bestätigt. Mit 1. Juni übernimmt Sebastian Strobl die Funktion des Finanzvorstandes der Brau Union. 

Geburtstage: Am Samstag hat Franz Dobusch Geburtstag, am Sonntag haben Monisha Kaltenborn, Elisabeth Olischar und Wolfgang Porsche Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

Spotted. Bei der Europe Day Reception im Haus der Europäischen Union wurden u. a. gesehen: Karl Nehammer, Michael Linhart, Georg Pfeifer, Patrick Lobis, Frank Schuster, Sirpa Rautio, Artur Lorkowski, Markus Figl, Markus Langer, Lucia Kronsteiner, Carl Hallergård, Rasa Ostrauskaite uvm.

20:00 Uhr (EDT), New York: 70. Viennese Opera Ball [Info]

Samstag, 11:00 Uhr, Wien: Total Champagne im Vienna Ballhaus – Champagner-Tasting und Delikatessen am 2. Winzer-Champagner-Tag [Info]

Samstag, 15:00 Uhr, Wien: Europe Day Festival der Vertretung der EU-Kommission in Österreich u. a. mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Magnus Brunner, Beate Meinl-Reisinger und Michael Ludwig auf dem Stephansplatz

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