Morning in Brief ・ 14.08.2026

Morning in Brief, 14. August 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern, Driss Schmid, Yannic Haimeder und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 🇪🇺 Lohnstückkosten in Österreich stiegen überdurchschnittlich. Zwischen 2023 und 2025 stiegen die Lohnstückkosten in Österreich um 6,4 % pro Jahr. Der Euroraum-Schnitt liegt bei 4,5 %. In Deutschland wurde ein Anstieg von 5,9 % verzeichnet. Gleichzeitig stiegen die Lohnstückkosten in Frankreich mit 2,5 % am geringsten. Von 2017 bis 2025 haben sich die nominellen Lohnstückkosten in Österreich um 37,3 % erhöht. Der Euroraum-Schnitt lag bei 27 %. Gemessen an den Arbeitskosten pro Stunde kostete Arbeit in Österreich 2025 durchschnittlich 46,3 Euro. Höher lagen nur Luxemburg, Dänemark, Belgien und Schweden. [Quellen: IMK, EcoAustria, Eurostat | Grafiken: Lohnstückkosten – Österreich verliert den Anschluss, Arbeitsstunde ist in Österreich besonders teuer]

„Das Horrorszenario ist nicht eingetreten“
Interview mit Elisabeth Zehetner

Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner versichert, dass die österreichische Stromversorgung trotz Dürre und geringerer Produktion aus Wasserkraft gewährleistet ist. Auch bei Treibstoffen würde sich kein Mangel abzeichnen: „Das Horrorszenario ist nicht eingetreten. Alarmismus wird uns in dieser Situation nicht weiterbringen.“ Die Verfassungsänderung zur Energiewirtschaft soll im 3. Quartal in den Nationalrat eingebracht werden. Beim Klimagesetz warnt die Staatssekretärin jedoch vor vorschnellen Beschlüssen: „Wer glaubt, dass es unmittelbare Auswirkungen auf die klimatischen Bedingungen hat, wenn man jetzt rasch ein Klimaschutzgesetz beschließt, liegt falsch.“

💡 Beschäftigte arbeiten heuer bis 16. August für den Staat. Der Steuerstopptag (engl. Tax Freedom Day) markiert jenen Tag im Jahr, ab dem das Einkommen nicht mehr für Steuern und Abgaben, sondern für den Beschäftigten selbst zur Verfügung steht. Heuer fällt er auf den 16. August, einen Tag früher als im Vorjahr. Aufgrund der gestiegenen Abgabenquote findet der Tag aber rund 7 Wochen später statt als noch in den 1970er-Jahren. Basis für die Berechnung sind die gesamten Arbeitgeberkosten. So fallen bei einem Median-Bruttovollzeitgehalt von 3.977 Euro Gesamtkosten von jährlich 72.206 Euro an. Davon werden Sozialversicherung, Lohnsteuer, Umsatzsteuer und Verbrauchsabgaben abgezogen, dem Arbeitnehmer bleiben letztlich 27.349 Euro jährlich. Das entspricht einer Gesamtbelastung von 62,12 %, umgelegt auf das Kalenderjahr ergibt das 227 von 365 Tagen für den Staat. [Quelle: Hayek Institut | Reaktionen: FPÖ, JW & JI Grafik von Stanislaus Ruhaltinger] 

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Tanner gegen höhere Zivildiener-Entlohnung. Verteidigungsministern Klaudia Tanner hat sich gegen ein höheres Gehalt für Zivildiener ausgesprochen. Das forderte Grünen-Chefin Leonore Gewessler zu Beginn der Woche: „Wenn es einen Automatismus gibt, um den Zivildienst zu verlängern, dann muss es auch einen Automatismus in der Bezahlung geben“. Den Zivildienst zu verlängern bzw. einen entsprechenden Automatismus einzuführen, so sich nicht genügend Stellungspflichtige für den Wehrdienst entscheiden, benötigt eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat und somit die Stimmen mindestens einer Oppositionspartei. Mehr Geld ist „eine Grundvoraussetzung“ für die Zustimmung der Grünen, so Gewessler. Man würde damit aber „dem gegenlaufen, was wir erreichen wollen. Nämlich, dass sich so viele wie möglich für das österreichische Bundesheer entscheiden“, so Tanner zur Forderung der Grünen. [Quellen: Tanner zu Ö1, Gewessler im Sommergespräch | Reaktion: Die Grünen]

🇦🇹 Krankenstände 2025 leicht zurückgegangen. Im Jahr 2025 war ein österreichischer Arbeitnehmer durchschnittlich 14,7 Tage im Krankenstand, ein Rückgang von 0,4 Tagen im Vergleich zum Jahr 2024. Frauen waren durchschnittlich 15,5 Tage im Krankenstand, Männer 14,1 Tage. Im Jahr 2015 lag die durchschnittliche Zahl an Krankenstandstagen pro erwerbstätiger Person noch bei 12,7 Tagen, im Jahr 2023 wurde mit 15,4 Tagen der höchste Wert seit den 1980er-Jahren verzeichnet (Frauen 16,2 Tage, Männer 14,6 Tage). Die durchschnittliche Dauer eines Krankenstands ist 2025 mit 9,1 Tagen auf einen historischen Tiefstwert gefallen. [Quelle: Statistik Austria | Reaktionen: AK, ÖGB]

🇦🇹 Österreich hat mehr Windkraft-Potential als gedacht. Im Auftrag des Infrastrukturministeriums wurde auf Basis von Satellitendaten, Windmessungen und Klimamodellen ein neuer „Windatlas“ erstellt, der Österreich mehr Windkraft-Potential bescheinigt als bisher angenommen wurde. Der Windatlas 2026 zeigt zusätzliche Potenzialräume in Oberösterreich, Kärnten, Niederösterreich, der Steiermark, Salzburg und Tirol. Weniger Potenzial als gedacht gibt es etwa westlich von Graz oder im Vorarlberger Rätikon. Die Windverhältnisse wurden in einer Auflösung von 100 mal 100 Metern analysiert. Die Potenzialflächen stellen aber keine unmittelbaren Standortempfehlungen dar, für konkrete Windkraftprojekte brauche auch weiterhin Windmessungen vor Ort. [Quellen: IG Windkraft, Windatlas | Grafik: Wo in Österreich Windräder stehen]

🇦🇹 Pumpspeicherkraftwerk Koralm endgültig gestoppt. Der Verwaltungsgerichtshof hat die Revision gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zurückgewiesen, womit das geplante Pumpspeicherkraftwerk auf der steirischen Koralm nicht gebaut wird. Das Bundesverwaltungsgericht hatte die 2021 erteilte Genehmigung 2023 aufgehoben, weil die Koralpe damals noch nicht als Europaschutzgebiet ausgewiesen und eine Naturverträglichkeitsprüfung deshalb nicht möglich war. Eine Beschwerde des Projektwerbers beim Verfassungsgerichtshof war zuvor bereits abgewiesen worden. Das seit 2012 geplante Kraftwerk hätte nach einer Schätzung von 2017 zwischen 800 Mio. und 1 Mrd. Euro gekostet. [Quelle: APA via Medienberichte | Reaktion: VIRUS]

🇦🇹 Lkw-Maut im Burgenland ab 2027. Der burgenländische Landtag soll im Oktober die Einführung einer Lkw-Maut ab 1. Jänner 2027 beschließen. Der entsprechende Gesetzesentwurf der Landesregierung geht heute in Begutachtung. Geplant ist eine Maut für ausgewählte, vom Schwerverkehr stark frequentierte Strecken. Betroffen sind Fahrzeuge mit einem Gewicht über 3,5 Tonnen. Eine Tagesvignette soll zwischen 14 und 17 Euro kosten, eine Jahresvignette zwischen 650 und 1.000 Euro. Die Landesregierung rechnet mit Einnahmen im Ausmaß eines mittleren einstelligen Millionenbetrags. Diese sollen zur Instandhaltung und Sicherung der Strecken verwendet werden. Ablehnung kommt von der Verkehrswirtschaft: Die Zusatzkosten gefährdeten die Existenz von Transporteuren, zudem würden Mehrkosten bei Busfahrten die Preise für die Fahrgäste erhöhen. Unter dem Strich leide die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts unter der geplanten Maßnahme. [Quellen: ORF Burgenland, WKÖ | Reaktionen: SPÖ, WK Burgenland]

🇦🇹 Bauern-Hilfspaket: LH Wallner appelliert an Finanzministerium. Der Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz, Markus Wallner, fordert vom Finanzministerium Mittel, um die von der Dürre betroffenen Landwirte zu unterstützen. Konkret solle das Ministerium die Initiativen des Landwirtschaftsministeriums mittragen. Es brauche rasche und wirksame Maßnahmen, um die Existenz der bäuerlichen Betriebe und die Versorgungssicherheit zu sichern. Diese sei aktuell noch gewährleistet. Neben kurzfristiger Hilfe solle auch die langfristige Risikovorsorge in der Landwirtschaft gestärkt werden. Auch der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer fordert rasche Hilfsmaßnahmen. Das Landwirtschaftsministerium stellte eine Einigung auf ein Hilfspaket bis Ende der Woche in Aussicht. [Quelle: Land Vorarlberg, Ö1-Mittagsjournal, Selektiv | Interview mit Landwirtschaftsminister Totschnig: „Wir brauchen mehr Geld“]

🇪🇺 Industrieproduktion in der EU wächst um 0,2 %. Die Industrieproduktion in der EU stieg von Mai bis Juni 2026 um 0,2%. Die stärksten Rückgänge verzeichneten Luxemburg (-10,7 %) und Portugal (-3,9 %), die höchsten Zuwächse Dänemark (+5,4 %) und Kroatien (+5,2 %). In Österreich stieg die Industrieproduktion von Mai auf Juni um 0,8 %, Getragen wurde die Entwicklung von Verbrauchsgütern (+3,0 %) und Energie (+1,5 %), während Investitionsgüter (-1,4 %) und Vorleistungsgüter (-0,8 %) zurückgingen. [Quelle: Eurostat]

🇪🇺 EU: Kohleanteil an der Stromerzeugung sinkt auf 9,2 %. Innerhalb der letzten 25 Jahre ist der Anteil von Braun- und Steinkohle an der Stromerzeugung in der EU von 30,4 % auf 9,2 % gesunken. 2025 stammte der Strom zu 5,5 % aus Braunkohle und zu 3,7 % aus Steinkohle. Den Großteil lieferten erneuerbare Energieträger, Erdgas und Kernkraft. 8 von 27 EU-Mitgliedstaaten produzieren weiterhin Braunkohle. [Quelle: Eurostat]

🇪🇺 Bargeldakzeptanz steigt erstmals seit Corona. 92 % der Unternehmen im Euroraum akzeptieren laut einer EZB-Umfrage Bargeld. Das ist der erste Anstieg seit der Pandemie, nachdem der Wert 2024 noch bei 90 % lag. Am höchsten ist die Akzeptanz in Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie (93 %), am niedrigsten in Kunst, Unterhaltung und Freizeit (84 %). Unter den Euro-Ländern führen Griechenland und Italien (je 99 %), Schlusslicht ist Zypern (76 %). Auch Kartenzahlungen (88 %, zuvor 87 % in 2024) und mobile Zahlungen per Smartphone oder Smartwatch (68 %, zuvor 36 %) legten zu. Die EZB warnt jedoch, dass zunehmende Automatisierung – etwa bei Selbstbedienungskassen, an denen fast die Hälfte der Unternehmen gar kein Bargeld annimmt – die gefühlte Bargeldakzeptanz bei Verbrauchern trotz der offiziellen Zahlen schwächen könnte. [Quelle: EZB

🇬🇧 Britische Wirtschaft wächst langsamer. Laut Schnellschätzung ist die britische Wirtschaft im 2. Quartal 2026 um 0,4 % gegenüber dem Vorquartal gewachsen, nach einem Plus von 0,6 % zu Jahresbeginn. Im Jahresabstand liegt die Wirtschaftsleistung um 1,2 % höher. Im Juni allein stieg das BIP um 0,3 %, nachdem es im Mai unverändert geblieben und im April um 0,1 % gesunken war. Getragen wurde das Quartalswachstum von den Dienstleistungen mit einem Zuwachs von 0,5 %, der Bau legte um 0,3 % zu. Die Industrie verzeichnete kein Wachstum, nach einem Plus von 0,2 % im Vorquartal. [Quelle: ONS]

🇺🇸 USA verhängen bis zu 100 % Zoll auf Drohnen. US-Präsident Donald Trump hat eine Anordnung unterzeichnet, mit der Importe von Drohnen und Drohnen-Bauteilen mit Zöllen belegt werden. Als Begründung nennt das Weiße Haus die zu hohe Abhängigkeit der USA von ausländischen Anbietern. Für Drohnen ab bestimmter Größe oder mit sicherheitsrelevanten Fähigkeiten gilt ein Wertzoll von 100 %, für kleinere Modelle ohne diese Eigenschaften von 25 %. Einfuhren aus der EU, Japan, Liechtenstein, Südkorea, der Schweiz und Taiwan werden künftig mit 15 % verzollt, aus UK mit 10 %. Die Zölle treten 21 Tage nach Unterzeichnung in Kraft, für weniger sensible Bauteile gilt eine Frist von 180 Tagen. [Quelle: White House]

Selektive Agenda:

9:00 Uhr, Wien: Bank Austria veröffentlicht den Konjunkturindikator für August

9:00 Uhr, Wien: Statistik Austria gibt den Baukostenindex Juli sowie den „Importpreisindex 2. Quartal 2026“ (vorläufig) bekannt

9:00 Uhr, Brüssel: Eurostat veröffentlicht „EU-Handelsbilanz für Juni“ und „Eurozone-BIP 2. Quartal (2. Veröffentlichung)“

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Dominik Bernhofer ist ab Oktober neuer Kabinettschef von Markus Marterbauer im Finanzministerium. Marie-Luise Stockinger übernimmt mit Herbst die Leitung der Sparte „Literatur & Theater“ der Salzkammergut Festwochen Gmunden von Karin Bergmann.

Geburtstage: Wir gratulieren Sibylle Hamann, Gregor Plieschnig, Gerhard Spitzer zum Geburtstag. Am Samstag haben Krista Stadler und Hartmut Rosa Geburtstag, am Sonntag feiern Georg Friedrich Haas, Franz Welser-Möst, Stefan Maierhofer, Victoria Swarovski, Eric Frey und Margit Göll.

Sehen & gesehen werden:

19:30 Uhr, Grafenegg: Eröffnungskonzert „Grafenegg Festival“ mit Philharmonia Orchestra London [Info]

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