Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing am Wochenende! Heute zusammengestellt und editiert von Maximilian Kern und Driss Schmid – wir melden uns aus Wien.
Heute mit Tipps für das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien von Politikern, CEOs und Ökonomen. Wir wünschen ein spannendes Spiel!
Editor’s Note: Mehr Arbeit? Die AK hat Angst vor dem Aufschwung
von Sara Grasel
Dieser Tage wurde in Österreich wieder viel über Verteidigung geredet. Nicht über unsere eigene, sondern die der anderen natürlich. Darf, soll, kann Österreich wirtschaftlich davon profitieren, dass sich andere Länder um ihre Sicherheit kümmern? Das größte Hemmnis dafür ist interessanterweise im Strafgesetzbuch zu finden. Der Paragraf §320 stellt die Unterstützung von im Krieg befindlichen Ländern unter Strafe und ist so breit gefasst, dass Bankmitarbeiter zurecht Sorge haben. Strafbar könnte theoretisch schon die Finanzierungszusage für Stahl sein, der in einem anderen Land in einem Rüstungsgut verwendet wird, das schließlich in der Ukraine landet. Dieser Paragraf wurde jedoch zum Schirmherren der heimischen Neutralität hochstilisiert und die ist heilig. Der Wirtschaftsminister hat dennoch einen Vorschlag gemacht, wie man hier für mehr Rechtssicherheit sorgen könnte – SPÖ-Justizministerin Anna Sporrer hat vorsorglich abgewinkt.
Die SPÖ und ihre Vorfeldorganisationen fremdeln offenbar überhaupt mit der Vorstellung, dass wir uns an die Fersen dieses Aufschwungs heften sollten. Unternehmen in diesem Bereich würden meist gar keine neuen Arbeitsplätze schaffen, wenn sich die Auftragsbücher füllen, sagte Valentin Wedl von der AK Wien dem profil. Stattdessen herrscht die Sorge, dass jemand mehr arbeiten müssen könnte, wenn es den Unternehmen wirtschaftlich besser geht. Und das ist ja nun wirklich eine rote Linie, wo kämen wir da hin, wenn wir uns unseren Aufschwung selbst erarbeiten müssten? Also: Milliardeninvestitionen aus ganz Europa warten auf unsere Exporte, aber die AK hat Angst vor Überstunden, also besser keine Chancen ergreifen.
Schauen wir uns die “Kriegstreiberei” mal näher an. Am größten ist das Exportvolumen im Dual-Use-Bereich. Das sind Waren oder Software, die eigentlich in anderen Bereichen eingesetzt werden, aber eben auch in Rüstungsgütern. Zum Beispiel Motoren, Stahlteile, Sensoren oder Leiterplatten. In diesem Bereich hat Österreich im 1. Halbjahr 2026 ein Volumen von 308 Mio. Euro exportiert bzw. für den Export genehmigt – durchaus ausbaufähig. Bei Rüstungsgütern waren es 1,7 Mrd. Euro – darunter fallen z. B. Gewehre für Biathleten oder Jäger. Nicht inkludiert ist dabei Kriegsmaterial im engeren Sinn – dafür ist nicht das Wirtschaftsministerium zuständig, sondern das Innenministerium. Rund 20.000 Menschen arbeiten in Österreich in der Verteidigungsindustrie oder bei deren Zulieferern. 3,3 Mrd. Euro werden jährlich in der Branche erwirtschaftet.
Grafik: USA dominieren Österreichs Rüstungsexporte
Weil sich gerade viele Länder um ihre eigene Sicherheit kümmern, werden die Investitionen auch im eher unverfänglichen Dual-Use-Bereich stark ansteigen. In der EU sind die Ausgaben dafür in den letzten Jahren im zweistelligen Prozentbereich gestiegen und werden das wohl noch eine Weile tun. Österreich hat gute Motoren, gute Halbleiter und gute Stahlteile. Wir verkaufen sie gerne ins Ausland, auch wenn sich die Rahmenbedingungen dafür verschlechtert haben, denn dort besteht Bedarf. Und ja, genau so entstehen Arbeitsplätze. Und selbst wenn nicht, dann werden so vorhandene Arbeitsplätze gesichert. Gut bezahlte, wohlgemerkt, die Löhne sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Keine Ahnung, wodurch Herr Wedl glaubt, dass Arbeit entsteht. Mit Exporthürden und Work-Life-Balance braucht er sich jedenfalls bald keine Sorgen mehr machen, dass sich in diesem Land viele Menschen überarbeiten. Sie werden sich dann eher wieder um eine sinkende Anzahl an Jobs reißen.
News – was Sie seit dieser Woche wissen müssen:
🇪🇺 EU-Emissionshandel: Reduktionspfad gestreckt, Gratiszertifikate verlängert. Die EU-Kommission senkt den jährlichen Reduktionsfaktor für Emissionszertifikate auf 3,7 % für 2031–2035 und 1,7 % für 2036–2040. Ab 2036 dürfen zusätzlich bis zu 2 % internationale Klimazertifikate zur Erfüllung angerechnet werden. Die Gratiszuteilung von Zertifikaten für Unternehmen soll über 2030 hinaus bestehen bleiben und an Dekarbonisierungsinvestitionen gekoppelt werden, für Sektoren mit CO2-Grenzausgleich wird das Auslaufen der Gratiszuteilung bis 2038 verlängert. Parallel entsteht ein mit 100 Mrd. Euro dotierter Investitionsfonds für die Dekarbonisierung der Industrie, dessen erste Phase bereits vor 2030 verfügbar sein soll. Mitgliedstaaten müssen künftig 50 % ihrer nationalen Einnahmen aus dem Emissionshandel in die Dekarbonisierung der betroffenen Sektoren investieren. [Quellen: EU-Kommission – Übersicht, Q&A, Factsheet | Reaktionen: BMWET, SPÖ, FPÖ, Die Grünen, IV, WKÖ, Wb, FCIO]
🇦🇹 Wifo: Inflation dürfte im Juli wieder anziehen. Die Entspannung bei der Teuerung im Juni dürfte laut Wifo-Ökonom Josef Baumgartner nur kurz anhalten. Der wieder aufgeflammte Irankrieg habe die Treibstoffpreise im Juli erneut nach oben getrieben, Diesel liege zuletzt wieder über 1,90 Euro je Liter. „Im Juli werden wir aus Treibstoffen und Mineralölprodukten höhere Inflationsbeiträge bekommen“, so Baumgartner. Die Annahme, die Inflation habe im Mai mit 3,7 % ihren Höhepunkt erreicht, sei damit hinfällig. Die weitere Entwicklung hänge vor allem vom Verlauf des Irankriegs ab, insbesondere davon, wie viel Öl- und Gasinfrastruktur zerstört werde und wie es mit der Straße von Hormus weitergehe. [Quelle: APA via Medienberichte]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,973 Euro für Diesel (+6,5 % seit Montag) und 1,853 Euro für Benzin (+4,6 % seit Montag). Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im September lag gestern Abend bei 88,26 Dollar, ein Anstieg um 11,5 % seit Montagfrüh. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Freitagabend bei 58,88 Euro pro MWh – ein Anstieg um rund 19 % im Wochenverlauf. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis]
🇦🇹 Heuer bereits 2 Mrd. Euro an Rüstungsexporten – Rechtsrahmen für Gegengeschäfte bis Jahresende. Das Wirtschaftsministerium hat neue Zahlen zu Österreichs Rüstungsexporten veröffentlicht: Im 1. Halbjahr 2026 gab es 1.041 Exportanträge mit einem möglichen Auftragswert von 2 Mrd. Euro, davon sind rund 1,5 Mrd. Euro bereits genehmigt. Verteidigungsgüter wie Pistolen machen 649 Anträge (1,7 Mrd. Euro) aus, Dual-Use-Güter wie Sensoren oder Laser 392 Anträge (308 Mio. Euro); Vergleichszahlen zum 1. Halbjahr 2025 liegen nicht vor, im Gesamtjahr 2025 waren es 3,9 Mrd. Euro genehmigte Exporte. Größtes Zielland war 2025 mit Abstand die USA (1,4 Mrd. Euro Antragsvolumen), mehr als das Fünffache der übrigen Top-5-Länder zusammen, wie eine Selektiv-Grafik zeigt. Das Wirtschaftsministerium will zudem die Ausfuhrregeln für Verteidigungs- und Dual-Use-Güter vereinfachen und bis Jahresende einen Rechtsrahmen für sogenannte Gegengeschäfte schaffen. Geplant sind eine unabhängige staatliche Stelle nach dänischem Vorbild sowie transparente, öffentlich zugängliche Musterverträge; zum Zug kommen sollen vor allem Unternehmen aus Weltraum- und Luftfahrttechnologie, deren Produkte in Leonardos Lieferketten passen. Erste Geschäfte sollen bereits 2027 unter Dach und Fach sein. [Quelle: BMWET, Selektiv-Grafik]
Fußball-WM Finale 2026 – Spanien : Argentinien
Wie tippen Politiker, CEOs und Ökonomen?
Christian Stocker, Bundeskanzler – Argentinien gewinnt mit einem Tor Vorsprung
Aurora Mejía, Spanische Botschafterin – 1:0
Alexander Pröll, Staatssekretär im Bundeskanzleramt – 2:1
Marco Porak, CEO IBM Österreich – 3:1
Alexander Mülhaupt, CEO Roche Austria – 3:1
Jesús Crespo Cuaresma, Ökonom – 3:1
🇦🇹 Bundeskanzler sieht Behaltefrist als Chance für nachhaltiges Pensionssystem. Nachdem Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl die Behaltefrist für Wertpapiere wieder ins Spiel gebracht hat, erhält sie Rückendeckung von Bundeskanzler Stocker. „Wenn wir uns unser Pensionssystem ansehen, sehe ich im Kapitalmarkt eine große Chance ganz sicher für die zweite und dritte Säule – im kleinen Umfang auch für die erste Säule“, so Stocker zu Selektiv. Er sieht darin eine Möglichkeit, das Pensionssystem nachhaltig abzusichern: „Wenn wir uns dem Kapitalmarkt wirklich widmen würden, könnten wir viele dieser Fragen lösen“. Die Behaltefrist sei jedenfalls „wert, besprochen zu werden“. Das Büro des Finanzministeriums verweist auf Nachfrage von Selektiv darauf, dass eine steuerliche Begünstigung von Wertpapiergewinnen nicht Teil des Regierungsprogramms ist. Die Industriellenvereinigung betonte in einer Reaktion, dass eine Behaltefrist und steuerliche Anreize ein wichtiger Schritt zur Attraktivierung der dritten Pensionssäule wären. [Quellen: Interview Stocker, BMF auf Nachfrage, IV]
💡 Wachstumspotenzial fällt auf unter 1 %. Das IHS erwartet in seiner am Donnerstag präsentierten Mittelfristprognose, dass das Produktionspotenzial (jenes Wachstumstempo, das die heimische Wirtschaft bei Normalauslastung von Arbeit und Kapital erreichen kann) von 0,85 % im Jahr 2026 auf 0,75 % im Jahr 2030 sinkt, im Schnitt 0,8 % pro Jahr. Grund ist vor allem der demografisch bedingt schrumpfende Beitrag des Arbeitsvolumens. Damit wächst auch das reale BIP trotz Nachholeffekten nur noch um durchschnittlich 1,0 % pro Jahr, nach 1,9 % im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Beim Budget rechnet das IHS für 2028 mit einem Defizit von 3,6 % des BIP und liegt damit anders als das Finanzministerium weiterhin über der Maastricht-Grenze von 3 %. Auch 2029 und 2030 sollen mit 3,5 % bzw. 3,6 % darüber liegen. IHS-Chef Holger Bonin führte die Abweichung zum BMF auf unterschiedliche Einschätzungen der Maßnahmen und der Konjunkturannahmen zurück; die Konsolidierung selbst bremse das Wachstum kaum, da sie überwiegend einnahmenseitig erfolge. Er kritisierte aber, dass die Demografie bei Pensionen und Gesundheitsausgaben nicht ausreichend berücksichtigt sei, und forderte eine „Reformpartnerschaft 2.0“ von Bund, Ländern, Sozialpartnern, Regierung und Opposition. [Quelle: IHS | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger | Reaktionen: FPÖ, IV, WKÖ, Wb]

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Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
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🇦🇹 Wehrdienst-Reform: Stocker hofft auf Lösung bis Sommerministerrat. Neos-Klubchef Yannick Shetty sagte vergangene Woche im Ö1-Mittagsjournal, die Regierung werde die Verhandlungen zur Wehrdienstreform „jetzt zügig zu einem Ende bringen“, und bat um Geduld; ob die Neos ein mögliches Kompromissmodell mittragen, wollte er mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen nicht kommentieren. Bundeskanzler Christian Stocker bekräftigte im Interview mit Selektiv zwar die Präferenz der Volkspartei für das Kommissionsmodell „8+2″, zeigte sich aber verhandlungsbereit: Da weder eine Alleinregierung noch eine Zweidrittelmehrheit vorliege, brauche es einen Kompromiss – etwa das ebenfalls von der Wehrdienstkommission vorgeschlagene Modell „6+100″. Wichtig sei nur, sich nicht von den Expertenmodellen zu entfernen. Stocker hofft auf eine Einigung noch im Sommer, „idealerweise“ bis zum Sommerministerrat am 27. Juli; werde der Grundwehrdienst verlängert, müsse auch der Zivildienst entsprechend länger dauern, um das Bundesheer nicht zu schwächen. Einem Freiwilligen-Modell, wie es die Neos mittelfristig favorisieren, erteilte er eine Absage: Angesichts der veränderten Bedrohungslage brauche es verpflichtende Milizübungen. [Quelle: Ö1-Mittagsjournal 11.7. | Selektiv-Interview]
💡 Abgaben in Österreich auf Rekordniveau. Die öffentlichen Abgaben des Bundes steigen 2026 auf 122,1 Mrd. Euro brutto, ein Plus von 87 % seit 2010, als es noch 65,5 Mrd. waren. 2020 brach die Summe coronabedingt auf 81,8 Mrd. ein, seither legte sie um mehr als 40 Mrd. zu. Größte Einzelposten sind Lohnsteuer und Umsatzsteuer mit 38,9 beziehungsweise 41,8 Mrd. Euro, zusammen fast zwei Drittel des Aufkommens. Einkommens- und Vermögensteuern liegen mit 62 Mrd. insgesamt noch vor den Verbrauchs- und Verkehrssteuern mit 57 Mrd., der Abstand schmilzt aber seit 2010 spürbar. Nach Abzug der Länder-, Gemeinde- und EU-Anteile bleiben dem Bund netto 74,3 Mrd. Euro. [Quelle: BMF, via OeNB | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

🇦🇹 Tarifreform soll niedrigere Netzkosten für 3 von 4 Haushalten bringen. Ab 1. Jänner 2027 zahlen laut E-Control 75 % der Stromkunden weniger fürs Netz. Kleine Haushalte sparen bis zu 31 %, Haushalte mit Wärmepumpen-Heizung bis zu 12,4 %. Für E-Auto-Besitzer, die ihr Fahrzeug zuhause mit voller Leistung aus dem öffentlichen Netz laden, wird es bis zu 21 % teurer. Hintergrund ist die Einführung des sogenannten Leistungspreises: Dabei richten sich die Netzkosten stärker danach, wie viel Strom ein Haushalt auf einmal bezieht und nicht mehr nach der verbrauchten Gesamtmenge. „Gewinner ist, wer einen konstanten Verbrauch hat. Mehrkosten entstehen bei Spitzen relativ zum Verbrauch“, so E-Control-Vorstand Michael Strebl. [Quelle: E-Control | Interview: E-Control-Vorstand Haber zu Stromspeichern: „Anfragen übersteigen den Bedarf massiv“]
🇦🇹 Immo-Investitionen im 1. Halbjahr eingebrochen. Österreichische Immobilien-Investments erreichten im 1. Halbjahr laut CBRE ein Transaktionsvolumen von rund 1 Mrd. Euro, ein Rückgang von 31 % gegenüber dem Vorjahr und 27 % unter dem Fünfjahresschnitt. Internationale Investoren trugen 53 % des Volumens (Vorjahr: 35 %) und dominierten vor allem größere Deals. Das Wohnsegment brach um rund 80 % ein, da Renditeerwartungen nicht erfüllbar sind. Im 2. Quartal führten Retail (32 %) und Hotels (31 %) den Markt an. „Wir sehen aber eine gut gefüllte Pipeline größerer Transaktionen. Die Kombination aus steigender internationaler Nachfrage und einer zunehmenden Marktaktivität stimmt uns für die zweite Jahreshälfte optimistisch“, so Manuel Bugl, Head of Capital Markets bei CBRE Österreich. [Quelle: CBRE]
🇦🇹 Kosten für Sozialversicherung um 7,5 % gestiegen. Die Sozialversicherungskosten für die Heilmittelversorgung lagen 2025 bei 4,9 Mrd. Euro. Das entspricht einem Anstieg um 7,5 % seit 2024 und um 88,2 % seit 2013. Diese Zahlen gehen aus dem gestern präsentierten Heilmittelreport 2026 des Dachverbands der Sozialversicherungsträger hervor. Pro Bezieher lagen die Kosten bei rund 800 Euro (+11 % seit 2024). Haupttreiber seien das steigende Preisniveau der Verordnungen und die alternde Bevölkerung. Neu zugelassene Medikamente sind in Österreich rasch verfügbar: 82 % der 2020 bis 2023 in Europa zugelassenen Heilmittel gibt es bereits hierzulande, womit Österreich hinter Deutschland und Italien auf Platz 3 liegt. Die pharmazeutische Industrie kritisiert, dass der Report nur die Kosten, nicht den Nutzen der Medikamente zeige. „Dabei entstehen die wahren Kosten erst dort, wo wirksame Therapien fehlen“, so Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs. [Quelle: SV Dachverband | Reaktion: ÖGK, FCIO]
🇪🇺 EU-Kommission legt Pläne zur Stärkung des Bankensektors vor. Die Kommission hat ein Strategiepapier zur Wettbewerbsfähigkeit des EU-Bankensektors vorgelegt. Bankengruppen sollen Kapital und Liquidität EU-weit dorthin verschieben können, wo sie produktiver eingesetzt werden können, ohne die Finanzierung vor Ort zu schwächen. Ein neuer, gemeinsamer Einlagensicherungsmechanismus in der Bankenunion soll Ersparnisse künftig besser absichern. Zudem will die Kommission prüfen, ob die EU bei der Umsetzung internationaler Eigenkapitalvorschriften (Basel III) die Kreditvergabe von Banken unnötig einschränkt. Weitere Punkte sind vereinfachte Regeln für Eigenkapital und Abwicklungsverfahren, auch für kleinere Institute. Die Kommission will im 1. Quartal 2027 ein Gesetzespaket vorlegen. [Quelle: EU-Kommission | Reaktion: SPÖ]
🇪🇺 EU-Kommission: 46 % Elektrifizierung bis 2040 als Richtwert. Vor dem Hintergrund geopolitischer Veränderungen, vergleichsweise hohen Energiekosten und dem Ziel, unabhängiger von Energieimporten zu werden, formuliert die EU-Kommission nun das Ziel, bis 2040 den Anteil der Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Gebäuden auf 46 % zu erhöhen. Derzeit liegt der Anteil von Strom am Gesamtendverbrauch in der EU bei 23 %. Durch die Erhöhung soll der Strompreis künftig sinken, ab 2040 sollen zudem jährlich 260 Mrd. Euro an Importkosten für fossile Energieträger eingespart werden. Bis 2030 soll das Preisverhältnis zwischen Strom und Gas für Haushalte auf höchstens das 2,5-fache und für die Industrie auf das 2-fache sinken. [Quellen: EU-Kommission – Q&A, Factsheet | Reaktionen: BMWET, WKÖ]
🇦🇹 🇪🇺 Österreichische Banken bei EZB-Pilot zum digitalen Euro. Die EZB hat 36 Zahlungsdienstleister für das Pilotprojekt zum digitalen Euro ausgewählt, aus über 50 Bewerbungen. Aus Österreich sind RBI und Bawag dabei, international u. a. Deutsche Bank und UniCredit. Der Pilot startet in der zweiten Jahreshälfte 2027 für zwölf Monate bei der EZB und 19 nationalen Zentralbanken und testet eine Beta-Version ohne Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Eine offizielle Einführung ist frühestens 2029 zu erwarten. [Quelle: EZB]
🇩🇪 2025 baute deutsche Industrie 177.000 Stellen ab. Im vergangenen Jahr wurden in der deutschen Industrie 177.000 Arbeitsplätze gestrichen. Damit waren zu Jahresende insgesamt 6,5 Mio. Menschen in der Industrie beschäftigt. Im Gesamtbild sank die Anzahl der Arbeitsplätze um 108.00. Wachsende Branchen konnten den Abbau in der Industrie nicht ausgleichen. [Quelle: Dt. Arbeitsagentur]
🇺🇸 US-Inflation kühlt überraschend deutlich ab. Die Inflationsrate in den USA sank im Juni auf 3,5 %, nach 4,2 % im Mai und deutlich unter der Erwartung von 3,8 %. Im Monatsvergleich fielen die Preise um 0,4 % – der stärkste Rückgang seit April 2020 –, nachdem sie von April auf Mai noch um 0,5 % gestiegen waren; Grund war vor allem ein starker Rückgang der Energiepreise. Die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) lag bei 2,6 %, ebenfalls unter den Erwartungen und dem Fed-Ziel von 2 % weiterhin klar übergeordnet. Fed-Gouverneur Christopher Waller hatte tags zuvor noch gewarnt, bei anhaltend hoher Inflation könnte eine straffere Geldpolitik nötig werden – die überraschend schwachen Zahlen dürften diese Sorge nun dämpfen. Die US-Notenbank hatte den Leitzins bei ihrer letzten Sitzung Mitte Juni unverändert bei 3,50 bis 3,75 % belassen; die nächste Zinsentscheidung fällt Ende Juli. [Quellen: Bureau of Labor Statistics, Fed, Pressemitteilung: Zinsentscheid]
🇦🇪 🌐 Neuer Hafen in VAE soll Straße von Hormus umgehen. Der globale Hafenbetreiber DP World plant laut einem Bericht der Financial Times den Bau eines neuen Hafens in Fujairah am Golf von Oman, an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Der neue Hafen soll eine Ausweichmöglichkeit zur Durchfahrt der Straße von Hormus auf dem Weg zum Hafen Jebel Ali vor Dubai schaffen. Durch die Sperrung der Straße von Hormus ist die Aktivität in Jebel Ali um 90 bis 95 % zurückgegangen. DP World wollte gegenüber der Financial Times keine Einzelheiten zum Projekt bestätigen, erklärte aber, man arbeite an Plänen zur Diversifizierung, um die Auswirkungen der aktuellen Störungen abzufedern. [Quelle: Financial Times]
Wochenendprogramm:
Meistgelesener Kommentar der Woche. Georg Renner: „Das Problem der Liberalen heißt nicht Dengler“ [Hier lesen]
Meistgelesenes Interview der Woche. Lars Feld: „Dieses Niveau der Lohnkosten ist nicht durchhaltbar“ [Hier lesen]
Long Read I. Österreichs Wachstumspotenzial fällt auf ein 1 %. Bis 2030 wird die heimische Wirtschaft stagnieren, prognostiziert das IHS. [Hier lesen]
Long Read II. Bis 2100 soll die EU-Bevölkerung um etwa 11,7 % schrumpfen. Von 2029 bis 2100 fällt die EU-Bevölkerung um 11,7 % auf 398,8 Mio., wie der aktuelle Demography Report 2026 der EU-Kommission zeigt. [Hier lesen]
Long Read III. Österreichs Automobilzulieferindustrie wäre laut einer Fraunhofer-Studie vom EU-Automotive-Paket von allen EU-Staaten am stärksten betroffen. [Hier lesen]
Journal zu Gast. Mit ehem. Fußball-Nationalteamspieler und Erfolgstrainer Peter Stöger [Samstag, 12:00 Uhr, Ö1]
Pressestunde. Sommerpause [Sonntag, 11.05 Uhr, ORF 2]
Kulinarisches Briefing
11. Juli bis 17. Juli
Business-Lunch-Geheimtipps gesucht? Ein Überblick über die wichtigsten Restaurantkritiken und kulinarischen Neuigkeiten der Woche. – von Dominik Futschik
Diesmal im Briefing: Speisen, wo einst Napoleon nächtigte, österreichische Klassiker als koreanisches Designerfood mit dem womöglich besten Sauerteigbrot des Kontinents und „Mexikos Antwort auf die Käsekrainer“.
Jetzt jeden Samstag im Weekender!
Nächste Woche auf der Agenda:
Politik Österreich. Am Mittwoch startet der dreitägige Salzburg Summit u. a. mit Antony Blinken, Justin Trudeau Wolfgang Hattmannsdorfer, Georg Knill, Michael Höllerer, Magnus Brunner, Karoline Edtstadler, Sabine Mauderer und Claudia Bauer, Eva-Maria Holzleitner und Alexander Pröll, Monika Köppl-Turyna, Markus J. Beyrer.
Politik international. Am Montag beginnt ein zweitägiger informeller EU-Ministerrat zum Thema „Wettbewerbsfähigkeit“ in Dublin u. a. mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner.
Daten und Fakten. Am Dienstag veröffentlicht die Industriellenvereinigung (IV) ihre vierteljährliche Konjunkturumfrage. Am Donnerstag hält die EZB eine Zinssitzung ab. Außerdem präsentiert die EU-Kommission die Vorabschätzung des Verbrauchervertrauens in der Eurozone für Juli. Am Freitag veröffentlicht die Statistik Austria Tourismuszahlen zu den Ankünften und Nächtigungen im Juni.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Montag.
Selektives Networking:
Aufsteiger und Umsteiger der Woche. Erich Schaflinger wird ab Oktober neuer Vorstandsvorsitzender der Krankenanstaltengesellschaft Steiermark. Katarzyna Krzyzanowska-Mittermayer leitet seit Mai die Medizinfakultät der SFU. Martina Gruber, Mario Schlächter und Martin Knobloch sind neue Partner bei PwC Österreich. Gerald Loacker wurde als österreichisches Mitglied des Europäischen Rechnungshofs (ERH) in Luxemburg bestätigt. Ernst Kernmayer übernimmt mit 1. August die Leitung des ORF-Büros in Paris. Gerhard Dafert verlässt das Vorstandsteam der NÖ Landesgesundheitsagentur; seine Agenden übernehmen Elisabeth Bräutigam und Bernhard Kadlec. Claudia Memminger ist neue Geschäftsführerin von Emmi Österreich. Isabel Rippel-Schmidjell hat die Geschäftsführung der Österreichischen Plattform Patientensicherheit übernommen.
Spotted. Bei dem AmCham Summer BBQ am Cobenzl wurden am Donnerstag u. a. gesehen: Art Fisher, Marco Porak, Christopher Drexler, Martin Eichtinger, Christoph Hermann uvm.
Am Programm. Heute findet am Linzer Domplatz im Rahmen des Open-Air-Festivals „Klassik am Dom“ ein Konzert von Tom Jones statt. Darüber hinaus werden die Salzburger Festspiele mit der Wiederaufnahme-Premiere von „Jedermann“ eröffnet. Am Sonntag wird das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Spanien und Argentinien ausgetragen.