Weekender ・ 04.07.2026

Weekender, 4. Juli 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing am Wochenende! Heute zusammengestellt und editiert von Maximilian Kern und Driss Schmid – wir melden uns aus Wien.

Editor’s Note: Das deutsche Enteignungs-Verbot sollte Schule machen
von Sara Grasel

Sara Grasel Illustration

Die vergangene Reformwoche in Österreich hat so manchem Beobachter ein Wechselbad der Gefühle beschert. Da war der Start der Mehrwertsteuer-Senkung, die wohl kaum jemand spüren wird, die aber kaum komplizierter in der Umsetzung sein könnte. Zum Glück hat die BWB angekündigt, bei Händlern genau hinzuschauen – wo kämen wir hin, wenn der 2-Cent-Rabatt bei Semmeln nicht vollinhaltlich beim Kunden ankommen würde? Und es ist natürlich völlig richtig, den Unternehmen vorsorglich zu unterstellen, die Senkung vielleicht nicht weitergeben zu wollen. Leider ist Österreich nicht klein genug, um keine größeren Sorgen zu haben. 

Auf der anderen Seite brachte die Reformpartnerschaft mehr weiter, als ihr viele zugetraut hatten – auch, wenn einiges noch eher im unausgegorenen Stadium der Überschriften blieb. Und die Novelle der Gewerbeordnung kann schon fast als Entschuldigung für zusätzliche bürokratische Unsinnigkeiten wie die Verkomplizierung der Mehrwertsteuer bei Lebensmitteln gewertet werden. 

Noch größer fiel die Reformwoche vor der Sommerpause in Deutschland aus. Dort hat das Vorhaben, alle 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission als Gesamtkunstwerk umzusetzen, die erste Hürde genommen: Der Koalitionsausschuss hat die Umsetzung bis Jahresende diese Woche beschlossen. Ein Leuchtturm, an dem sich Österreich orientieren sollte, wenn wir uns nicht im Dunkel der Staatsschulden verfahren wollen. 

Kommentar: Wie, eine Pensionsreform einfach umsetzen? Das geht? 

Natürlich kann man sich nicht immer alles abschauen – das beruht aber leider wirklich auf Gegenseitigkeit. Fast putzig ist die Debatte rund um die „Reichensteuer“ in Deutschland. Gemeint ist damit nicht die Vermögenssteuer, sondern der Spitzensteuersatz für hohe Einkommen. Der soll angehoben werden – um 3 Prozentpunkte auf 45 % für Einkommen ab 250.000 Euro und um 2 Prozentpunkte auf 47 % ab 280.000 Euro. Deutsche Ökonomen mahnten umgehend, dass das vor allem den Mittelstand treffen wird. In Österreich liefert man schon ab rund 105.000 Euro pro Jahr die Hälfte seines Einkommens ab. Das sind netto 4.500 Euro pro Monat. Was in Deutschland eine Reichensteuer ist, ist in Österreich eher eine Abteilungsleitersteuer und selbst die ist höher. Da kann man Deutschland nur wünschen, dass das Nachbarland nicht zum Vorbild wird. 

Stattdessen sollten beide Länder über den umgekehrten Weg nachdenken. Immerhin peilt Deutschland am anderen Ende der Einkommensteuer Senkungen an. Schule machen sollte aber das Verbot von Enteignung von Privateigentum, das diese Woche in Deutschland auf den Weg gebracht wurde. In diesem Fall ging es tatsächlich um ein Verbot der Verstaatlichung von Privateigentum, konkret bei Wohnungen von Immobilienunternehmen. Aber auch zu hohe Steuern fühlen sich wie eine stille Enteignung unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit an. Umso befremdlicher, dass die SPÖ noch immer auf massive Substanzsteuern drängt: Vermögens- und Erbschaftssteuern, die in die Substanz familiengeführter Unternehmen eingreifen und Investoren das Gruseln lehren. Diese Steuerträume der SPÖ ziehen Kapital für Investitionen, Unternehmensgründungen und Innovation ab, das stattdessen von einem aufgeblähten und immer teurer werdenden Staat verschlungen wird. Österreich gehört in Europa zu den Ländern mit den höchsten Verwaltungskosten, die seit 2020 noch dazu stark gestiegen sind, während die Effektivität abgenommen hat – das zeigt eine KDZ-Studie, die diese Woche veröffentlicht wurde. 

Kommentar: Erbschaftssteuer und Gerechtigkeit – Gefährliche Argumente

Für Steuersenkungen haben wir keinen Spielraum? Ja, eh. Dann sollten wir daran arbeiten – kurzfristig durch mehr Effizienz (lies: Sparsamkeit) und langfristig durch Strukturreformen. Deutschland hat in diesem Punkt nun deutlich bessere Karten. Denn egal, wie die Maßnahmen des Pensionspakets alle im Detail aussehen, eins ist klar: Schon allein die Anhebung des Pensionsantrittsalters und die Kapitalrente werden die Staatsfinanzen mittel- und langfristig deutlich entlasten und so das Schlimmste zu verhindern. In Österreich hingegen sehen wir dieser Realität entgegen: Die Bundesausgaben für die Pensionen steigen laut Budgetentwurf von rund 20,3 Mrd. Euro im Jahr 2026 auf 25,4 Mrd. Euro bis 2030 und weichen damit deutlich vom Zielpfad der Regierung ab. Kostendämpfung wirkt fast nur das steigende Frauenpensionsalter. Der geniale „Nachhaltigkeitsmechanismus“ soll dann also die nächste Regierung zu Reformen motivieren. Oder dazu, selbigen abzuschaffen und so weiterzuwurschteln bis der brennende Hut kurzfristig nur noch mit neuen und höheren Steuern gelöscht werden kann. 

Grafik: Regierung droht bei Pensionen am eigen Ziel zu scheitern

News – was Sie seit dieser Woche wissen müssen:

🇦🇹 Länder sehen nach Reformpartnerschafts-Einigung nun Bund am Ball. Nach der Einigung auf Grundzüge einer Reformpartnerschaft zwischen Bund und Ländern erwarten die Landeshauptleute Markus Wallner (Vorarlberg) und Anton Mattle (Tirol) rasche Vorschläge des Bundes zur gesetzlichen Ausgestaltung. Bundeskanzler Stocker habe als Ziel ausgegeben, dass Gesetzesrahmen und Finanzierung bis Jahresende stehen, so Wallner bei der Übergabe des Ländervorsitzes an Vorarlberg. Am weitesten sei man bei der Energiewirtschaft, wo als Nächstes eine gemeinsame Kraftwerkstrategie erarbeitet werden soll. Im Gesundheitsbereich sei dagegen „noch ein ordentliches Stück zu gehen“, da die Sozialversicherungen einzubeziehen seien. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 Nationalrat: Grüne wollen Doppelbudget nicht zustimmen. Der Nationalrat wird am Freitag kommender Woche final über das Doppelbudget 2027/2028 sowie den Bundesfinanzrahmen bis 2031 abstimmen. Der Budgetausschuss hat das Doppelbudget am Freitag unverändert angenommen und unverändert dem Plenum vorgelegt. Die Grünen haben angekündigt, dem Doppelbudget nicht zuzustimmen. Zuvor befasst sich das Plenum von Mittwoch bis Freitag mit den 70 Gesetzesänderungen des Budgetbegleitgesetzes. Die Sammelnovelle umfasst u. a. die Pensionsanpassung 2027, die Einführung einer Paketsteuer, die Senkung der Lohnnebenkosten, die Erhöhung der KöSt. auf 24 % ab einem Gewinn von mehr als 1 Mio. Euro, die Verlängerung der Bankenabgabe, die Anhebung der Alkoholsteuer sowie das Einfrieren verschiedener Familien- und Sozialleistungen. [Quellen: Parlament – Vorschau, Budgetbegleitgesetz, Budgetausschuss; Die Grünen – PK, Aussendung]

🇦🇹 AK-Beiträge stiegen 2025 auf 683 Mio. Euro. Die Arbeiterkammer verzeichnete 2025 Beitragseinnahmen von rund 683 Mio. Euro (2024: 653 Mio.), ein Plus von 4,6 %, bei knapp über 4 Mio. Mitgliedern und 2,3 Mio. Beratungen (–4 %). Der Jahreserfolg lag bei 49,17 Mio. Euro. [Quelle: AK]

🇦🇹 Novelle der Gewerbeordnung in der Zielgeraden. Die geplante Novelle der Gewerbeordnung liegt als Regierungsvorlage dem Parlament vor – nach der Begutachtung, die im Februar endete, wurden noch einige „Feinjustierungen“ vorgenommen, so das Wirtschaftsministerium. Mit der Novelle plant die Bundesregierung, 10 Maßnahmen aus dem Entbürokratisierungspaket umzusetzen. Ziel sei eine Entlastung für Betriebe durch weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und erleichterte Investitionen. Unter anderem sollen Photovoltaikanlagen und Ladestationen für E-Fahrzeuge im gewerblichen Bereich künftig genehmigungsfrei gestellt werden. Betriebsanlagen blieben genehmigungsfrei, wenn die Pflicht allein durch Außenaggregate zur Klimatisierung oder Be- und Entlüftung ausgelöst würde. Bei Betriebsübernahmen würde die Grace-Period von 3 auf 5 Jahre verlängert. Für die Nachnutzung brachliegender Gewerbeareale solle die Frist bis zum Erlöschen bestehender Genehmigungen von 5 auf 7 Jahre steigen, die Verlängerungsmöglichkeit auf 10 Jahre. Unternehmen dürften in Gewerbeverfahren Unterlagen künftig auch in englischer Sprache einreichen. Zudem könnten behördlich verlangte Dokumente wie Elektro-, Gas-, Sicherheits- und Selbstprüfungsbefunde sowie Unterweisungsprotokolle digital oder schriftlich an die Behörde übermittelt werden, statt sie vor Ort bereithalten zu müssen. [Quellen: Bundeskanzleramt – Übersicht, Erläuterungen, Entbürokratisierungspaket; BMWET | Reaktionen: WKÖ, Wb]

🇦🇹 Energiegesetze sollen in Zukunft mit einfacher Mehrheit beschlossen werden. Im Rahmen der Reformpartnerschaft haben sich Bund, Länder und Gemeinden politisch darauf verständigt, sämtliche Energiegesetze in die Zuständigkeit des Bundes zu legen. Für deren Beschluss wäre damit keine Zweidrittelmehrheit mehr nötig. Voraussetzung ist allerdings eine Zweidrittelmehrheit für die dafür nötige Verfassungsänderung. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner appellierte an FPÖ und Grüne, diese nicht partei-, sondern staatspolitisch zu beurteilen, da sich Vorhaben im Energiebereich dadurch schneller, einfacher und effizienter umsetzen ließen. [Quelle: Ministerrat, Ö1-Morgenjournal 3.7. | Reaktionen: Wirtschaftsbund, EEÖ]

🇦🇹 Inflationsrate auf 3,2 % gesunken. Laut Schnellschätzung der Statistik Austria ist die Preissteigerung im Juni auf 3,2 % gesunken – 0,5 Prozentpunkte weniger als im Mai. Das Preisniveau dürfte voraussichtlich unverändert bleiben. Besonders die Energiepreise sorgten im Juni (+5,4 %) für einen geringeren Inflationsdruck als im Mai (+9,8 %). Den größten Einfluss auf die Inflation haben nach wie vor Dienstleistungen, die sich wie im Mai um 4,4 % verteuerten. Der international vergleichbare harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) lag im Juni bei 3,1 % im Jahresabstand. Deutschland liegt bei 2,4 % (VPI 2,3 %). Eurostat schätzt die Eurozonen-Inflation im Juni auf 2,8 %, nach 3,2 % im Mai. [Quellen: Statistik Austria, Eurostat, Statistisches Bundesamt | Reaktion: SPÖ, FPÖ, Die Grünen | Grafik: Inflation in Österreich weiter über Eurozonen-Schnitt]

🇦🇹 Strategische Gasreserve soll verlängert werden. Aufgrund der Auswirkungen des Irankriegs auf die globale Öl- und Gasversorgung soll die österreichische strategische Gasreserve bis zum 1. April 2029 verlängert werden. Eine entsprechende Verordnung legte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer am Mittwoch dem Ministerrat vor. Die Reserve umfasst ein Volumen von 20 TWh und ist derzeit bis zum 1. April 2027 gesetzlich verankert. Zudem soll daran gearbeitet werden, die Speicherkosten künftig zu senken bzw. deren Anstieg zu verlangsamen. Für Energiekrisenmaßnahmen sind für die Jahre 2027 und 2028 insgesamt 234 Mio. Euro budgetiert. [Quelle: Bundeskanzleramt, BMF – Strategiebericht S. 200/201]

🇦🇹 Arbeitslosigkeit steigt, weniger Lehrstellensuchende. Ende Juni waren rund 369.000 Menschen arbeitslos oder in Schulung – ein Plus von 4.500 Personen bzw. 1,2% im Jahresabstand. Durch die günstigere Entwicklung am Bau und in der Arbeitskräfteüberlassung sinkt die Arbeitslosigkeit bei Männern (-0,5 %) leicht, während sie bei Frauen (+5,9 %) deutlich steigt, da sich Handel und Pflege negativ entwickeln. Bei Asylberechtigten oder subsidiär Schutzberechtigten ist die Arbeitslosigkeit zurückgegangen, getrieben von Menschen aus Syrien, bei denen die Beschäftigung um 18 % stieg und eine verstärkte Rückkehr in das Heimatland stattfindet. Die Zahl der beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden sinkt (-13,1 % auf 7.699) und auch die offenen Lehrstellen (-906 auf 6.058) sind rückläufig. Die Lehrstellenlücke ist rückläufig und beträgt -1.641 Stellen. [Quellen: AMS, Arbeitsministerium | Reaktionen: SPÖ, FPÖ, IV, AK, ÖGB]

💡 Pensionen: Eigenes Ziel kaum zu halten. Die Pensionsausgaben zählen zu den dynamischsten Posten im Bundesbudget: Ihr Anteil an den Bundesausgaben steigt laut aktueller Planung bis 2031 auf knapp 31 %. Die aktuelle Regierung hat per Gesetz einen verbindlichen Zielpfad für die gesetzliche Pensionsversicherung festgeschrieben. Wird er kumuliert um mehr als 0,5 % überschritten, müssen automatisch Reformen umgesetzt werden, etwa eine Anhebung der Versicherungsjahre für die Korridorpension oder Anpassungen bei Beitragssatz und Pensionshöhe. Konkret steigen die Bundesausgaben für die Pensionsversicherung laut Budgetentwurf von rund 20,3 Mrd. € im Jahr 2026 auf 25,4 Mrd. € bis 2030, während der gesetzliche Zielpfad nur 24,8 Mrd. € vorsieht. Die kumulierte Abweichung beläuft sich auf 1,19 Mrd. €, mehr als doppelt so viel wie die Toleranzgrenze von 559 Mio. € zulassen würde. [Quelle: Budgetdienst  | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel in Kraft getreten. Seit dem 1. Juli gilt ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von 4,9 % auf ausgewählte Nahrungsmittel. Bei vollständiger Weitergabe der Senkung an die Konsumenten würden Österreichs Haushalte laut Budgetdienst des Parlaments durchschnittlich rund 73 Euro pro Jahr sparen, die SPÖ spricht von 100 Euro Ersparnis. Allein heuer entgehen dem Staat dadurch rund 135 Mio. Euro und ab 2027 jährlich 400 Mio. Euro. Daraus ergeben sich über die nächsten 5 Jahre finanzielle Mindereinnahmen von mehr als 1,7 Mrd. Euro. Zwei Drittel davon entfallen auf den Bund, rund 22 % auf die Länder und 11,5 % auf die Gemeinden. Zur Gegenfinanzierung fällt ab Oktober eine Abgabe von 2 Euro pro Paket für Versandhändler ab einem Jahresumsatz von 100 Mio. Euro an. Das soll jährlich rund 280 Mio. Euro einbringen. Laut Handelsverband haben die Lebensmittelhändler in den vergangenen Monaten insgesamt rund 6 Mio. Euro in die Umstellung auf den neuen Mehrwertsteuersatz investiert. IHS-Direktor Holger Bonin zweifelt im Selektiv-Interview an der Wirksamkeit: „Wenn man wenig Geld hat, sollte man sich auf zielgenaue Maßnahmen konzentrieren, die bei den wirklich Betroffenen spürbar ankommen, statt bei allen eine Veränderung zu bewirken, die so klein ist, dass sie nichts bewegt.“ Die FPÖ ortet einen „teuren Bürokratiesumpf“ und fordert weiterhin einen „Österreich-Warenkorb“ auf freiwilliger Basis. [Quellen: Parlament, Handelsverband, FPÖ, SPÖ, Budgetdienst | Grafik: Steuersenkung auf Lebensmittel: 73 Euro im Schnitt, aber nicht für alle gleich | Interview: Paketsteuer schickt Österreich in die digitale Steinzeit]

🇦🇹 Wasserkraft im Mai auf 25-Jahres-Tief. Laut APG erreichte die Laufwasserkraftproduktion in Österreich im Mai 2026 den niedrigsten Stand seit 25 Jahren, als Folge von wenig Niederschlag und ausgeprägter Trockenheit seit März. Die PV-Einspeisung stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 55 %, die Windkraft um rund 31 %, sodass die erneuerbare Gesamterzeugung nur um 2,5 % zurückging. Per saldo wurde im Mai ein Importüberhang von 64 GWh verzeichnet. Wie der Verbund als größter Wasserkraft-Erzeuger Österreichs auf Selektiv-Nachfrage mitteilte, liegt die eigene Wasserkrafterzeugung aktuell 30 % unter dem langjährigen Durchschnitt. [Quelle: APG, Verbund auf Selektiv-Nachfrage]

🇦🇹 Vorarlberg übernahm den Vorsitz im Bundesrat und der LH-Konferenz. Zum 2. Halbjahr 2026 übernimmt Vorarlberg den Vorsitz im Bundesrat sowie in der Landeshauptleutekonferenz. Nachdem Tirol im ersten Halbjahr mit Markus Stotter den Vorsitzenden des Bundesrates innehatte, übernimmt diesen nun die Vorarlbergerin Christine Schwarz-Fuchs. Zugleich übernimmt Landeshauptmann Markus Wallner bis Jahresende den Vorsitz der Landeshauptleutekonferenz. Der Fokus soll in beiden Gremien auf dem wirtschaftlichen Wohlstand der Regionen liegen und deren Herausforderungen. Österreichs Zukunft hänge davon ab, „wirtschaftliche Stärke, gesellschaftlichen Wandel und regionale Sicherheit gemeinsam zu denken“, so Schwarz-Fuchs. Ein weiterer Schwerpunkt [Quellen: ÖVP, Land Vorarlberg]

🇪🇺 3-Euro-Zoll auf Kleinpakete aus Drittstaaten gilt seit dem 1. Juli. Seit dieser Woche gilt ein fester Zoll von 3 Euro auf kleine Pakete mit einem Wert unter 150 Euro, die über den E-Commerce in die EU gelangen. Der Zoll wird auf jeden einzelnen Artikel einer Sendung erhoben und betrifft Waren von Verkäufern aus Drittstaaten, die bei der einzigen Anlaufstelle für die Einfuhr der EU registriert sind, das entspricht 93 % der gesamten E-Commerce-Ströme in die EU. Die Maßnahme reagiert auf die bisherige Zollfreiheit solcher Pakete, die zu unfairen Wettbewerbsbedingungen für EU-Verkäufer sowie zu Sicherheits- und Betrugsrisiken geführt habe. [Quelle: Rat der EU | Reaktion: WKÖ]

🇪🇺 Irland übernahm EU-Ratspräsidentschaft. Für die kommenden 6 Monate übernimmt Irland die EU-Ratspräsidentschaft. Konkret bedeutet dies die Übernahme der Lenkung und Planung der Arbeit des Rates, die Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs und die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten und anderen EU-Institutionen. Die drei Grundpfeiler der irischen Ratspräsidentschaft sind die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit, die Wahrung der Werte der EU und Sicherheit. Bis zum Jahresende wird v. a. der Beschluss des Mehrjährigen Finanzrahmens 2028-2034 Thema sein. [Quelle: Irische Präsidentschaft | Reaktion: WKÖ | Service: Irisches Programm]

🇪🇺 Neue EU-Schutzmaßnahmen für Stahlsektor in Kraft. Am Mittwoch trat die novellierte EU-Stahlverordnung in Kraft. Das jährliche Einfuhrkontingent liegt bei 18,3 Mio. Tonnen, außerhalb dieser Menge gilt ein Zollsatz von 50% für 26 Stahlproduktkategorien. Die Hälfte des Kontingents bleibt Ländern mit Freihandelsabkommen mit der EU vorbehalten, mit denen rund 80% des EU-Stahlimports abgewickelt werden. Sie verzeichnen damit eine Kontingentkürzung von durchschnittlich 47%, deutlich weniger als andere Handelspartner. Neu ist außerdem eine Rückverfolgbarkeitspflicht: Unternehmen müssen künftig angeben, wo die Schmelz- und Gussphase des importierten Stahls stattgefunden hat. Die Verordnung ersetzt die Ende Juni ausgelaufene Stahl-Schutzmaßnahme und soll laut Kommission faire Wettbewerbsbedingungen wiederherstellen und Arbeitsplätze in der EU-Stahlproduktion sichern. [Quellen: EU-Kommission – Aussendung, Q&A]

🇩🇪 Deutsche Koalition beschließt umfassendes Reformpaket. Die deutsche Regierungskoalition hat ein 34 Maßnahmen umfassendes Paket zur Rente, Steuern, Arbeitsmarkt und Bürokratie beschlossen. Kernpunkte sind die Umsetzung der 33 Rentenkommissions-Vorschläge bis Jahresende sowie eine Entlastung bei der Einkommensteuer für untere und mittlere Einkommen ab 1.1.2027. Gegenfinanziert wird dies u. a. durch einen Steuersatz von 45 % ab 250.000 Euro und 47 % ab 280.000 Euro zu versteuerndem Einkommen und einer Anhebung der Minijob-Pauschalsteuer. Zudem beschlossen wurden eine Ausweitung der sachgrundlosen Befristung sowie ein pauschaler Abbau von Berichtspflichten. Das IW Köln bezeichnet das Paket als keinen „großen Wurf“, erwartet aber mittel- bis langfristig positive Wachstumsimpulse. Das IfW Kiel hält die Wachstumseffekte für überschaubar und verweist auf die entscheidende Rolle der Umsetzung bei Deregulierung und Bürokratieabbau. [Quellen: Pressekonferenz, Deutsche Bundesregierung – Aussendung, Programm; IW Köln, IfW Kiel | Service: Bericht Rentenkommission]

Wochenendprogramm:

Meistgelesener Kommentar der Woche. Bernhard Seyringer: „Pekings neue Weltordnung“

Meistgelesenes Interview der Woche. Holger Bonin: „Produktivitäts-Fortschritte durch KI fließen in kürzere Arbeitszeiten“

Long Read I. Programm der irischen EU-Ratspräsidentschaft [Hier lesen]

Long Read II. Reformprogramm der deutschen Bundesregierung [Hier lesen]

Long Read III. Annual Economic Report der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) [Hier lesen]

Journal zu Gast. Mit Vizekanzler Andreas Babler [Samstag, 12:00 Uhr, Ö1]

Pressestunde. Mit Norbert Totschnig, Klima- und Umweltminister [Sonntag, 11.05 Uhr, ORF 2] 

Hohes Haus. Über ein Theaterstück aus Nationalratsreden mit Andreas Ottenschläger [Sonntag, 12:00 Uhr, ORF 2] 

Kulinarisches Briefing
27. Juni bis 3. Juli

Business-Lunch-Geheimtipps gesucht? Ein Überblick über die wichtigsten Restaurantkritiken und kulinarischen Neuigkeiten der Woche. – von Dominik Futschik  

Diesmal im Briefing: Eine Wiener Institution, die geröstete Leber und Kalbsrahmbeuschel auftischt. Das beste böhmische Lokal außerhalb Tschechiens. Ein Mid-Century-Designklassiker als Imbissbude vor dem MQ und ein Lokal, das zum 25. Geburtstag noch besser wurde.

Jetzt jeden Samstag im Weekender!

Nächste Woche auf der Agenda:

Politik Österreich. Am Montag beginnt die fünftägige Plenarsitzung des Nationalrats. Am Dienstag steht der Auktionstermin für eine österreichische Bundesanleihe an. Am Mittwoch startet im Nationalrat die Generaldebatte zum Doppelbudget 2027/2028. Am Freitag endet die Plenarsitzung mit der Abstimmung über das Doppelbudget 2027/2028.

Politik international. Am Montag endet der informelle EU-Ministerrat zu „Beschäftigung und Soziales“ in Dublin. Zudem beginnt die viertägige Plenarsitzung des EU-Parlaments in Straßburg. Am Dienstag startet der zweitägige NATO-Gipfel in Ankara. Am Donnerstag beginnt in Dublin der zweitägige informelle EU-Ministerrat zu „Binnenmarkt und Industrie“. Außerdem trifft sich in Brüssel die Eurogruppe. Am Freitag tagt in Brüssel der EU-Ministerrat „Wirtschaft und Finanzen“.

Daten und Fakten. Am Montag werden der Sentix-Index zum Investorenvertrauen in der Eurozone für Juli sowie von Eurostat die EU-Einzelhandelsumsätze im Mai und die Erzeugerpreise veröffentlicht. Außerdem veröffentlicht Statistik Austria den „Einzelhandel Umsatzindex Mai“ sowie den „Umsatz- und Beschäftigtenindex Handel und Dienstleistungen 1. Quartal 2026 (endgültig)“. Am Dienstag veröffentlicht Statistik Austria „Innovation in Unternehmen 2024“ und „Großhandelspreise Juni“. Zudem erscheint der aktualisierte „Beschäftigungsausblick 2026“ der OECD. Am Mittwoch veröffentlicht Statistik Austria Daten zum Außenhandel im April. Außerdem erscheint der aktualisierte „World Economic Outlook“ des IWF. Am Donnerstag veröffentlicht Statistik Austria die „Kfz-Neuzulassungen 1. Halbjahr“. Am Freitag folgt der „Produktionsindex Mai“ von Statistik Austria.

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Aufsteiger und Umsteiger der Woche. Rudolf Krickl wurde als CEO von PwC Österreich wiedergewählt. Clemens Schwaiger wird Teil der Geschäftsführung der „Kronen Zeitung“. Johannes Stipsits übernimmt die Geschäftsführung der WAB Beteiligungen und Risikomanagement GmbH. Christine Schwarz-Fuchs die neue Bundesratspräsidentin, Silvester Gfrerer ist der neue Vizepräsident. Harald Riener übernimmt die Führung der DONAU als neuer Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender. Er folgt damit auf Judit Havasi, die in den Vorstand der Vienna Insurance Group wechselt. Mit 1. Juli wurde Christian Reiss vom Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden (CEO) der VBV-Pensionskasse bestellt. Gleichzeitig wurden Michaela Attermeyer und Martin Vörös zusätzlich zu ihren bestehenden Funktionen in der VBV-Gruppe in den Vorstand der VBV-Pensionskasse berufen. Jürgen Margetich übernimmt die politische Leitung der UNOS von Markus Ott. Michael Mostböck ist der neue Präsident des Österreichischen Cartellverbandes. Thomas Scheurecker übernimmt mit dem 1. Jänner 2027 die Position des CFO der Greiner AG. Jakob Wolf wurde offiziell zum neuen Tiroler Landtagspräsidenten gewählt. Rupert Reif ist der neue Kommunikationschef der Raiffeisen Bank International.

Am Programm. Die Albertina feiert am Wochenende ihr 250-jähriges Bestehen, an allen Standorten gilt freier Eintritt. Heute startet in Wien das Filmfestival am Rathausplatz, in der Hofburg findet der Parteikongress der Europäischen Liberalen (ALDE) statt, und in Grafenegg steht am Wolkenturm „Klassik unter Sternen“ auf dem Programm.

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