Morning in Brief ・ 20.08.2026

Morning in Brief, 20. August 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, Maximilian Kern und Driss Schmid – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Dürrehilfen werden an Klimagesetz geknüpft. Die Regierungsparteien verhandeln das Hilfspaket für die von der Dürre betroffenen Bauern gemeinsam mit dem Klimagesetz und einem verbindlichen Zielpfad für den Bodenverbrauch. Ein separates Dürre-Hilfspaket für die Landwirtschaft ist nicht mehr geplant, stattdessen soll es ein „Gesamtpaket“ geben, heißt es aus Verhandlerkreisen gegenüber Selektiv. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig strebt bei den Hilfen eine Summe von 250 Mio. Euro an, die SPÖ will laut Kronen Zeitung nur 50 Mio. Euro mobilisieren. Heute Vormittag soll eine weitere Verhandlungsrunde stattfinden. Wird diese Woche noch eine Einigung erzielt, könnte das Klimagesetz bereits nächste Woche in Begutachtung gehen. [Quellen: Selektiv, Kronen Zeitung]

„Geldanlage darf nicht primär politisches Instrument sein“
Interview mit Christian Röhl

In Deutschland bekommt der Kapitalmarkt in der Altersvorsorge mehr Gewicht. Das staatlich geförderte Vorsorgedepot sei ein „wegweisender Meilenstein“, meint Christian Röhl, Chefökonom des deutschen Neobrokers Scalable Capital. „Erstmals sendet der Staat das Signal, dass Sparen am Kapitalmarkt und Investieren in Wertpapiere eine gute Sache für Vermögensaufbau und Altersvorsorge sind“. Von einer Behaltefrist hält er wenig – höhere Freibeträge seien die bessere Wahl. Geplant ist in Deutschland auch eine Aktienrente als Teil der staatlichen Rente. Dieses Geld sollte dennoch nicht „staatlich orchestriert“ nur deutschen Unternehmen zugute kommen. Dafür gebe es in Deutschland zu wenig Wachstum.

💡 Pensionserhöhung 2027 bleibt unter der Teuerung. Im Sog der neu entfachten Debatte um ein höheres Pensionsantrittsalter lässt sich nach der gestern veröffentlichten Juli-Inflation erstmals der rechnerische Anpassungswert für 2027 bestimmen; dieser liegt bei rund 3,36 % (geringere Abweichungen zur offiziellen Verlautbarung des Ministeriums sind möglich). Die im Budgetbegleitgesetz 2027/28 beschlossene Anpassung fällt mit 2,95 % (bzw. 3,3 % bei der Ausgleichszulage) jedoch niedriger aus. Die Regierung rechnet durch den Abschluss unter dem vollen Anpassungswert mit Einsparungen von rund 280 Mio. Euro. Für Pensionen über 6.930 Euro gilt statt eines Prozentsatzes der Fixbetrag von 204,44 Euro, der bei höheren Einkommen prozentual immer kleiner wird. Bei Pensionen über 12.000 Euro sinkt der Anpassungseffekt sogar unter 1,7 % ab. Kritiker sehen darin eine Belastung des Versicherungsprinzips: Wer über Jahrzehnte überdurchschnittlich hohe Beiträge eingezahlt hat, wurde bereits in den vergangenen Anpassungsjahren regelmäßig relativ schlechter gestellt. [Quellen: Sozialministerium, Statistik Austria, Eigene Berechnungen | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger] 

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Reformdividende würde heuer 150 Euro pro Person ergeben. Wäre die Reformdividende bereits Realität, hätte die Budget-Übererfüllung des Vorjahres eine Dividende von rund 150 Euro pro Person im heurigen Jahr ergeben, so ein Neos-Rechenbeispiel. Die Reformdividende soll nach Neos-Vorstellungen ab einer Übererfüllung des Defizitziels von 0,1 % des BIP (rd. 500 Mio. Euro) greifen und als „Reformdividenden-Freibetrag“ im Folgejahr verfügbar gemacht werden. Im Jahr 2025 wurde das Defizitziel um 0,3 Prozentpunkte des BIP bzw. um 1,5 Mrd. Euro übererfüllt, davon würden heuer 750 Mio. Euro als Dividende ausbezahlt werden. Das entspricht rund 400 Euro Freibetrag pro Einkommens- bzw. Lohnsteuerzahler, was ca. 150 Euro Nettobetrag pro Person ergibt. Die Neos drängen auf eine baldige Umsetzung der Reformdividende und streben eine entsprechende Gesetzesvorlage noch für diesen Herbst an. [Quelle: Neos | Grafik: Defizitprognose]

🇦🇹 Inflation im Juli höher als erwartet. Die Inflation lag im Juli 2026 bei 2,8 % und damit um 0,1 Prozentpunkte höher als in der Schnellschätzung erwartet wurde. Im Juni lag die Teuerungsrate noch bei 3,2 %. Die mit 1. Juli gesenkte Mehrwertsteuer auf Lebensmittel hat laut Statistik Austria rund die Hälfte des Rückgangs ausgemacht. Bereinigt um die Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln läge die Juli-Inflation bei 3,0 %. Wichtigste Preistreiber waren die Preise für Verkehr (+6,4 %) die Preise für Wohnung und Heizen (+2,7 %), Gastronomie- und Beherbergungsdienstleistungen (+4,6 %) sowie die Treibstoffpreise (+17,6 %). Inflationsdämpfend wirkten unter anderem die Strompreise (-10,4 %) und die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke (-0,4 %). Der international vergleichbare harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) lag im Juli bei 2,7 %, Österreich liegt damit erstmals seit langem wieder unter dem Schnitt der Eurozone (2,9 %) und der EU (3,0 %).[Quellen: Statistik Austria, Eurostat | Reaktionen: SPÖ/Seltenheim, SPÖ/Krainer, BMWET, ÖGB, HBM Marterbauer, HBM Hattmannsdorfer | Grafik: Inflation in Österreich fällt unter Euroraum-Schnitt]

🇦🇹 Heimischer Handel rutscht real ins Minus. Der österreichische Handel verzeichnete im 1. Halbjahr 2026 eine nominelle Umsatzsteigerung von 2,1 %, real ergab sich allerdings ein Minus von 0,7 %. Laut WKÖ ist diese Entwicklung u. a. auf die Gesamt-Inflationsrate im 1. Halbjahr zurückzuführen, die mit 3 % über dem EU-27-Schnitt von 2,7 % lag. Der Einzelhandel konnte seinen Umsatz seit Jahresbeginn nominell um 1,9 % steigern und landete mit einem Umsatz von 45,2 Mrd. Euro im EU-Vergleich auf Rang 25, was der drittschwächsten Einzelhandels-Konjunkturentwicklung in der EU entspricht. Zusätzlich verwies WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik auf die jüngste Hitzewelle, die die Kauflaune gedrückt und „tiefe Spuren“ hinterlassen habe. „Es wird ein schwieriges Jahr bleiben“, so Trefelik. [Quellen: WKÖ, Ö1-Morgenjournal]

🇦🇹 Lebensmittelindustrie: Zuckersteuer schwächt den Standort und hilft nicht gegen Adipositas. Der Fachverband der Lebensmittelindustrie kritisiert die Idee einer flächendeckenden Steuer auf zuckerhaltige Getränke, wie sie Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig gefordert hat. Eine solche Steuer würde österreichische Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette gefährden und die heimische Selbstversorgung verringern, so Geschäftsführerin Katharina Koßdorff. Zudem sei in Ländern, die eine Zuckersteuer erheben, keine Reduktion der Adipositasraten erkennbar. Der Ernährungsverein „forum. ernährung heute“ fordert statt einer Steuer, Prävention in Form von Ernährungs- und Verbraucherbildung an Schulen. [Quellen : Lebensmittelverband, F. eh., SN, ZIB2]

🇦🇹 Regierung setzte in 1,5 Jahren rund 19 % der Wahlversprechen um. Seit ihrem Amtsantritt im März 2025 hat die Bundesregierung 19 % der insgesamt 1.673 Wahlversprechen umgesetzt, weitere 133 wurden bisher teilweise erfüllt. Die Umsetzungsgeschwindigkeit sei auf einem ähnlichen Niveau wie bei Vorgängerregierungen, so die Politikwissenschaftlerin Katrin Praprotnik. Wichtig dabei: Wahlversprechen umfassen nicht nur Reformen, sondern auch Versprechen, den Status quo beizubehalten. In das Regierungsprogramm fanden rund 27 % (460) der Wahlversprechen unverändert Eingang. 17 % wurden in angepasster Version einbezogen. Am häufigsten verankern konnte ihre Versprechen die ÖVP mit rund 50 %, vor den Neos (44 %) und der SPÖ (39 %). Auch bei der tatsächlichen Umsetzung liegt die ÖVP mit 25 % an erster Stelle, gefolgt von den Neos (16 %) und der SPÖ (12 %). Die meisten Versprechen gaben die Koalitionsparteien im Bereich Soziales ab (19 %), gefolgt von Wirtschaft und Bildung (je 11 %). [Quellen: Politikmonitor, Ö1-Morgenjournal 19.8.]

🇦🇹 Kapazität für Gasimporte aus dem Westen wird erhöht. Gestern wurde der Bau der Gasleitung „WAG Loop 1“ genehmigt. Die 40 Kilometer lange Leitung wird parallel zur bestehenden West-Austria-Gasleitung verlaufen und ab 2027 die Importkapazität aus Westeuropa von 90 auf 117 TWh pro Jahr erhöhen. Über die Leitungen werden LNG aus Deutschland sowie Gas aus Norwegen bezogen. Seit dem Lieferstopp für russisches Gas über die Ukraine am 1.1.2025 sind die Importe über Deutschland gestiegen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer begrüßt die Genehmigung des Ausbaus als „wichtigen Schritt für mehr Versorgungssicherheit und einen resilienten Wirtschaftsstandort“. [Quellen: BMWET, Gas Connect Austria, Energie.gv.at]

🇦🇹 WWF kritisiert Bodenverbrauch der Bundesländer. Der WWF hat eine fünfstufige Bewertungsskala entwickelt, die die verbindlichen Regeln und Maßnahmen der Bundesländer zum Bodenschutz und -verbrauch bewertet. Mit einem Wert von 4,2 liegt Oberösterreich am letzten Platz, am besten schneidet Salzburg mit 3,1 ab. Pro Kopf verbraucht das Burgenland mit 1.251 m2 und Niederösterreich mit 952 m2 den meisten Boden, Vorarlberg mit 407 m2 und Wien mit 121 m2 am wenigsten. Wien nutzt dabei aber bereits 73,8 % des Dauersiedlungsraums, Niederösterreich nur 14,2 %. Der WWF fordert verbindliche Bodenschutz-Ziele und messbare Reduktionspfade für die einzelnen Bundesländer. Neos und Grüne rufen den zuständigen Umweltminister Norbert Totschnig auf, verbindliche Ziele zur Reduktion des Bodenverbrauchs vorzugeben. [Quelle: WWF – Aussendung, Bodenreport 2026 | Reaktionen: Neos, Grüne, Grüne OÖ]

🇦🇹 Burgenland will Maut-Pläne überarbeiten. Nach Kritik von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung will das Land Burgenland die geplante Lkw-Maut nochmals überdenken. „Die Rückmeldungen aus der Wirtschaft nehmen wir ernst. Die Intention war niemals, die heimische Wirtschaft zu schwächen oder burgenländische Unternehmen zusätzlich zu belasten“, so Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Der Gesetzesentwurf soll nun „gemeinsam mit der heimischen Wirtschaft“ überarbeitet werden und dahingehend geändert werden, dass Transit- und Ausweichverkehr getroffen wird, nicht aber heimische Betriebe. [Quelle: Land Burgenland]

🇦🇹 Umfrage: Nur 22 % verlassen sich auf staatliche Pension. In einer Umfrage im Auftrag des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen gehen 22 % davon aus, dass die staatliche Pension allein ausreichen wird. 68 % sehen dagegen zusätzlich Bedarf an einer betrieblichen Vorsorge. Den von der Regierung geplanten Umbau der betrieblichen Vorsorge bewerten 36 % als positiv, 31 % stehen ihm offen gegenüber. Die Möglichkeit, die Abfertigung Neu in eine Zusatzpension umzuwandeln, halten 45 % für sehr oder eher sinnvoll. Vor allem jüngere Berufstätige, Personen mit höherem Bildungsabschluss sowie Personen, die mit den bisherigen Erträgen der Abfertigung Neu zufrieden sind, befürworten diese Möglichkeit. [Quelle: Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen | Grafik: Was die Reform der „Abfertigung neu“ bringt | Interview: „Junge Menschen müssen in Aktien investieren“]

🇩🇪 Deutsche Industrie verzeichnet 5. Monat in Folge Auftragsplus. Der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Juni gegenüber dem Vormonat real um 0,8 %, im Vorjahresvergleich um 9,3 %. Getragen wurde die Entwicklung v. a. von der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (+4,6 %) sowie vom Maschinenbau (+0,9 %). Der Bestand an Inlandsaufträgen nahm um 1,2 % zu, aus dem Ausland waren es 0,6 % mehr. Die Reichweite des Auftragsbestands blieb bei 8,9 Monaten. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇺🇸🇮🇷 Trump droht Iran mit „wirtschaftlichem D-Day“. US-Präsident Donald Trump will die „vernichtendsten wirtschaftlichen Maßnahmen aller Zeiten“ gegen den Iran anwenden und einen „beispiellosen Wirtschaftskrieg“ entfesseln. Andere Länder, die den Iran wirtschaftlich unterstützen oder iranisches Öl beziehen, sollen ebenfalls „enorme wirtschaftliche Konsequenzen“ tragen. Weitere Details zu neuen Sanktionen oder deren Inkrafttreten nannte Trump nicht. [Quelle: Trump auf Truth Social]

Selektive Agenda:

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht Daten zur „Produktion im Baugewerbe“ im Juni und 2. Quartal 2026

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte: Marlene Schmidl leitet die Social Media Redaktion der Kronen Zeitung. Stefan Jauk wurde als Mitglied des Aufsichtsrats der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG und als Obmann-Stellvertreter der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien nominiert; er soll in weiterer Folge als Obmann der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und als Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG vorgeschlagen werden.

Sehen & gesehen werden:

18:00 Uhr, Neustift am Walde: Eröffnung Neustifter Kirtag [Info]

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