Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing am Wochenende! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern, Yannic Haimeder und Driss Schmid – wir melden uns aus Wien.
Editor’s Note: Die Behaltefrist in der Echokammer
von Sara Grasel
Diese Woche haben sich die Blicke geopolitisch interessierter Österreicher nach Salzburg gerichtet. Dort standen im Rahmen des Kongresses Salzburg Summit spannende Persönlichkeiten wie Antony Blinken oder Justin Trudeau auf der Bühne, um globale Entwicklungen einzuordnen. Trudeau griff auch einen bisher wenig beleuchteten Aspekt des Phänomens der Echokammern auf. Sie kennen das: Insbesondere auf Social Media bewegt man sich – ob freiwillig oder nicht – früher oder später in einer Blase gleichgesinnter Meinungen, in die Argumente von außen so gut wie gar nicht mehr eindringen. Dieses Muster ist dem Internet aber längst entwachsen und verunmöglicht zunehmend offene politische Debatten. Dass sich Debatten unterschiedlicher Ideologien auf einer geteilten und unumstrittenen Faktenbasis entwickeln, gehört der Vergangenheit an. Politik findet nur noch in Echokammern statt, jede mit eigenen Fakten und Argumenten und immer weniger Verbindungen zur „anderen Seite“.
Alle News und Bilder vom Salzburg Summit
„Compromise has become a dirty word. So much easier to stand in your principles and say, this is what I believe, this is who I am, I’m going to cross my arms and stand in my principles and be super strong. That’s not strength“, sagt Trudeau, ohne vielleicht zu ahnen, wie recht er damit derzeit in Österreich hat. Das, was die Regierung als Kompromisse verkauft, sind „this for that“-Abtausche ideologisch getriebener Wünsche. Ein sinnloser Markteingriff da, dafür eine härtere Asylpolitik dort – Zähneknirschen auf beiden Seiten. Wenn politische Debatten in Echokammern bleiben, dann gehen sie entweder in Erfüllung oder nicht. Soll heißen: Es wird nicht mehr an echten Kompromissen gearbeitet, die solche Wünsche formen, bis sie für alle in Ordnung sind. Wie sehr wir uns von diesem Kompromiss-Prinzip entfernt haben, zeigt zum Beispiel die Wehrpflicht-Debatte wie durch ein Brennglas.
Und dann gibt es Wünsche, die ihre jeweilige politische Echokammer offenbar gar nicht mehr verlassen können. Ein solcher ist in der aktuellen Regierungskonstellation die Behaltefrist. Eigentlich ja gar kein emotionales Thema, könnte man meinen. Es geht einfach darum, jungen Menschen, die ihr Geld zur Vorsorge langfristig anlegen wollen – etwas risikoreicher, dafür mit höherer Rendite –, die Erträge aus dieser Anlage nicht wieder wegzunehmen. Derzeit langt der Staat nämlich mit 27,5 % zu. Eine Behaltefrist würde dafür sorgen, dass die Erträge nach einer bestimmten Zeit, in der nicht verkauft werden darf, steuerfrei sind. Bis 2011 gab es eine einjährige Behaltefrist in Österreich. Abgeschafft wurde sie unter der Regierung Faymann I (ÖVP-SPÖ) als Teil eines Sparpakets infolge der Finanzkrise. Die SPÖ feierte damals, vermögensbezogene Steuern durchgesetzt zu haben.
Kein Wunder also, dass die Behaltefrist – so sinnvoll sie gerade in der Debatte um die Altersvorsorge junger Menschen ist – in der Echokammer der ÖVP gefangen ist. Von Barbara Eibinger-Miedl vor zwei Wochen als Sommerthema ins Rennen gebracht, wird seither ausschließlich von Parteikollegen darüber gesprochen. Daran glauben, dass die Behaltefrist auch nur eine Chance hat, diskutiert zu werden, tut eh niemand. Ohne Diskussion über die Parteigrenzen hinaus, ohne Empathie für die Gegenseite – nicht zu verwechseln mit blinden Zugeständnissen –, wird es natürlich schwierig mit dem Kompromiss. Das gilt für beide Seiten.
Hattmannsdorfer: Behaltefrist wäre „volkswirtschaftlich kluge Entscheidung“
Oder wie es Trudeau ausdrückt: „Strength is saying, this is my position, I see your position, can we find something that might be acceptable to both of us? But that requires dialogue, it requires empathy, it requires an ability to listen to each other. And that’s what, over the past dozen years or so, modern technology has done a really good job of scrubbing out of people.“
News – was Sie seit dieser Woche wissen müssen:
🇦🇹 Ruck aus ÖVP ausgeschlossen. Die ÖVP hat Walter Ruck Freitagabend einstimmig aus der Partei ausgeschlossen. Der Chef der WKW und des Wiener Wirtschaftsbundes war nach der Veröffentlichung von Gesprächsprotokollen unter Druck geraten. Die Aussagen seien nicht mit den Werten und der Weltanschauung der ÖVP vereinbar, so die Partei. Ruck habe keine Bereitschaft an einer Aufarbeitung oder Klärung gezeigt. Ruck hatte noch vor dem Ausschluss in einem internen Schreiben verkündet, im Falle eines Ausschlusses dennoch nicht zurücktreten zu wollen. Die WKW will eine Berufung gegen den Ausschluss prüfen. [Quellen: ÖVP auf X, APA via Medienberichte | Reaktionen: Neos, Grüne, Unos]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update – Ölpreis gibt leicht nach. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,059 Euro für Diesel (+4,3 % seit Montag) und 1,894 Euro für Benzin (+2,5 % seit Montag). Auf die Frage, ob die Regierung den Margeneingriff bei Mineralölunternehmen wieder aktivieren wird, antwortet Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer im Selektiv-Interview: „Ich bin grundsätzlich kein Freund von Markteingriffen sondern Befürworter einer liberalen Marktwirtschaft“, man beobachte die Situation aber täglich sehr genau. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im September lag gestern Abend bei 98,70 Dollar, ein Plus von 9,4 % seit Wochenanfang. Zwischenzeitlich ist der Ölpreis diese Woche über 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Freitagabend bei 63,0 Euro pro MWh – ein Plus von 4,6 % seit Montag. Der Großhandelspreisindex für Strom steigt im August im Monatsabstand um 19,5 % auf 116,79 Euro pro Megawattstunde (MWh). Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt der Index um 43,6 % höher. Bei Gas steigt der Großhandelspreis im Monatsabstand um 10,2 % auf 52,56 Euro/MWh – ein Anstieg von 38,7 % zum Vorjahresmonat. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis, Austrian Energy Agency, Interview Hattmannsdorfer]
🇦🇹 Am Montag soll das neue Wehrpflicht-Modell verkündet werden. Die Koalition möchte die Einigung auf ein neues Wehrpflicht-Modell am Montag beim Sommerministerrat präsentieren, welches Modell es wird, ist aber noch offen. Im Selektiv-Interview zeigte sich Bundeskanzler Christian Stocker zuversichtlich, dass bis Montag eine Lösung gefunden werde. Die ÖVP stehe klar für das „8+2“-Modell, sei aber auch offen für einen Kompromiss, der auf 6 Monate Grundwehrdienst und 100 Tage Milizübungen hinauslaufen könnte. Auch die Verhandlungen zum Zivildienst laufen über das Wochenende weiter: Die ÖVP möchte den Wehrersatzdienst von 9 auf 12 Monate verlängern, was die Neos ablehnen, die SPÖ bringt stattdessen ein Modell mit 9 Monaten plus verpflichtenden Übungen ins Spiel. Auch nach einer Koalitionseinigung wäre für die Zivildienst-Reform eine Zweidrittelmehrheit im Parlament nötig, also Stimmen mindestens einer Oppositionspartei. [Quellen: Stocker-Interview]
💡 Österreich Schlusslicht bei Entwicklung der Privatvermögen. Das nominale Pro-Kopf-Nettovermögen der Haushalte sank in Österreich 2025 um 3,8 %, während es weltweit im Schnitt um über 9 % zulegte. Das zeigt der „Global Balance Sheet“-Report des McKinsey Global Institute, der 22 Volkswirtschaften vergleicht. Auch in Finnland, Deutschland, Portugal und Frankreich schrumpfte das Vermögen, doch nirgends so stark wie in Österreich. An der Spitze lagen Polen sowie die USA und Australien mit den höchsten Zuwächsen. Hauptursache für den Rückgang war laut Report der anhaltende Wertverlust bei Immobilien, die in Europa den Großteil des Haushaltsvermögens ausmachen. Der 2025 gegenüber dem Dollar erstarkte Euro federte das Minus in der Dollar-Statistik zudem ab – in heimischer Währung fiel der Rückgang real also noch deutlicher aus. [Quelle: McKinsey Global Institute | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

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🇦🇹 IV ortet „Wellblech-Konjunktur“, Konjunkturbarometer sinkt auf 4,9 Punkte. Das IV-Konjunkturbarometer ist im 2. Quartal 2026 von 11,5 auf 4,9 Punkte gesunken und liegt damit nur noch „geringfügig“ über dem Stagnationsniveau. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage fiel von 8 auf 5 Punkte, die Geschäftserwartung ging von 15 auf 4 Punkte zurück. Am ungünstigsten sind laut der IV die Beschäftigungsaussichten, was auf hohe Lohnstückkosten zurückzuführen ist. Nur noch jedes 12. Unternehmen wolle den Beschäftigtenstand aufstocken, mehr als jedes 4. müsse Personal abbauen. Die Behaltefrist für Wertpapiere hält die IV weiter für essentiell, als realistische Haltedauer nannte Chefökonom Christian Helmenstein 6 bis 12 Monate. Mit dem von Bundeskanzler Christian Stocker anvisierten und vom IHS erwarteten Wachstum von 1 % ist die IV unzufrieden und verweist auf ein Potenzialwachstum von 1,3 bis 1,4 %. „Wir müssen unbedingt wieder einen Zweier vor dem Komma sehen“, so Helmenstein. [Quelle: IV – Pressekonferenz, Aussendung | Reaktion: FPÖ]
🇦🇹 47 % der Haushalte aus ausgewählten Fluchtherkunftsländern nicht selbsterhaltungsfähig. Rund 47 % der knapp 103.000 österreichischen Haushalte mit mindestens einer Person mit Flüchtlingsstatus, subsidiärem Schutz oder laufendem Asylverfahren aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Tschetschenien (Russische Föderation) oder Somalia gelten als nicht selbsterhaltungsfähig, in Wien liegt der Anteil bei rund 75 %. Das geht aus einer Auswertung von Statistik Austria im Auftrag des Integrationsministeriums hervor, die der Krone vorliegt. Selbsterhaltungsfähig ist ein Haushalt, wenn sein Einkommen aus Erwerbsarbeit, Kranken-, Wochen- oder Arbeitslosengeld sowie Pensionen über dem gesetzlichen Existenzminimum liegt. Bei Haushalten ohne zugewanderte Personen aus einem der 6 genannten Herkunftsländer liegt die Selbsterhaltungsfähigkeit je nach Bundesland zwischen 90 und 93 %, in Wien bei rund 86 %. Die Familienbeihilfe wurde nicht stberücksichtigt. [Quellen: Kronen Zeitung, Statistik Austria – Selbsterhaltungsfähigkeit | Kommentar: Danke für dieses Argument]
Salzburg Summit Briefing: „Our capitalist world is coming with an increased responsibility“
Am 2. Kongresstag des Salzburg Summit 2026 erteilte der ehemalige kanadische Premier Justin Trudeau einem EU-Beitritt Kanadas augenzwinkernd eine Absage und verwies auf die europäische Entscheidungsbürokratie. Als Beispiel nannte er das Handelsabkommen CETA, das nach über zehn Jahren noch immer nicht von allen EU-Mitgliedstaaten ratifiziert sei. Eine engere Partnerschaft mit der EU auf dem Niveau der Schweiz oder Norwegens sei dagegen ein sinnvolles Ziel. Kanada und Europa müssten enger zusammenhalten, wenn sie die regelbasierte Weltordnung bewahren wollten.
Trudeau sieht die Welt am Ende einer langen Phase globaler Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwungs. Die dadurch entstehende Verunsicherung treffe vor allem junge Menschen, die erstmals damit rechnen, es nicht mehr besser zu haben als ihre Eltern. Das erzeuge Misstrauen, verstärkt durch Filterblasen und faktenfreie politische Debatten. Trudeau beendete seinen Vortrag mit einem Appell an die Gäste, die politische Verantwortung nicht allein den Regierungen zu überlassen. „There is an understanding that in our capitalist world that has created so much freedom, so much opportunity, so much wealth, it is now coming with an increased responsibility to sustain those opportunities“, so Trudeau.
🇦🇹 Bauwirtschaft erreicht 2026 Tiefpunkt, Wohnungsneubau bleibt schwach. Österreichs Bauwirtschaft dürfte 2026 mit einem Volumen von voraussichtlich 51,7 Mrd. Euro ihren Tiefpunkt erreichen, ein kräftiger Aufschwung ist laut der EY-Parthenon-Bauprognose aber nicht in Sicht. Seit 2021 (58,7 Mrd. Euro) hat der Markt real knapp 12 % an Volumen verloren. Bis 2028 wird ein Anstieg auf 52 Mrd. Euro erwartet. Im Neubau ging das reale Bauvolumen EY zufolge zwischen 2021 und 2025 um durchschnittlich 5,8 % pro Jahr zurück, besonders im Wohnungsneubau. Dort scheitern viele Projekte nicht an fehlender Nachfrage, sondern an ihrer Wirtschaftlichkeit. Zudem verzögern hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie unsichere Erlöse Investitionsentscheidungen. Die Zahl der Baubewilligungen im Wohnbau lag 2025 bei rund 11.000, nach 23.000 im Jahr 2021. [Quellen: EY]
🇦🇹 PV-Förderung soll geändert werden. Energiestaatssekretärin Elisabeth Zehetner kündigt für Oktober eine Novelle der bisherigen Photovoltaik-Förderung an. Beim letzten Fördercall waren die Mittel nach 33 Sekunden erschöpft. Zehetner will „keine Lotterie“ mehr und künftig stärker Batteriespeicher statt PV-Anlagen fördern. Auch „Made in Europe“ soll bei der Förderung berücksichtigt werden. Den Forderungen der PV-Branche nach einer Senkung der Mehrwertsteuer erteilt die Staatssekretärin aber eine Absage, das sei eine „Gießkannenförderung“. Die Branche soll beim Erarbeiten des neuen Fördermodells aber aktiv eingebunden werden. Verbund-Chef Michael Strugl würde ein generelles Ende der PV-Förderung begrüßen: „Photovoltaik auf dem Hausdach braucht keine Förderung mehr“, so Strugl zu den SN. [Quellen: ORF, PV Austria, SN]
💡 Alterssicherung wächst in Österreich schneller als Investitionen. Seit 2010 stieg der Anteil der Alterssicherung am BIP um 1,7 Prozentpunkte, umgerechnet auf das heutige BIP rund 8,4 Mrd. Euro zusätzlich. Die staatlichen Investitionen legten im selben Zeitraum um 0,6 Prozentpunkte zu. Erstere umfasst die reinen Pensionsausgaben, ohne Gesundheitsleistungen, Letztere die Bruttoanlageinvestitionen des Staates in Straßen, Gebäude und Ausrüstung. Im EU-Schnitt fällt der Abstand schwächer aus (+0,4 zu −0,1 %-Punkte), in Schweden dreht sich das Bild sogar um: Dort wuchsen die Investitionen stärker als die Alterssicherung. [Quelle: Eurostat | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

🇪🇺 EZB: Leitzins bleibt bei 2,25 %. Die EZB verzichtet vorerst auf eine weitere Zinserhöhung und hält den Einlagenzinssatz bei 2,25 %. „Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch, und die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation sind noch nicht vollständig zum Tragen gekommen“, heißt es im Beschluss des EZB-Rats. Im Juni hatte die Notenbank den Leitzins wegen der vom Irankrieg getriebenen Öl- und Gaspreise erstmals seit 3 Jahren angehoben. Die Inflation im Euroraum ging zuletzt zwar auf 2,8 % zurück, bleibt damit aber über dem Ziel von 2 %. Künftige Zinsentscheidungen will die EZB datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung treffen. Viele Beobachter rechnen nach dem jüngsten Energiepreisanstieg mit einer Anhebung auf 2,5 % im September. [Quellen: EZB, Handelsblatt, Reuters]
🇪🇺 🇦🇹 EU-Automarkt wächst – Nachfrage nach Hybrid-Elektroautos am größten. Die Pkw-Neuzulassungen in der EU stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 5,7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hybridfahrzeuge blieben mit einem Marktanteil von 37,3 % die meistgewählte Antriebsart, mit Zuwächsen u. a. in Italien (+23 %) und Spanien (+20,8 %). Batterieelektrische Autos legten auf 20,7 % zu (Vorjahr: 15,6 %), getrieben von Frankreich (+62,9 %) und Deutschland (+48 %). Plug-in-Hybride stiegen auf 9,8 % (8,5 %). Der gemeinsame Anteil von Benzin- und Dieselfahrzeugen sank auf 29,7 % (37,8 %), mit den stärksten Rückgängen bei Benzin in Frankreich (−34,2 %), Spanien (−18,5 %) und Deutschland (−18,2 %). In Österreich entfielen 34,4 % der Neuzulassungen auf Benzin- und Dieselfahrzeuge, 30,2 % auf Hybridfahrzeuge, 24,3 % auf batterieelektrische Autos und 11 % auf Plug-in-Hybride. [Quelle: Acea]
🇪🇺 EU-Kommission möchte Methanverordnung umsetzen. Die EU-Kommission hat zwei Empfehlungen zur EU-Methanverordnung vorgelegt, eine zu Compliance-Lösungen für Importeure, eine zweite zu Sanktionen: Für 2027 bis 2029 sollen Strafen bei Nichteinhaltung ausgesetzt werden, während die Pflichten selbst bestehen bleiben. Hintergrund sei die durch die Blockade der Straße von Hormus angespannte Lage auf den globalen Energiemärkten, die rund 20 % des weltweiten LNG-Handels und Ölverbrauchs betreffe. Österreichs Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner kritisierte den Vorschlag als unzureichend: Leitlinien seien kein Ersatz für eine verbindliche Verschiebung der Importpflichten, unterschiedliche nationale Auslegungen drohten einen „Fleckerlteppich“ bei den Sanktionen zu schaffen. Österreich hat sich gemeinsam mit anderen Mitgliedstaaten für eine verbindliche dreijährige Verschiebung der Importpflichten ausgesprochen. [Quellen: EU-Kommission, BMWET]
🇩🇪 Deutsche Regierung beschließt Startup- und Scaleup-Strategie. Damit Startups in der Wachstumsphase den Standort Deutschland nicht verlassen, legt die deutsche Bundesregierung nun ein Strategiepapier vor. Darin sind 8 Handlungsfelder definiert, die Startups u. a. dabei helfen sollen, zu skalieren, Zugang zu mehr Risikokapital zu bekommen, bürokratische Vorgänge zu reduzieren. Zudem soll der Transfer von Forschung in die Praxis gefördert werden. Im Zusammenhang mit dem Bürokratieabbau wird die Umsetzung des einheitlichen europäischen Rechtsrahmens EU Inc. bis zum Jahresende gefordert. Ein weiterer Fokus liegt auf Startups und Scaleups aus der Verteidigungsbranche, für die der Zugang zu öffentlichen Aufträgen einfacher gestaltet werden soll. [Quelle: Übersicht, Startup-Strategie]
🇺🇸 🌐 USA verhängen neue Zölle über 60 Handelspartner. Die US-Regierung hat mit Verweis auf die mangelnde Durchsetzung von Verboten für Zwangsarbeit neue Zölle auf Waren aus 60 Handelspartnern verhängt, darunter auch die EU. Für die EU sowie für u. a. Taiwan, Japan, Südkorea und der Schweiz wird der neue Zoll so bemessen, dass er zusammen mit den bereits bestehenden Einfuhrzöllen einen Gesamtsatz von 10 % oder 12,5 % ergibt, je nach Warengruppe. Die Maßnahme trat zeitgleich mit dem Auslaufen des befristeten globalen 10-%-Zolls in Kraft, der 150 Tage gegolten hatte. „Die EU nimmt positiv zur Kenntnis, dass dieses Ergebnis im Einklang mit den im EU-US-Joint-Statement vereinbarten Zollzusagen steht“, so der Handelssprecher der EU-Kommission, Olof Gill. Für die EU werde damit ein „all-inclusive“ Zollsatz von 10 % etabliert, und zusätzliche Ausnahmen für EU-Waren wie Kork und Diamanten würden wieder eingeführt — zusätzlich zu den bestehenden für Flugzeuge und Teile, Generika und Wirkstoffe. [Quellen: US-Regierung, EU-Kommission]
🌐 Weltbank warnt vor globalem Wachstumseinbruch. Bei einer weiteren Eskalation des Irankriegs könnte das globale Wachstum heuer auf 1,3 % sinken, warnt Weltbank-Chefökonom Indermit Gill. Im Vorjahr ist die Weltwirtschaft um 2,9 % gewachsen, für 2026 wurden bisher 2,5 % prognostiziert. Halte der Konflikt ein halbes Jahr oder länger an, könnte zudem die Inflationsrate auf 4,5 % steigen und folglich auch die Zinsen. Ein längerer Konflikt und Schäden an der Öl-Infrastruktur der Region würden außerdem die Ernährungssicherheit verschärfen, da Lieferungen von Düngemitteln und anderen Agrargütern unterbrochen würden. [Quelle: Reuters]
Wochenendprogramm:
Meistgelesener Kommentar der Woche. Markus Hengstschläger: Die Diskussion über das österreichische Gesundheitssystem einmal anders [Hier lesen]
Meistgelesenes Interview der Woche. Barbara Kolm: „Die ganzen Preisdeckel sind anmaßend“ [Hier lesen]
Long Read I. EcoAustria – Wertschöpfungswirkungen der pharmazeutischen Industrie in Österreich [Hier lesen]
Long Read II. Startup- und Scaleup-Strategie der deutschen Bundesregierung [Hier lesen]
Long Read III. IWF – Austria: Financial System Stability Assessment [Hier lesen]
Journal zu Gast. Karin Bergmann, Interimsintendantin der Salzburger Festspiele [Samstag, 12:00 Uhr, Ö1]
Nächste Woche auf der Agenda:
Politik Österreich. Am Montag findet in der Schwarzenbergkaserne in Wals-Siezenheim (Salzburg) der Sommerministerrat statt. Zudem empfängt Bundeskanzler Christian Stocker den griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis bei den Salzburger Festspielen.
Politik international. Am Donnerstag stimmt der UNO-Sicherheitsrat erstmals über den neuen UNO-Generalsekretär ab.
Daten und Fakten. Am Montag veröffentlicht die EZB die „Geldmengenentwicklung im Euroraum: Mai 2026“. Am Dienstag folgt der Arbeitsmarkt-Kompass von Marketagent. Am Mittwoch legt Statistik Austria die Konjunkturstatistik (Industrie und Bau) für April vor. Zudem präsentiert Zivildienstministerin Claudia Bauer die neuesten Zahlen und aktuellen Entwicklungen im Zivildienst. Weiters veröffentlichen die UniCredit Bank Austria den Einkaufsmanagerindex für Juli und die Ärztekammer die Ärztestatistik. In Washington wird der Zinsbeschluss der US-Notenbank Fed präsentiert. Am Donnerstag veröffentlicht Statistik Austria den Erzeugerpreisindex für den Produzierenden Bereich im Juni. Die Chemische Industrie (FCIO) präsentiert „Die neue Industrierealität – Zukunftsperspektiven für den Chemiestandort Österreich“. Eurostat legt das Eurozone-BIP für das 2. Quartal (1. Veröffentlichung) sowie die EU-Arbeitsmarktdaten für Juni vor, die EU-Kommission das Wirtschafts-, Industrie- und Verbrauchervertrauen im Juli für die Eurozone. Das Wifo veröffentlicht den Konjunkturtest Juni. Am Freitag folgt die Schnellschätzung zum Verbraucherpreisindex Juli von Statistik Austria, Eurostat veröffentlicht die Eurozone-Verbraucherpreise Juli (Vorabschätzung).
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Aufsteiger und Umsteiger der Woche. Ingrid Halamka ist die neue Präsidentin des Biosimilarsverbands Österreich (BiVÖ). Lorenz Mayr wird mit Dezember 2026 der neue Präsident der Landwirtschaftskammer. Frédéric Nalis wird ab 15. September neuer CEO der Vorarlberger Käserei Rupp. Daniela Urban wurde als Vizepräsidentin des Bundesverwaltungsgerichts nominiert. Kerstin Schorn übernimmt die Geschäftsführung von Takeda Pharma Österreich. Armin Rauscher wird CTO, Sandra Naverschnigg Bereichsleiterin für Finanzen und Controlling der Austria Email AG. Yannic Haimeder ist neuer Redakteur bei Selektiv. Umbau in der deutschen Bundesregierung: Die deutsche Gesundheitsministerin Nina Warken soll Thorsten Frei als Kanzleramtschefin nachfolgen, ihren Posten wiederum soll CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann übernehmen. Thorsten Frei soll Jens Spahn als Fraktionsführer der Union im deutschen Bundestag nachfolgen. Philipp Amthor, bislang parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium, soll Staatsminister im Kanzleramt mit Zuständigkeit für die Bund-Länder-Beziehungen werden. Verkehrsminister Patrick Schnieder wurde entlassen, ein Nachfolger wurde bisher noch nicht verkündet. Nach Informationen der Presse soll Maria Ulmer die Finanzchefin des Bundesrechenzentrums werden, ihren Posten als Budget-Sektionschef im Finanzministerium soll Stefan Imhof übernehmen.
Am Programm. Heute lädt Sebastian Kurz im Rahmen der Salzburger Festspiele zu „Schinkenfleckerl & Gin Tonic“ ins Café Bazar in Salzburg. Am Sonntag werden um 11 Uhr in der Salzburger Felsenreitschule die Salzburger Festspiele 2026 eröffnet, mit Festrednerin Maria Kalesnikava sowie u. a. Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger.