Morning in Brief ・ 13.05.2026

Morning in Brief, 13. Mai 2026

Guten Morgen Österreich!

Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing um 7 Uhr! Heute zusammengestellt und editiert von Stephan Frank, David Schima, Maximilian Kern und Sara Grasel – wir melden uns aus Wien.

News – das müssen Sie heute wissen:

🇦🇹 Kanzler: Kein Goldplating bei Lohntransparenz. Bundeskanzler Christian Stocker will sich daran orientieren, wie andere europäische Länder die EU-Entgelttransparenzrichtlinie umsetzen und dann „im internationalen Gleichklang“ agieren. Er spricht sich für eine „praktikable“ Umsetzung der Richtlinie aus. „Wir werden nicht mehr umsetzen, als uns die Richtlinie auferlegt. Ein Goldplating wird nicht stattfinden“, so der Kanzler. [Quelle: APA via Medienberichte | Kommentar: Entgelttransparenz: Richtiges Ziel, schweres Geschütz | Interview: „Das erinnert mich ein bisschen an Planwirtschaft“ | Grafik: Lohntransparenz: Gut gemeint ist nicht gut gemacht]

Kommentar: Pensionsreform von unten
von Karl Fuchs

Politische Persönlichkeiten werden dafür gewählt, voranzugehen und Dinge anzustoßen, die sich sonst niemand zutraut. In kaum einer politischen Antrittsrede fehlt der Hinweis, auch Unpopuläres zum langfristigen Wohl der Schutzbefohlenen angehen zu wollen. Blickt man auf die österreichische Realität, verkommt diese hehre Vorstellung freilich zu grauer Theorie. Stichwort „grau“: Eine überfällige Pensionsreform wird seit mittlerweile Jahrzehnten regierungsübergreifend vermieden. Die aktuelle Koalition verordnete dem auf den Eisberg zusteuernden Pensionstanker bloß eine kaum merkbare Kurskorrektur. 

💡 Pensionserhöhungen über dem Automatismus: 1,7 Mrd. Euro jedes Jahr. Seit 2019 wurden im österreichischen Pensionssystem mehrere Maßnahmen beschlossen, die das Pensionsniveau dauerhaft über den gesetzlichen Anpassungsautomatismus hinaus angehoben haben. Dazu zählen die Neuregelung der Wartefrist für die erste Pensionsanpassung, neue Bonusregelungen für langjährig Versicherte sowie außertourliche Erhöhungen in den Jahren 2019, 2020 und 2022. Da jede Folgeerhöhung auf dem erhöhten Niveau aufsetzt, wirken diese Maßnahmen dauerhaft. Laut dem Büro des Fiskalrates würde ihre vollständige Rücknahme bzw. Berücksichtigung bei der Pensionsanpassung ab 2027 jährlich rund 1,7 Mrd. Euro einsparen. [Quelle: Fiskalrat | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈

Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.

Der Link wechselt jeden Freitag.

🇦🇹 Irankrieg bremst heimische Wirtschaft. Das österreichische BIP konnte im 1. Quartal 2026 um voraussichtlich 0,2 % gegenüber dem Vorquartal zulegen, die Auswirkungen des Irankriegs dämpften die Entwicklung jedoch. Die Exporte stagnierten, die Wertschöpfung in der Warenherstellung ist gesunken. Die Beschäftigungsdynamik reichte nicht aus, um einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Sowohl Lagebeurteilungen als auch Erwartungen der Unternehmen haben sich verschlechtert und rutschten in den pessimistischen Bereich, die „Konjunkturampel“ des Wifo ist im April auf Rot gesprungen. [Quellen: Wifo, Konjunkturampel]

🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,923 Euro für Diesel und 1,818 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im Juli liegt heute Morgen bei 106,50 Dollar, ein Anstieg um 1,5 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag Mittwochfrüh bei 46,36 Euro pro MWh, ein Rückgang um 0,9 %. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]

„Arbeitskosten waren in den letzten Jahren eine unglaubliche Belastung“
Interview mit Markus Schaffhauser

Markus Schaffhauser ist Global Senior Vice President der Atos Gruppe und muss den Standort Österreich konzernintern immer öfter verteidigen: „Wenn Österreich bereits sehr hohe Personalkosten hat und dann auch noch die größten Kostensteigerungen weltweit verzeichnet, ist das ein ernsthaftes Argument gegen Investitionen am Standort.“ Um im Technologierennen mit den USA und China aufzuholen und – zumindest teilweise – unabhängig zu sein bei digitalen Technologien, fehle es in Europa an einem entwickelten Kapitalmarkt. Ein Thema, das er auch in Österreich vermisst: „Eine Industriestrategie ohne Kapitalmarkt ist ein unvollständiger Ansatz“.

🇦🇹 Leistbarkeit von Wohneigentum 2025 trotz höherer Preise gestiegen. Das durchschnittliche Nettoeinkommen unselbständig Beschäftigter in Österreich ist seit 2022 um 20 % gestiegen und liegt damit 5 Prozentpunkte über der allgemeinen Teuerung. Bei zugleich leicht rückläufigen Immobilienpreisen entspricht das einer Zunahme der Leistbarkeit von Wohneigentum um mehr als ein Fünftel. Mit einem Jahresnettoeinkommen ließen sich 2022 rechnerisch 7 m² Wohnraum finanzieren, 2025 waren es 8,8 m².Im längeren Vergleich liegt die Leistbarkeit weiterhin unter dem Niveau von 2010. Seither haben sich die Immobilienpreise mehr als verdoppelt, die Nettoeinkommen legten im selben Zeitraum um 73 % zu. Für eine 100 m²-Eigentumswohnung waren 2025 rund 12,5 Jahresnettoeinkommen erforderlich, für ein 100 m²-Haus 8,5. 2010 lagen die Werte bei 10 bzw. 7,4 Jahreseinkommen, 2022 bei 16 bzw. über 10,5. [Quelle: UniCredit Bank Austria]

🇦🇹 Lebensmittel-Steuersenkung fixiert. Die Regierungsparteien haben die Senkung der Steuer auf 12 Grundnahrungsmittel im Finanzausschuss des Nationalrats fixiert. Ab 1. Juli 2026 fällt der Steuersatz von 10 auf 4,9 %. Das Gesamtgewicht der betroffenen Nahrungsmittel am Verbraucherpreisindex (VPI) beträgt etwa 3 %. Der Budgetdienst des Parlaments erwartet eine jährliche Entlastung zwischen 45 Euro (Einpersonenhaushalt) und 119 Euro (5 Personen). Die Regierung spricht von einer durchschnittlichen Entlastung von 100 Euro pro Jahr. Bei einer vollen Weitergabe der Steuersenkung würde die Inflationsrate um 0,15 Prozentpunkte sinken. Dieser Effekt würde aber spätestens mit Juni 2027 wieder wegfallen. Auch die angekündigte Paketabgabe zur Gegenfinanzierung der Steuersenkung „würde den inflationsdämpfenden Effekt zum Teil wieder aufheben“, so der Budgetdienst.[Quelle: Parlamentskorrespondenz, Budgetdienst | Service: Liste der Lebensmittel / Regierungsvorlage]

🇦🇹 Anhaltender Protest gegen Paketabgabe. Der Handelsverband kritisiert die geplante Paketabgabe von 2 Euro pro Bestellung für Onlinehändler mit über 100 Mio. Euro Umsatz in Österreich. Die Maßnahme richte sich zwar formal gegen Drittstaatenhändler wie u. a. Temu und Shein, treffe in der Praxis aber v. a. österreichische und europäische Händler sowie rund 4.000 KMU, die über Plattformen wie Amazon verkaufen. Laut dem Handelsverband führt die Maßnahme zu Preiserhöhungen, erhöhtem Inflationsdruck und mehr Bürokratie. Zudem bestehen verfassungs- und EU-rechtliche Bedenken. Als Alternative verweist der Handelsverband auf beschlossene EU-Maßnahmen: Ab 1. Juli wird eine EU-weite Abgabe von 3 Euro auf Pakete aus Drittstaaten eingeführt und im November eine Bearbeitungsgebühr von 2 Euro auf Pakete unter dem Wert von 150 Euro aus Drittstaaten. [Quelle: Handelsverband | Reaktion: FPÖ]

🇦🇹 Gesundheitsreform erst Ende 2026. Der Bund drängte beim Thema Gesundheit auf eine „politische Einigung“ im Rahmen der Reformpartnerschaft bis Juni. Bundeskanzler Christian Stocker hat nun davon gesprochen, dass mit Sommerbeginn „in groben Zügen Klarheit über die vorliegenden Konzepte“ herrschen soll, konkrete Ergebnisse aber wohl erst Ende des Jahres erwartet werden. Stocker kündigte eine Strukturreform in Bezug auf Planung, Finanzierung und Steuerung des Gesundheitssystems an, wofür verschiedene Modelle erarbeitet wurden. Die Steuerungsgruppe der Reformpartnerschaft soll in den nächsten Wochen weitere Schritte vereinbaren. [Quelle: APA via Medienberichte]

🇦🇹 Regierung erhöht Pflegegeld auch 2027. Sozialministerin Korinna Schumann hat angekündigt, dass auch im kommenden Jahr eine Wertanpassung des Pflegegeldes vorgenommen werden soll. Trotz der geplanten Sparmaßnahmen im Zuge der Budgetsanierung habe man die Erhöhung um rund 120 Mio. Euro sichern können. Für 2026 gab es wie bei den Pensionen eine inflationsbedingte Anpassung um 2,7 %. Im März lag die Zahl der Pflegegeld-Bezieher bei 505.999 und damit um 1,6 % über dem Niveau des Vorjahres. Erstmals wurde die Schwelle von 500.000 Anspruchsberechtigten im Mai 2025 überschritten. Laut einer Prognose des Wifo wird die Zahl der Pflegegeld-Bezieher bis 2050 auf 731.550 steigen. [Quellen: APA via Medienberichte, Wifo-Prognose | Reaktionen: SPÖ, Pensionistenverband, Behindertenrat, Behindertenverband | Grafik: Eine halbe Million Pflegegeld-Bezieher]

🇦🇹 E-Auto-Zulassungen gestiegen. Im April entfiel bereits mehr als ein Viertel (25,9 %) der Pkw-Neuzulassungen auf rein batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge. Die größte Gruppe machten Benzin-Elektro-Hybridfahrzeuge mit einem Marktanteil von 36,8 % aus. Die Neuzulassungen von Benzinern (23,1 %) und Diesel (9,7 %) waren weiter rückläufig. Insgesamt wurden im April 2026 um 10,7 % mehr Pkw zugelassen als im Vorjahresmonat. [Quelle: Statistik Austria | Kommentar: „Elektrisch fahren – wann, wenn nicht jetzt?“]

🇪🇺 EU will Abhängigkeit bei kritischen Medikamenten reduzieren. Das EU-Parlament und Verhandler des Rats haben sich auf eine vorläufige Einigung zum Critical Medicines Act geeinigt. Ziel ist es, Lieferengpässe bei Arzneimitteln wie u. a. Antibiotika, Insulin und Impfstoffen zu verringern und die Abhängigkeit von Drittstaaten zu reduzieren. Vorgesehen sind strategische Industrieprojekte zum Ausbau der Produktion in der EU sowie eine Bevorzugung von EU-Herstellern bei öffentlichen Beschaffungen. Auf Antrag von mindestens 5 Mitgliedstaaten muss die EU-Kommission zudem eine gemeinsame Beschaffung einleiten. Laut EU-Kommission gehen über 50 % der gemeldeten Engpässe auf Produktionsprobleme zurück. Die Einigung muss noch formell von Parlament und Rat bestätigt werden. [Quelle: EU-Parlament | Reaktionen: Pharmig, FCIO | Service: Kritische Arzneimittel, Critical Medicines Act]

🇩🇪 Deutsche Inflationsrate auf höchstem Stand seit Anfang 2024. Im April ist die deutsche Inflationsrate auf 2,9 % gestiegen und erreicht damit den höchsten Stand seit Jänner 2024. Im März lag sie bei 2,7 %, im Februar bei 1,9 %. Im Vormonatsvergleich stieg der Verbraucherpreisindex um 0,6 %. Vor allem die Preissteigerungen bei den Kraftstoffen seien für die Konsumenten spürbar, so die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes Ruth Brand. [Quelle: Statistisches Bundesamt]

🇺🇸 US-Inflationsrate auf 3,8 % gestiegen. Im April ist die US-Inflationsrate im Jahresvergleich auf 3,8 % gestiegen, nach 3,3 % im März. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Preise saisonbereinigt um 0,6 %. Der Energiepreisindex legte um 3,8 % zum Vormonat zu und machte über 40 % des Gesamtanstiegs aus. Die Kerninflation stieg im Vormonatsvergleich um 0,4 % und im Vorjahresvergleich um 2,8 %. [Quelle: Bureau of Labor Statistics]

Selektive Agenda:

Heute, Nikosia: Informelle Tagung der Energieminister (letzter Tag) [Info]

Heute, Paris: IEA veröffentlicht „Monatsbericht Ölmarkt“

Heute, Peking: US-Präsident Donald Trump in China (bis 15.5.)

10:00 Uhr, Wien: Ministerrat

11:00 Uhr, Luxemburg: Eurostat veröffentlicht die „Industrieproduktion März“ und das „Eurozone-BIP 1. Quartal“

Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️

Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.

Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.

Selektives Networking:

Jobwechsel und Karriereschritte:  Christian Teichmann ist der neue CFO und COO von froots. Katharina Klement übernimmt interimistisch die Direktion von Wiener Wohnen. Beatrix Karl wurde als Vorsitzende der AQ Austria bestätigt, Martin Rummel bleibt ihr Stellvertreter und Doris Hattenberger ist die neue Vorsitzende der Generalversammlung. Mathis Fister ist neuer Partner bei Haslinger / Nagele Rechtsanwälte.

Geburtstage: Wir gratulieren Senta Berger, Jazz Gitti, Robert Stajic und Marlene Svazek zum Geburtstag. Morgen haben Karl-Markus Gauß, Wilhelm Molterer, Martin Kušej, Volker Piesczek, Birgit Denk und Aakriti Chandihok Geburtstag.

Sehen & gesehen werden:

17:00 Uhr, Wien: Townhall Digitalstandort Österreich – quo vadis?“ u. a. mit Alexander Pröll, Lukas Enzersdorfer-Konrad, Rudolf Krickl und Marcin Kotlowski im Headquarter von kununu [Info]

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