Weekender ・ 11.07.2026

Weekender, 11. Juli 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing am Wochenende! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern und Driss Schmid – wir melden uns aus Wien.

Editor’s Note: Ein Budget wie ein Fleckerlteppich
von Stanislaus Ruhaltinger

Am Freitag hat der Nationalrat ein Budget beschlossen, das einem Fleckerlteppich gleicht. Für Bundeskanzler Stocker ist es ein Beitrag zum Aufschwung, für Vizekanzler Babler ein Kraftakt der Gerechtigkeit, für Außenministerin Meinl-Reisinger der Beweis drastischer Reformkraft, drei Versionen derselben Zahlen. Der Grund dafür ist simpel: Drei Parteien mit unvereinbaren Grundüberzeugungen müssen gerade gemeinsam sanieren, und jede blockiert das Kernanliegen der anderen.

Unter Türkis-Grün ließ sich dieser Gegensatz noch mit Geld zuschütten, der Klimabonus lässt grüßen, die Folgen sind bekannt. Diesmal gibt es nichts zu verteilen, nur etwas wegzunehmen. Genau dann bräuchte es klare Prioritäten. Es gibt keine: Die Neos wollen eine Pensionsreform, die SPÖ sagt Njet. Die ÖVP will niedrigere Unternehmensbelastungen, die SPÖ sagt Njet. Die SPÖ will eine Vermögenssteuer, hier sagen ÖVP und Neos aus Gründen der Vernunftbegabung Njet. Würde der SPÖ ein finanzpolitisch vernünftiger Vorschlag einfallen, der blockiert wird, würde er hier stehen. Aus Parteiperspektive mag jede Blockade Sinn ergeben. Aus staatspolitischer Verantwortung betrachtet, ist diese Dauerlähmung eine Katastrophe.

Das Muster zieht sich durchs ganze Paket. Die Lohnnebenkosten sinken, gleichzeitig steigen die AIV-Beiträge, linke Tasche, rechte Tasche. Performativer Reformeifer, mehr nicht. Die ÖVP verhandelt der Landwirtschaft eine Agrardieselrückvergütung von 100 Millionen Euro heraus. Die SPÖ hält schützend die Hand über ihr eigentliches Stammklientel, den Pensionisten, und verkauft das im Nachhinein als Erfolg. Jede Partei sichert sich ihre Klientel, niemand sichert das Ganze. Leider ist die Demografie nicht geduldig. Bei den Zinsaufwendungen zeigen sich die Folgen. Sie verdreifachen sich laut Fiskalrat bis 2030 auf 13,5 Milliarden Euro. Finanzmister Marterbauer fand in seiner Budgetrede den richtigen Satz: Lieber in Bildung, Gesundheit und Klimaschutz investieren als Milliarden für Zinsen zahlen. Nur bleibt dieser Satz ohne Konsequenzen.

Ausgerechnet Deutschland, das in den vergangenen Jahren nicht vor Reformdrang gestrotzt hat, zeigt, dass es anders geht. Auch dort haben Konservative und Sozialdemokraten unterschiedliche Grundüberzeugungen bei der Rente. Trotzdem haben sich Kanzler Merz und Arbeitsministerin Bas dazu bekannt, die 33 Vorschläge der Rentenkommission vollständig umzusetzen, ohne Rosinenpickerei. Was in Berlin möglich ist, ist in Wien offenbar Utopie.

Dabei stünden die Vorzeichen gar nicht schlecht: Die Energiepreise stabilisieren sich, die Konjunkturdaten zeigen wieder leicht nach oben. Das Reformfenster steht offen. Aber es ist eben ein Fenster, kein Dauerzustand: 2027 stehen mit Tirol und Oberösterreich die nächsten Landtagswahlen an, 2028 geht es mit weiteren Landtagswahlen und der Bundespräsidentschaftswahl gleich weiter. Genutzt hat die Regierung dieses Zeitfenster bislang nicht, weil sich die Njet-Logik der letzten Monate genauso fortsetzt.

Dass Regierungen für unbequeme Reformen politisch bestraft werden, ist ein hartnäckiger Irrglaube. Wäre er wahr, müssten die Regierungen der vergangenen Jahre die beliebtesten der Zweiten Republik gewesen sein. Waren sie nicht.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Neos schließen Dengler aus, prüfen rechtliche Schritte. Der Neos-Parlamentsklub hat Parteigründer Veit Dengler am Freitag einstimmig aus dem Klub und in weiterer Folge auch aus der Partei ausgeschlossen. Grund sei ein Vorfall in einer vertraulichen Sitzung gewesen, der laut den Neos nichts mit inhaltlichen Positionen zu tun habe, das Vertrauen der Klubkollegen aber endgültig zerstört habe; rechtliche Schritte werden geprüft. Stein des Anstoßes dürfte die Tonaufnahme einer vertraulichen Sitzung gewesen sein. Zuvor hatte Dengler mit einem Aufruf, wegen der aus seiner Sicht zu hohen Parteienförderung nicht für das Budget des Bundeskanzleramts zu stimmen, für Aufsehen gesorgt – seine verlangte getrennte Abstimmung fand jedoch keine weiteren Nachahmer in der Koalition, in der finalen dritten Lesung gab es keine Gegenstimmen aus den Regierungsfraktionen. Dengler will laut Presse freier Abgeordneter bleiben. [Quellen: Neos, Parlamentskorrespondenz, Die Presse | Reaktionen: FPÖ]

🇦🇹 Bankensektor unter Unternehmen durch Konsolidierung am stärksten belastet. Mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen hat der Nationalrat gestern das Doppelbudget 2027/28 beschlossen. Laut OeNB-Analyse der Doppelbudgets 2025/26 und 2027/28 sind Unternehmen von den Konsolidierungs- und Offensivmaßnahmen je nach Wirtschaftsbereich unterschiedlich betroffen. Im Finanzsektor steigt die Steuerbelastung durch die Bankenabgabe um 1,3 % der Bruttowertschöpfung, während sich für die übrigen Branchen in Summe eine Entlastung von 0,2 % bis 0,4 % ergibt. Die Senkung der Lohnnebenkosten begünstigt vor allem Unternehmen mit hoher Lohnsumme in Industrie, Handel, Bau, Erziehung/Unterricht und im Gesundheits- und Sozialwesen. Die progressive Körperschaftsteuererhöhung trifft besonders Energie-, Handels-, Finanz- und Immobiliensektor, die FLAF-Pflicht für ältere Beschäftigte vor allem Kommunikation und öffentliche Verwaltung. [Quelle: OeNB Policy Brief]

🇦🇹 Energiepreis-Update: Spritpreise ziehen an. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,859 Euro für Diesel (+6,72 % seit Montag) und 1,786 Euro für Benzin (+5,12 % seit Montag). [Quelle: Spritpreise]

🇦🇹 Aktivpension kann nach Sommerpause beschlossen werden. Die Regierung hat gestern ein Paket mit Aktivpension und Stärkung der 2. Säule auf den Weg gebracht – die Gesetzesnovelle könnte nach der Sommerpause im Parlament beschlossen werden. Wer freiwillig über das Regelpensionsalter hinaus arbeitet, erhält einen steuerlichen Aktivitätsfreibetrag von bis zu 15.000 Euro pro Jahr und zahlt keinen eigenen Pensionsversicherungsbeitrag mehr. Laut Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer könne die Nettopension dadurch um rund 10 % steigen. Zudem wird die betriebliche Altersvorsorge reformiert. Der Kostendeckel für Vorsorgekassen sinkt von 0,8 % auf 0,6 %, und Arbeitnehmer erhalten mehr Wahlmöglichkeiten bei der Veranlagung ihrer Abfertigung. [Quelle: BMWET]

🇦🇹 Wehrdienstreform: „6+3“ für Stocker eine mögliche Option. Die österreichische Bundesregierung strebt bis zum Ministerrat am 27. Juli eine Einigung zur Reform des Wehr- und Zivildienstes an. Bundeskanzler Christian Stocker nannte im „Krone“-Gespräch das Modell „6+3“ als mögliche Option, während die von ihm favorisierte Forderung der ÖVP nach „8+2“ laut Stocker ebenfalls „in der Diskussion“ bleibe. Das Modell „6+3“ entspricht der dritten Variante der Wehrdienstkommission, dem Stufenmodell: 6 Monate Grundwehrdienst, ergänzt um 60 Tage Übungen innerhalb von 18 Monaten nach der Abrüstung sowie 40 Tage Milizübungen alle 2 Jahre bis zum 30. Lebensjahr, bei einem Zivildienst von 12 Monaten. Die SPÖ hatte zuvor vorgeschlagen, den Grundwehr- und Zivildienst in der jetzigen Länge zu belassen und jeweils um 2 Monate Übungen zu erweitern. Stocker sagte, dieses Modell liege „nicht so weit weg von den Modellen der Kommission“. Die Neos dürften laut Krone-Informationen von Freitag zu Kompromissen bereit sein: „Sechs plus zwei wäre für uns machbar, mehr aber nicht“, hieß es gestern aus Parteikreisen zur Krone. [Quelle: Kronen Zeitung I, Kronen Zeitung II | Reaktion: Die Grünen, Zivilschutzverband | Interview: „Neutralität hat sich seit ihrer Entstehung erheblich verändert“ | Kommentar: Die ÖVP in der Sicherheitsfalle]

💡 Zinsen, Pensionen und Militär belasten künftige Budgets. Heute beschließt der Nationalrat das Doppelbudget 2027/2028. Der Budgetdienst blickt in seiner Analyse aber schon bis 2031 voraus: Zinszahlungen (+64,9 %), Pensionen (+30,0 %) und Militärausgaben (+24,1 %) wachsen deutlich schneller als das nominelle BIP (+20,5 %). Die Gesamtauszahlungen legen mit 13,7 % zu und steigen damit etwa so stark wie die Inflation. Einzelne Bereiche wie Arbeit oder Wirtschaft & Klima schrumpfen sogar real. Das Maastricht-Defizit soll bis 2028 auf 3,0 % des BIP sinken. Die Schuldenquote steigt trotzdem weiter, von 81,5 % (2025) auf 85,0 % (2031), weil die Verschuldung selbst schneller wächst als das BIP. Ein erheblicher Teil der Konsolidierung fließt zudem in die steigende Zinslast selbst statt in echten Defizitabbau. [Quelle: Budgetdienst | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 AK rechnet bei Lohntransparenz mit „Einsehen“ der WKÖ. Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl rechnet mit einem „Einsehen“ der WKÖ in den Verhandlungen zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenz-Richtlinie. Betriebe bräuchten schließlich auch Rechtssicherheit, so Anderl. Das nationale Gesetz dazu wurde von Arbeitsministerium Korinna Schumann 2 Tage vor Ablauf der Umsetzungsfrist Anfang Juni in die regierungsinterne Koordinierung geschickt. Das Ministerium rechnet erst nach dem Sommer mit Rückmeldungen und in weiterer Folge einem Begutachtungsentwurf. Die AK pocht weiterhin auf eine Übererfüllung der EU-Richtlinie in der nationalen Umsetzung und will u. a., dass auch kleinere Unternehmen die vollen Auskunftspflichten treffen: „Informationen zum Durchschnittsgehalt reichen nicht“, so Anderl. „Eine Umsetzung, die über die EU-Vorgaben hinausgeht, belastet die Betriebe unnötig“, reagiert der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer. Zusätzliche Berichtspflichten würden keine gerechte Bezahlung schaffen. Sandra Konstatzky, Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft, ist davon überzeugt, dass manche individuelle Rechte aus der Richtlinie bereits jetzt durchsetzbar wären, z. B., dass Arbeitgeber in Bewerbungsgesprächen nicht nach dem bisherigen Gehalt fragen dürfen. Die IV spricht sich für eine Überarbeitung der Richtlinie auf EU-Ebene aus. [Quellen: Pressegespräch AK, IV | Reaktion: Die Grünen]

🇦🇹 Bürokratieabbau könnte BIP um 20 Mrd. Euro heben, Schellhorn zweifelt an Ländern. Sinkt Österreichs Regulierungsniveau bis 2032 auf niederländisches Niveau, ergäbe sich laut EcoAustria-Studie ein um 20 Mrd. Euro höheres jährliches BIP, kumuliert bis 2032 ein Plus von 70 Mrd. Euro. Als Lösungsansätze nennt die Studie u. a. Sunset-Klauseln für Regelungen, ein behördenübergreifendes One-Stop-Shop-Prinzip sowie das Once-Only-Prinzip bei der Datenerfassung. Bei der Präsentation des Entbürokratisierungsberichts zog Staatssekretär Sepp Schellhorn zugleich eine Zwischenbilanz zum ersten Maßnahmenpaket mit 113 Punkten aus dem Dezember 2025: 38 % der Maßnahmen seien bereits umgesetzt, der Rest befinde sich in Umsetzung, 4,9 % seien gar nicht angegangen worden. Schellhorn bezweifelte zudem die Unterstützung der Landeshauptleute für den weiteren Bürokratieabbau, Bund und Gemeinden seien bereit, bei den Ländern sei das unklar. [Quelle: PK Schellhorn/EcoAustria, Entbürokratisierungsbericht, EcoAustria Studie, ZIB 2 | Reaktion: Neos, FPÖ, WKÖ, IV, Unos, ÖHV | Grafik: 8 von 10 heimischen KMUs leiden unter Bürokratie | Interview: Schellhorn – „Die Industriestrategie ist fertig“]

🇦🇹 Paketsteuer kostet brutto 2,40 statt 2 Euro, Neos gehen auf Distanz. Der Nationalrat hat die Paketsteuer beschlossen, die ab 1. Oktober für Online-Händler mit mehr als 100 Mio. Euro Jahresumsatz gilt und laut Finanzministerium rund 280 Mio. Euro pro Jahr einbringen soll, um die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel gegenzufinanzieren. Die kommunizierten 2 Euro pro Paket sind ein Nettobetrag. Mit 20 % Umsatzsteuer zahlen Versanddienstleister brutto 2,40 Euro. Seit 1. Juli gilt für Pakete aus Drittländern außerdem eine EU-Paketsteuer von 3 Euro. Neos-Generalsekretär Douglas Hoyos distanzierte sich trotz Zustimmung im Nationalrat von den Beschlüssen: „Die Paketsteuer war und ist ein Wunsch der SPÖ, ebenso wie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel – beides sind keine Herzensangelegenheiten von uns Neos“, so Hoyos zur Krone. [Quelle: Kronen Zeitung | Reaktion: WKÖ, Die Grünen | Interview: „Paketsteuer schickt Österreich in die digitale Steinzeit“]

🇦🇹 Österreichs Innovationskraft ist von 2025 auf 2026 gesunken. Österreich erreicht im European Innovation Scoreboard 2026 einen Wert von 113 % des EU-Schnitts und bleibt damit auf Rang 8 unter den EU-Staaten sowie in der Gruppe der „Strong Innovators“. Im Vergleich zu 2025 ergibt sich ein leichtes Minus von 2,3 Prozentpunkten, seit 2019 ein Plus von 8,9 Prozentpunkten. Gemessen wird die Innovationskraft anhand von 32 Indikatoren aus 4 Bereichen: Rahmenbedingungen, Investitionen, Innovationsaktivitäten und Auswirkungen. Der Bericht sieht Stärken bei gemeinsamen Veröffentlichungen von Wissenschaft und Wirtschaft, beim Anteil ausländischer Doktoranden und bei internationalen Forschungskooperationen, Schwächen bei Risikokapital, beim Export wissensintensiver Dienstleistungen und bei Innovationsausgaben außerhalb von F&E. [Quelle: EU-Kommission – Übersicht, Presseaussendung, Österreich, Report | Reaktionen: Holzleitner/Hanke/Hattmannsdorfer, IV, WKÖ, Patentamt]

🇦🇹 Wie die Bundeskompetenz für Energie erweitert werden soll. Im Zuge der Reformpartnerschaft soll die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern im Energiebereich neu geregelt werden. Neben Elektrizität sollen künftig auch Gas, Biogas, Wasserstoff und Erdöl zur Bundeskompetenz werden. Bei den Ländern bleiben das Anlagenrecht für Stromerzeugungs-, Speicher- und Leitungsanlagen (sofern nicht bundesländerübergreifend), die Konzessionserteilung für Stromverteilernetzbetreiber sowie Fern- und Nahwärme bzw. -kälte. Auch die Energieeffizienz verbleibt in Länderkompetenz. Die Begutachtung des Gesetzesvorschlags soll noch im Sommer abgeschlossen werden, der parlamentarische Prozess ist für den Herbst vorgesehen. Benötigt wird eine Zweidrittelmehrheit. [Quelle: Hintergrundgespräch BMWET, Ennser auf Linkedin]

🇦🇹 Verlängerung der Gasreserve einstimmig beschlossen. Der Hauptausschuss des Nationalrats hat die Verlängerung der österreichischen Gasreserve im Ausmaß von 20 TWh einstimmig beschlossen, sie gilt damit bis 1. April 2029. Begründet wird die Verlängerung mit anhaltenden Unsicherheiten bei globalen Lieferketten und geopolitischen Konflikten. Die Kosten der Verlängerung werden auf rund 240 Mio. Euro geschätzt. Der aktuelle Füllstand der heimischen Gasspeicher liegt bei 55,17 TWh bzw. rund 56 % der Gesamtfüllmenge, das sind rund 16 % weniger als im Vorjahresvergleich. [Quelle: Parlament, AGSI | Reaktionen: BMWET, Zehetner via Linkedin, FPÖ | Grafik: Gasspeicher unter Vorjahresniveau]

🇦🇹 Firmeninsolvenzen erstmals seit 3 Jahren rückläufig. Die Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen in Österreich ist im 1. Halbjahr 2026 leicht zurückgegangen, wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) berichtet. Im Schnitt meldeten monatlich 334 Unternehmen Insolvenz an, ein Rückgang um 7,69 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Mit Ausnahme von Vorarlberg (+51,11 %) und der Steiermark (+12,79 %) verzeichneten alle Bundesländer einen Rückgang. Als problematisch wurde die Entwicklung bei den „Abweisungen mangels Masse“ gewertet: 1.654 Insolvenzanträge wurden abgewiesen, weil kein kostendeckendes Vermögen von mindestens 4.000 Euro vorhanden war – ein Plus von 15,42 % gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der „Gesamtinsolvenzen“ (eröffnete und abgewiesene Verfahren) stieg um 1,5 %. [Quelle: AKV]

🇦🇹 🇪🇺 Hattmannsdorfer fordert Nachschärfungen beim EU-Autopaket. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer bekräftigte bei einem Round Table mit der heimischen Automobil- und Zulieferindustrie seine Forderung nach Anpassungen am EU-Automotive-Package: Erneuerbare Kraftstoffe sollen bereits innerhalb der vorgesehenen 90-%-Grenze anrechenbar sein, die geplante 90+10-Regelung reiche nicht aus. Zudem fordert er schärfere Anti-Dumping- und Anti-Subventionsinstrumente gegen China – derzeit sind Plug-in-Hybride anders als E-Autos von Ausgleichszöllen ausgenommen – sowie Made-in-Europe-Vorgaben bei Batteriekomponenten und mehr Investitionsanreize. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer unterstützte den Vorstoß und forderte, alle nachhaltigen Technologien von E-Mobilität bis erneuerbaren Kraftstoffen gleichermaßen anzuerkennen. Die heimische Branche zählt rund 900 Unternehmen mit über 190.000 direkt Beschäftigten und einer Exportquote von 87 %; die weltweite Pkw-Produktion stieg 2025 laut ACEA um 4,2 % auf 78,7 Mio. Fahrzeuge, der EU-Anteil liegt nur noch bei 14,6 %. [Quelle: BMWET]

🇪🇺 EU-Parlament beschließt modernisiertes Mexiko-Abkommen. Das EU-Parlament hat am Mittwoch das modernisierte Globalabkommen (MGA) mit Mexiko sowie das dazugehörige Interimsabkommen beschlossen. Das Interimsabkommen deckt die Handelsaspekte ab, die in die alleinige Zuständigkeit der EU fallen, und lässt die aktualisierten Handelsregelungen bereits in Kraft treten, bevor alle EU-Mitgliedstaaten das Gesamtabkommen ratifiziert haben. Laut Entschließung des Parlaments würde das Abkommen „fast alle verbleibenden“ Zölle beseitigen, was Landwirten und Agrar- und Lebensmittelexporteuren in der EU zugute käme. Zudem sollen EU-Unternehmen besseren Zugang zu öffentlichen Beschaffungsmärkten in 14 mexikanischen Bundesstaaten erhalten. Von den österreichischen Mitgliedern des EU-Parlaments stimmten ÖVP, SPÖ und Neos großteils für beide Abkommen, die Grünen und die FPÖ enthielten sich bei beiden Abstimmungen mehrheitlich. [Quellen: EU-Parlament – Aussendung, Abstimmungsverhalten | Reaktion: IV]

🇪🇺 🇩🇪 Deutschland darf Industriestrompreis breiter subventionieren. Die EU-Kommission hat die Ausweitung der deutschen Strompreiskompensation genehmigt, rückwirkend für das Abrechnungsjahr 2025. Damit steigt die Zahl der begünstigten Branchen von bisher 11 auf 31. Neu hinzu kommen u. a. die organische Chemie und die Glasindustrie sowie erstmals Chemieparks. Für bereits beihilfeberechtigte Branchen wie die Stahlindustrie steigt die Förderintensität auf 80 %. Die Strompreiskompensation gleicht indirekte CO₂-Kosten aus dem EU-Emissionshandel aus, die Unternehmen über den Strompreis mittragen, und soll so verhindern, dass diese ihre Produktion wegen des Wettbewerbsnachteils ins Ausland verlagern (Carbon Leakage). [Quelle: Dt. Umweltministerium | Reaktion: FPÖ | Grafik: Österreichs Industrie unter Strompreisdruck | Service: EU-Emissionshandelssystem]

Wochenendprogramm:

Meistgelesener Kommentar der Woche. Georg Vetter: „Die ÖVP in der Sicherheitsfalle“ [Hier lesen]

Meistgelesenes Interview der Woche. Philipp Mayer: „Der Kapitalmarkt löst nicht jedes Problem des Pensionssystems“ [Hier lesen]

Long Read I. Laut einer Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria aus dem Jahr 2024 sind 135 österreichische Unternehmen mit VW verbunden, rund 6.300 Arbeitsplätze direkt betroffen, wobei sich die Abhängigkeiten auf wenige große Betriebe konzentrieren. [Hier lesen]

Long Read II. Bei Immobilieninvestments erreichte das Transaktionsvolumen in Österreich im 1. Halbjahr rund 1,15 Mrd. Euro und lag damit unter dem Wert des Vorjahreszeitraums von 1,16 Mrd. Euro, geht aus dem aktuellen EHL Investment Consulting Marktupdate hervor. [Hier lesen]

Long Read III. Österreichs Startup-Szene sammelt im ersten Halbjahr 2026 wieder deutlich mehr Kapital ein, geht aus dem EY-Startup-Barometer hervor. [Hier lesen]

Journal zu Gast. Mit Neos-Klubobmann Yannick Shetty. [Samstag, 12:00 Uhr, Ö1]

Pressestunde. Mit Korinna Schumann, Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz [Sonntag, 11.05 Uhr, ORF 2] 

Hohes Haus. Über letztes Nationalratsplenum vor Sommerpause u. a. mit Nationalratspräsident Walter Rosenkranz [Sonntag, 12:00 Uhr, ORF 2]

Kulinarisches Briefing
4. Juli bis 10. Juli

Business-Lunch-Geheimtipps gesucht? Ein Überblick über die wichtigsten Restaurantkritiken und kulinarischen Neuigkeiten der Woche. – von Dominik Futschik  

Diesmal im Briefing: Ein Café, in dem Stammgast Thomas Bernhard sicherlich etwas zu raunzen gefunden hätte – und dennoch täglich da gewesen wäre. Ein empfehlenswerter Schanigarten mit Zirkuszelt-Schirmen und Palmen im Schatten der Albertina und ein neues Café in der Argentinierstraße mit tollem Kaffee, bei dem man aber beim Essen noch etwas Geduld mitbringen sollte.

Jetzt jeden Samstag im Weekender!

Nächste Woche auf der Agenda:

Politik Österreich. Am Donnerstag startet Bundeskanzler Christian Stocker in Tulln seine Sommertour durch Österreich.

Politik international. Am Montag tagt in Brüssel der EU-Ministerrat „Auswärtige Angelegenheiten“ u. a. mit Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Zudem beginnt in Brüssel der zweitägige EU-Ministerrat „Landwirtschaft und Fischerei“. Außerdem startet Europaministerin Claudia Bauer in New York ihren viertägigen USA-Aufenthalt, bevor sie nach Washington weiterreist. Weiters nimmt Bundeskanzler Christian Stocker in Paris an einem Treffen der „Koalition der Willigen“ teil. Am Dienstag tagt der EU-Ministerrat „Allgemeine Angelegenheiten“. Am Donnerstag beginnt in Dublin die zweitägige informelle Tagung der EU-Justiz- und Innenminister u. a. mit Innenminister Gerhard Karner. Am Freitag präsentiert die EU-Kommission ihren Vorschlag zur Überarbeitung des Emissionshandelssystems (ETS) sowie ein Paket zu Elektrizitätswirtschaft (Aktionsplan) und Netzgebühren. Zudem bestätigt die in Großbritannien regierende Labour Party am Freitag Andy Burnham offiziell als Nachfolger von Premierminister Keir Starmer.

Daten und Fakten. Am Dienstag veröffentlicht Statistik Austria die „Kfz-Gebrauchtzulassungen 1. Halbjahr“. Am Mittwoch folgt der „Konjunkturindikator Juli“ der UniCredit Bank Austria. Zudem veröffentlicht Statistik Austria die „Regionalen Außenhandelsdaten nach Bundesländern 2025″ sowie den „Baukostenindex Juni“, und Eurostat legt die „Eurozone Industrieproduktion Mai“ vor. Am Donnerstag präsentiert das IHS seine mittelfristige Konjunkturprognose für 2026–2030, Eurostat veröffentlicht die „EU-Handelsbilanz Mai“. Am Freitag folgen der endgültige Verbraucherpreisindex Juni von Statistik Austria sowie die endgültigen Verbraucherpreise der Eurozone im Juni von Eurostat.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Aufsteiger und Umsteiger der Woche. Michael Sturmlechner ist seit 1. Juli neuer CEO der Aon Austria. Mit 1. Oktober wird Klaus Schörghofer CEO und Daniel Haider CFO der VIVATIS Holding AG. Lukas Burianek wird Geschäftsführer der Ennshafen OÖ GmbH. Barbara Lange-Zehenthofer ist neue Leiterin des Bereichs Corporate Human Resources bei Deloitte Österreich. Alexander Figl ist neuer Leiter der Rechtsabteilung der Wiener Städtischen. Matthias Seiringer übernimmt interimistisch die Leitung der ORF-Enterprise. Andreas Wimmer ist der neue Präsident der IV-Salzburg. Thomas Welser wurde als Vorstandsvorsitzender der Plattform Industrie 4.0 wiedergewählt, Beate El-Chichakli als stellvertretende Vorsitzende. Hartwig Löger ist neuer Aufsichtsratschef der deutschen Nürnberger Versicherung. Thomas Wolfsgruber wird Finanzvorstand der Salinen Austria AG. Markus Klien, bisher Vorarlberger FPÖ-Klubobmann, wurde als Landesrat angelobt; die Funktion des Klubobmanns übernimmt Manfred Vogt. Michaela Oberlassnig ist neue Landtagsabgeordnete in Kärnten. Kurt Maier wird ab September neuer CEO der Maschinenfabrik Liezen Beteiligungs GmbH.

Am Programm. Heute um 17 Uhr steht in der Pfarrkirche Stainz das Styriarte Mozart Requiem auf dem Programm. Morgen lädt der Gleis//Garten in Wien ab 13 Uhr zum KALK&KEGEL Sunday Afternoon Wine Club, und in Güssing beginnt um 20 Uhr die Eröffnungsgala des „Kultursommers Güssing“, unter anderem mit Thomas Stipsits und Dirk Stermann.

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