Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing am Wochenende Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Yannic Haimeder – wir melden uns aus Wien.
Editor’s Note: Ohne Gewinn keine Dividende
von Stephan Frank
Die Neos möchten umverteilen. Also, genauer gesagt, soll die im Sommergespräch lancierte „Reformdividende“ den heimischen Steuerzahlern wieder einen Teil der zu viel einkassierten Steuern zurückgeben, wenn die Budgetkonsolidierung besser als geplant läuft. Verwiesen wird dabei auf die Defizitentwicklung im vergangenen Jahr. Für 2025 wurde ursprünglich ein gesamtstaatliches Defizit von 4,5 % des BIP erwartet – letztendlich waren es „nur“ 4,2 %. Ebendiese 0,3 Prozentpunkte wären gemäß der Neos-Vorstellungen dann zu einer Hälfte in die weitere Budgetkonsolidierung und zur anderen Hälfte als Steuerfreibetrag zurück an die Bevölkerung geflossen.
Die Neos wollen den Vorschlag aber nicht als „Wahlzuckerl“ verstanden wissen, sondern als genaues Gegenteil davon. Statt einen unerwarteten Überschuss für neue Förderungen oder Klientelpolitik verprassen zu können, soll die Reformdividende sicherstellen, dass ein Teil davon an die Einkommens- und Lohnsteuerzahler rückverteilt wird. Ganz ähnlich wie bei einer echten Dividende – diese würde man auch erst ausschütten, wenn Gewinne ermittelt wurden – so die Neos-Losung. Ein hehres Ziel, aber gibt es in absehbarer Zukunft im Staate Österreich überhaupt Gewinne zu ermitteln? Nein, wohl nicht. Denn angesichts des Irankriegs, einer dadurch zögerlichen Konjunkturentwicklung und zusätzlicher Ausgaben für die Dürrehilfen stehen die Zeichen trotz Rekordeinnahmen des Staates und einer Rekordabgabenlast nicht auf Übererfüllung, sondern viel eher auf deutliches Verfehlen der Budgetziele.
Grafik: Abgaben in Österreich auf Rekordniveau
Dazu reicht ein Blick auf die jüngsten Prognosen des Fiskalrats. Der oberste Budgetwächter erwartet für heuer ein Abweichen vom Budgetpfad des Finanzministeriums von 0,3 Prozentpunkten – in die negative, nicht positive Richtung. Auch in den Folgejahren setzt sich die pessimistische Einschätzung fort. Während die Regierung weiterhin plant, das EU-Defizitverfahren bis 2028 beenden und das gesamtstaatliche Defizit unter minus 3,0 Prozent des BIP drücken zu können, sieht das der Fiskalrat deutlich anders: In den kommenden zwei Jahren müssten weitere 5,7 Mrd. Euro eingespart werden, um das Maastricht-Ziel einzuhalten. Bei der derzeitigen Entwicklung würde das Ziel um 0,8 Prozentpunkte verfehlt werden.
Damit konfrontiert verweisen die Erfinder der Reformdividende auf „technische Aspekte“, zum Beispiel wie gewisse Ausgaben welchem Kalenderjahr zugewiesen werden. Geschenkt, möge das einen Zehntelprozentpunkt ausmachen. Doch dass der Fiskalrat ein Verfehlen der Budgetziele um mehrere Milliarden Euro prognostiziert, lässt sich sicher nicht mit technischen Aspekten erklären.
Grafik: Defizit – Fiskalrat und Regierung uneins
Somit bleibt die Reformdividende ein nettes Gedankenexperiment mit erstaunlich langer Halbwertszeit für einen Sommergespräch-Sager, aber wenig Chancen auf Umsetzung. Mit Blick auf das nächste Sommergespräch mit SPÖ-Chef Andreas Babler bleibt in diesem Sinne nur zu hoffen, dass auch dessen neue (Steuer-)Ideen ebensowenig Chance auf Umsetzung haben werden.
News – was Sie seit dieser Woche wissen müssen:
🇦🇹 Einigung auf 240 Mio. Euro Dürre-Hilfspaket. Die Koalition hat sich auf ein Agrar-Hilfspaket mit 3 Schwerpunkten geeinigt. Erstens werden 25 Mio. Euro aus den Budgetmitteln des Landwirtschaftsressorts umgeschichtet, um Zinszuschüsse zu Betriebsmittel- und Agrarinvestitionskrediten zu ermöglichen; weitere 25 Mio. Euro werden von den Bundesländern gestellt. Zweitens werden Bund und Länder jeweils 25 Mio. Euro zu den Versicherungsprämien der Hagelversicherung zuschießen, die staatliche Prämiensubvention steigt damit von 55 % auf 65 %. Drittens kommen weitere 140 Mio. Euro aus dem Bundesbudget, um den Agrarbetrieben zwei Sozialversicherungs-Monatsbeiträge erlassen zu können und so die Liquidität der Betriebe zu sichern. „Die Dürre wird das Budget 2026 belasten, sowohl durch die wirtschaftlichen Folgen als auch durch die Liquiditätshilfen“, so Finanzminister Markus Marterbauer. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass der Budgetpfad dennoch eingehalten werden kann. [Quelle: Pressekonferenz]
🇦🇹 Klimagesetz verankert Klimaneutralität 2040. Gemeinsam mit den Dürrehilfen hat sich die Koalition auch auf ein neues Klimagesetz verständigt. Gemäß diesem soll ein interministerielles Klima-Kabinett eingerichtet werden, in dem alle mit der Materie betroffenen Minister bis Ende 2027 gemeinsam einen Klimafahrplan entwickeln, der dann durch die Bundesregierung beschlossen wird. Dieser soll aufzeigen, mit welchen konkreten Maßnahmen das Klimaziel der CO2-Neutralität im Jahr 2040 erreicht werden wird. Dabei soll es einen Korrekturmechanismus geben, wenn der Zielpfad verlassen wird. Innerhalb von 9 Monaten müssen dann evidenzbasierte Lösungen beschlossen werden. Weiters sollen Umweltverträglichkeitsprüfungen beschleunigt werden, ein verpflichtender Pfad zur Eindämmung des Bodenverbrauchs festgehalten und das CO2-Speicherverbot aufgehoben werden. Das neue Klimagesetz soll Umweltaktivisten jedoch keine neuen Klagsmöglichkeit einräumen. Die Klimaneutralität 2040 soll auch nur für jene Bereiche gelten, für die Österreich nationalstaatlich verantwortlich ist. Für Industrie und Energieproduktion soll weiterhin das Jahr 2050 gelten. [Quelle: Pressekonferenz | Reaktionen: BMLUK, BMWET, ÖVP, SPÖ, Neos, FPÖ, Die Grünen, IV, WKÖ, Bauernbund, Land NÖ, Land & Forst Betriebe, Stadt Wien/Ludwig, Stadt Wien/Czernohorszky, Global2000]
🇦🇹 PV-Förderung: Speicher statt Anlagen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hat die Eckpunkte der neuen Photovoltaik-Förderung bekanntgegeben. Die Förderung kleiner PV-Anlagen soll künftig auslaufen, stattdessen werden Speicher und Energiemanagementsysteme sowie das Nachrüsten bestehender PV-Anlagen gefördert. Das bisher bestehende „first come, first served“-Prinzip der Fördercalls wird beendet, stattdessen sollen Förderanträge ähnlich wie beim Handwerkerbonus erst nach Installation und Rechnungslegung gestellt werden können. Derzeit sind in Österreich 3,2 Gigawattstunden (GWh) Batteriespeicherkapazität installiert, eine vom Wirtschaftsministerium beauftragte Studie sieht ein volkswirtschaftlich nützliches Potenzial von bis zu 8 GW. Der Wirtschaftsminister fordert hier von der unabhängigen Regulierungsbehörde E-Control Nachbesserungen der rechtlichen Rahmenbedingungen: „Es kann nicht sein, dass wir einen volkswirtschaftlichen Bedarf an Speichern haben und sie gleichzeitig durch zu enge Regeln ausbremsen. Hier muss die E-Control nachschärfen“, so Hattmannsdorfers Appell. [Quelle: BMWET | Reaktionen: FPÖ, PV&B]
🇦🇹 Österreich behält zweithöchste Bonitätsstufe, aber Lage herausfordernd. Die Ratingagentur Moody’s bestätigt die zweithöchste Bonitätsstufe (Aa1) für Österreich. Die Zukunft der öffentlichen Finanzen bleibe jedoch herausfordernd. Eine Anhebung auf die oberste Bonitätsstufe ist derzeit nicht absehbar. Zur Stabilisierung der Staatsschuldenquote würden die Maßnahmen des Doppelbudgets 2027 und 2028 nicht ausreichen. Bis 2030 steigt diese, laut Moody’s, auf 83,9 %, wofür im selben Jahr dann 2,4 % der Wirtschaftsleistung für Zinszahlungen aufgewendet werden müssten. Derzeit steigen zudem die Renditen für langfristige Staatsanleihen. Mit rund 4,03 % befindet sich die Rendite einer 30-jährigen österreichischen Staatsanleihe auf dem höchsten Stand seit 2011. [Quellen: APA via Medienberichte, TradingView]
🇦🇹 Meinl-Reisinger fordert Pension mit 67 und Pensionsgipfel. Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung fordert Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger die schrittweise Erhöhung des Pensionsantrittsalters ab dem Jahr 2030 in Zwei- bzw. Drei-Monatsschritten auf 67 Jahre. Dabei soll aber nicht nur das Geburtsdatum zählen, sondern auch die Beitragsjahre einbezogen werden. Die nötigen Reformen im Pensionssystem will Meinl-Reisinger im Herbst auf einem „All-Parteien-Gipfel“ besprechen. Wer nicht bereit sei, eine solch wichtige Reform mitzutragen, müsse sich vor die Menschen stellen und das begründen. [Quellen: ORF Sommergespräch, Oe24-Sommergespräch | Reaktionen: SPÖ, Neos, FPÖ, AK, ÖGB | Grafik: Österreicher sind immer länger in Pension]
💡 Lebenserwartung steigt deutlich schneller als Pensionsantrittsalter. Das faktische Pensionsantrittsalter hat sich zwischen 1970 und 2024 nur wenig verändert: Männer gingen 1970 mit 61,9 Jahren in Pension, 2024 mit 62,3. Bei Frauen blieb der Wert mit 60,4 Jahren praktisch gleich. Die Lebenserwartung mit 65 Jahren stieg im selben Zeitraum hingegen deutlich stärker. So stieg sie bei Männern von 76,8 auf 83,8 Jahre sowie bei Frauen von 80,0 auf 86,7 Jahre an, jeweils rund 7 Jahre mehr. Daraus ergibt sich eine erwartete Pensionsbezugsdauer von aktuell 21,4 Jahren bei Männern und 26,3 Jahren bei Frauen, 1970 waren es noch 14,9 bzw. 19,6 Jahre. Für die gesetzliche Pensionsversicherung, die nach dem Umlageverfahren finanziert wird, ist das ein zentraler Kostentreiber. [Quellen: Statistik Austria I, Statistik Austria II | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 SPÖ-Staatssekretärin für Zuckersteuer, Lebensmittelindustrie dagegen. Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig will die Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke „intensiv diskutieren“. Eine Zuckersteuer wäre „wichtig, nicht nur wegen der Steuereinnahmen. Es wäre auch eine von vielen Möglichkeiten, um Adipositas bei Kindern und Jugendlichen zu verringern“, so die Staatssekretärin im Interview mit den Salzburger Nachrichten. Der Fachverband der Lebensmittelindustrie kritisiert die Idee. Eine solche Steuer würde österreichische Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette gefährden und die heimische Selbstversorgung verringern, so Geschäftsführerin Katharina Koßdorff. Zudem sei in Ländern, die eine Zuckersteuer erheben, keine Reduktion der Adipositasraten erkennbar. [Quellen: SN, Lebensmittelverband | Reaktion: F. eh]
🇦🇹 Neuer Tourismus-KV fixiert. Ab 1. Oktober 2026 werden die Löhne und Gehälter der 250.000 Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie im Schnitt um 3,02 % erhöht. Lehrlinge und Hilfskräfte bekommen ein Plus von 3,44 % bzw. 3,48 %. Für den Großteil der Beschäftigten sieht der neue KV eine fixe Prämie von 275 Euro und eine freiwillige steuerfreie Prämie von 500 Euro vor. Darauf haben sich Gewerkschaft und Arbeitgebervertreter am Dienstag geeinigt, nachdem zuvor 4 Verhandlungsrunden gescheitert waren. Zwischen 2021 und 2025 betrug das Lohnwachstum im Tourismus 27,1 %, während die Inflation um 23,8 % anstieg. [Quellen: ÖGB, WKÖ | Reaktionen: ÖHV]
🇦🇹 Plan einer Lkw-Maut im Burgenland wird nach Kritik überarbeitet. Nach Kritik von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung will das Land Burgenland die geplante Lkw-Maut nochmals überdenken. „Die Rückmeldungen aus der Wirtschaft nehmen wir ernst. Die Intention war niemals, die heimische Wirtschaft zu schwächen oder burgenländische Unternehmen zusätzlich zu belasten“, so Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Der Gesetzesentwurf soll nun „gemeinsam mit der heimischen Wirtschaft“ überarbeitet werden und dahingehend geändert werden, dass Transit- und Ausweichverkehr getroffen wird, nicht aber heimische Betriebe. [Quellen: Land Burgenland | Reaktion: WKÖ]
💡 Österreich einziges Land ohne Begünstigung beim Wertpapiersparen. Die aktuelle Debatte über eine Behaltefrist rückt die steuerliche Sonderstellung Österreichs im europäischen Vergleich in den Fokus. Kursgewinne und Dividenden werden hierzulande mit 27,5 % KESt besteuert, ohne Freibetrag und ohne Behaltefrist; bis 2011 galt noch eine einjährige Frist. In 21 der 30 verglichenen Länder greifen Behaltefristen wie in Tschechien nach drei Jahren oder begünstigte Depots wie das schwedische ISK-Konto. Fünf Länder, darunter die Schweiz und die Niederlande, besteuern Kursgewinne grundsätzlich gar nicht. Belgien hat mit Jahresbeginn erstmals eine Kapitalertragssteuer eingeführt und sieht dabei einen Freibetrag von 10.000 Euro vor. [Quelle: BMF via Kurier | Grafik: Stanislaus Ruhaltinger]

🇦🇹 Kapazität für Gasimporte aus dem Westen wird erhöht. Am Mittwoch wurde der Bau der Gasleitung „WAG Loop 1“ genehmigt. Die 40 Kilometer lange Leitung wird parallel zur bestehenden West-Austria-Gasleitung verlaufen und ab 2027 die Importkapazität aus Westeuropa von 90 auf 117 TWh pro Jahr erhöhen. Über die Leitungen werden LNG aus Deutschland sowie Gas aus Norwegen bezogen. Seit dem Lieferstopp für russisches Gas über die Ukraine am 1.1.2025 sind die Importe über Deutschland gestiegen. [Quellen: BMWET, Gas Connect Austria, Energie.gv.at]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update – Gaspreis steigt um 7,6 %. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag am Freitagabend bei 66,57 Euro pro MWh – ein Anstieg von rund 7,6 % seit Montag. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Oktober lag gestern Abend bei 93,60 Dollar, ein Plus von rund 3,0 % seit Wochenanfang. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,066 Euro für Diesel (+0,8 % seit Montag) und 1,806 Euro für Benzin (+0,4 % seit Montag). [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇪🇺 🇦🇹 Gasspeicher: 90 % Befüllungsziel der EU wird voraussichtlich verfehlt. Nach EU-Vorgaben müssen die Füllstände der europäischen Gasspeicher zwischen dem 1. Oktober und 1. Dezember 90 % erreichen. Laut Berechnungen des Energiedatenanbieters Montel wird dieses Ziel voraussichtlich nicht erreicht. Zum 1. November könnte der Füllstand demnach im Worst-Case-Szenario bei 69 % liegen und im Best-Case-Szenario bei 84 %. Zwischen April und Juli wurden 325 TWh eingespeichert. Das sind 11 % weniger als im Fünfjahresdurchschnitt und 18 % weniger als 2025. Aktuell sind die europäischen Gasspeicher zu 61,61 % gefüllt, gegenüber 74,24 % zum selben Zeitpunkt im Vorjahr. In Österreich liegt der Füllstand bei 64,22 %, nach 79,12 % im Vorjahr. Laut einer Sprecherin der EU-Kommission bestehe jedoch derzeit kein Grund zur Sorge um die Gasversorgung der EU im kommenden Winter. [Quellen: Montel, Agsi, EU-Kommission – Midday PK, Befüllungsziel]
🇩🇪 Deutsche Wirtschaft robuster als erwartet – Niedrigwasser wirkt sich auf 3. Quartal aus. Die Deutsche Bundesbank attestiert der deutschen Wirtschaft in ihrem Monatsbericht August „vor dem Hintergrund zahlreicher Belastungen“ eine größere Robustheit als erwartet. Die deutsche Wirtschaft befinde sich auf einem Erholungskurs, den auch der Irankrieg nicht ausbremsen könne. Gleichzeitig werde die Erholung im 3. Quartal durch das Niedrigwasser in den vergangenen Wochen gedämpft. Falls es zu einem Anstieg der Wirtschaftsleistung komme, falle dieser minimal aus. [Quelle: Dt. Bundesbank]
🇨🇭 🇨🇳 Abkommen: Handel zwischen der Schweiz und China nahezu zollfrei. Die Schweiz und China haben ihr Handelsabkommen modernisiert. Im Mittelpunkt steht, dass künftig 99,8 % der aktuellen Schweizer Exporte zollfrei nach China eingeführt werden können. Bisher waren etwa 50 % umfasst, während chinesische Produkte bereits nahezu vollständig zollfrei in die Schweiz exportiert werden konnten. [Quellen: Schweizer Regierung, Guy Parmelin auf X]
Neue Daten und Fakten:
Die Inflationsrate lag im Juli 2026 bei 2,8 % und damit um 0,1 Prozentpunkte höher als in der Schnellschätzung erwartet wurde.
Laut Zahlen der WKÖ, über die der Kurier berichtet, gab es 2025 in Österreich 8.202 Unternehmensübergaben. Das ist ein Plus von 5,3 % und der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 1998. Bis 2034 suchen zudem rund 52.000 Unternehmen bzw. jeder vierte Arbeitgeberbetrieb einen Nachfolger. Insgesamt sind 705.000 Arbeitsplätze betroffen.
Der Konjunkturindikator der UniCredit Bank Austria stieg im Juli auf minus 0,8 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Beginn des Irankriegs Ende Februar bzw. Anfang März.
Die Kosten für den Wohnhaus- und Siedlungsbau lagen laut Schätzungen im Juli um 5,2 % über dem Vorjahresmonat.
Der österreichische Handel verzeichnete im 1. Halbjahr 2026 eine nominelle Umsatzsteigerung von 2,1 %, real ergab sich allerdings ein Minus von 0,7 %. Durch Einkäufe bei asiatischen Onlinehändlern entgehen diesem, laut einer Studie, knapp 570 Mio. Euro Bruttoumsatz. Das mindert das BIP um rund 212 Mio. Euro und kostet über 1.600 Arbeitsplätze.
Die vergangenen 12 Monate waren mit einem österreichweiten Niederschlagsdefizit von rund 48 % die trockensten seit Beginn der Messungen 1850.
Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Ausfallsdauer aufgrund ungeplanter Stromausfälle bei 16,62 Minuten, ein Rückgang von 29,4 % zum Jahr 2024 und der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2005.
In einer Umfrage im Auftrag des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen gehen 22 % davon aus, dass die staatliche Pension allein ausreichen wird. 68 % sehen dagegen zusätzlich Bedarf an einer betrieblichen Vorsorge.
Im Juli wurden 244 Asyl-Erstanträge gestellt – 65 % weniger als im Vorjahresmonat (697) und der niedrigste Juli-Wert seit 10 Jahren.
Angetrieben durch die größte Produktionsausweitung der deutschen Industrie seit Januar 2022 stieg das Geschäftsklima in der Eurozonen-Industrie auf den höchsten Stand seit mehr als 4 Jahren. Der S&P Global Einkaufsmanagerindex für die Industrie notiert im August bei 53,4 Punkten, nach 52,9 Punkten im Juli.
Im 2. Quartal 2026 sind die Unternehmensanmeldungen in der EU im Quartalsabstand um 0,5 % gesunken, während die Insolvenzen um 5,7 % gestiegen sind.
Die Verschuldung der USA hat erstmals die Marke von 40 Bio. Dollar (rund 34,6 Bio. Euro) überschritten. In den letzten 5 Monaten sind die Staatsschulden rund 1 Bio. Dollar (864 Mrd. Euro) gewachsen.
Wochenendprogramm:
Meistgelesener Kommentar der Woche. „Akademiker länger arbeiten lassen? Das ist die falsche Pensionsreform“ von Gerald Loacker [Hier lesen]
Meistgelesenes Interview der Woche. „Geldanlage darf nicht primär politisches Instrument sein“ mit Christian Röhl [Hier lesen]
Long Read II. Josef Urschitz in der Presse – Die vielen offenen Schlaglöcher auf dem Weg zum Klimaziel [Hier lesen]
Long Read I. New York Times – The Message Behind Trump’s Threats of „Economic Warfare“ Against Iran [Hier lesen]
Long Read III. OECD – Which start-ups achieve scale? Evidence from innovative start-ups in the EU and the US [Hier lesen]
Journal zu Gast. Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich [Samstag, 12:00 Uhr, Ö1]
Nächste Woche auf der Agenda:
Politik Österreich. Am Montag startet in den östlichen Bundesländern die Sommerschule, das European Forum Alpbach wird eröffnet und SPÖ-Chef Andreas Babler ist im Sommergespräch zu Gast. Am Dienstag findet die letzte Ausgabe von „Österreich im Gespräch“ mit Bundeskanzler Christian Stocker in Linz statt. Am Mittwoch stellt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer den weiteren Fahrplan bei der Verankerung des „Made in Europe and Partner Countries“-Prinzip im Rahmen der Industriestrategie vor.
Politik international. Bundeskanzler Christian Stocker besucht seinen deutschen Amtskollegen Friedrich Merz am Donnerstag in Berlin. Am Samstag findet in Island ein Referendum über die Wiederaufnahme der im Jahr 2013 gestoppten EU-Beitrittsgespräche statt.
Daten und Fakten. Am Dienstagvormittag veröffentlicht das statistische Bundesamt die deutsche BIP-Entwicklung im 2. Quartal, Statistik Austria gibt u.a. die Ankünfte und Nächtigungen im Juli 2026 bekannt. Am Freitag veröffentlicht Statistik Austria den Erzeugerpreisindex für den Produzierenden Bereich im Juli, die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht die deutschen Arbeitsmarktdaten für August, die EU-Kommission das Wirtschafts-, Industrie- und Verbrauchervertrauen in der Eurozone für August und das Wifo den monatlichen Konjunkturtest.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Aufsteiger und Umsteiger der Woche: Seit August ist Thomas Gaber Teil des Führungsteams von Deloitte Österreich. Heiner Lang löst ab 1. Oktober Alfred Felder als Zumtobel CEO ab. Gustavo Franco wird mit dem 1. November der neue CEO von RHI Magnesita. Stefan Jauk wurde als Mitglied des Aufsichtsrats der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG und als Obmann-Stellvertreter der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien nominiert. Marlene Schmidl leitet die Social Media Redaktion der Kronen Zeitung. Paul Huemer wird mit Mitte September 2026 mit dem Aufbau sowie der Leitung des neuen ORF-Büros in Beirut betraut.
Neuerscheinung: Gernot Blümels neues Buch „Die Selbstsetzung des Menschen; eine philosophische Gebrauchsanweisung für unsere Gesellschaft im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“ ist am 20. August im deutschen Plassen Verlag erschienen. [Info]