Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing am Wochenende! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel und Maximilian Kern – wir melden uns aus Wien.
Heute mit WM-Tipps für das Match Algerien-Österreich von Ministern, CEOs und Ökonomen. Wir wünschen ein spannendes Spiel!
Editor’s Note: Der beispiellose Aufstieg des Arbeitskreises
von Sara Grasel
Der Arbeitskreis ist eigentlich eine gelebte politische Praxis, um nichts weiterzubekommen. Dass Deutschland genau mit dieser Methode diese Woche eine Pensionsreform angestoßen hat, bei der es österreichischen Politikern die Ohren anlegt, ist fast so überraschend wie es ein Österreich-Sieg gegen Argentinien gewesen wäre. Auf der Reformagenda stehen so ziemlich alle Dinge, die hierzulande als politisch unmöglich gelten: ein Pensionsalter, das mit der Lebenserwartung steigt – langfristig auf 70 –, eine kapitalgedeckte Betriebspension, das Aus der Frühpension. Ob sich das alles wirklich genauso umsetzen lässt, ist zwar noch offen, aber es lohnt ein Blick darauf, wie es überhaupt zu dem Commitment von CDU-Kanzler und SPD-Arbeitsministerin gekommen ist.
Grafik: Österreichs Pensionisten auf Platz 2 bei Kaufkraft
Der dafür eingesetzte Arbeitskreis war je zur Hälfte mit CDU-nahen und SPD-nahen Experten besetzt. Der Deal war: Was in dieser Alterssicherungskommission zu einer Einigkeit führt, setzen wir um. Friedrich Merz nahm das wörtlich, erklärte die 33 Empfehlungen zum Gesamtkunstwerk und will sich sofort an die Umsetzung machen. So schlecht der Ruf des Arbeitskreises auch ist: ohne Expertenkommission fällt es der Politik nunmal zunehmend schwer, große Strukturreformen anzugehen. Auch der Hartz-Reform in Deutschland ging eine solche Expertenrunde voran. In Österreich scheint dieses Erfolgsmodell allerdings noch seltener zu funktionieren als bei den Deutschen. Man nehme nur die Wehrdienstkommission. Die setzte sich zusammen aus WKÖ, IV, Landwirtschaftskammer, AK, ÖGB, AMS und Militär- sowie Milizexperten. Die kommen zu einem Schluss und empfehlen eine Verlängerung des Wehrdienstes und verpflichtende Milizübungen – ein Konsens offenbar weit über ideologische Grenzen hinweg. Aber nicht über partei-ideologische. Statt zu sagen, das machen wir jetzt, geht unsere Regierung in den Lähmungszustand. Für dieses Ergebnis der Expertenkommission wurde man schließlich nicht gewählt, denken sich SPÖ und Neos offenbar.
Interview: „Neutralität hat sich seit ihrer Entstehung erheblich verändert“
Grafik: Pensionszuckerl in Milliardenhöhe
Österreich wird immer mehr zur reform-resistenten Insel, zumindest, wenn es um die richtig großen Brocken geht. Wenn Merz es gelingt, diese stellenweise vielleicht schmerzhafte Rentenreform gegen alle Widerstände, die sich bereits am Tag nach der Ankündigung auch in der Regierung formiert haben, durchzusetzen, wäre das bemerkenswert, aber nicht beispiellos, wie ein Blick nach Norden zeigt. 2090 liegt der Renteneintritt dann zwar vielleicht bei 90, aber 90 ist dann schließlich auch etwas ganz anderes als heute, wie Holger Bonin in einem Interview mit Selektiv sagte, das am Montag an dieser Stelle erscheint. In Österreich kann man dann hoffen, dass man privat gut vorgesorgt hat, obwohl die heimische Politik die Beteiligung am Kapitalmarkt auch nicht gerade fördert.
[Weitere Infos und Quellen: Empfehlungen der deutschen Alterssicherungskommission, Neos, SPÖ, FPÖ, IV, ÖGB, Gpa, Pro-Ge]
News – was Sie seit dieser Woche wissen müssen:
🇦🇹 Budget: Rechnungshof und Experten fordern Strukturreformen, Marterbauer zuversichtlich. Der Rechnungshof kritisiert in seinem Bundesrechnungsabschluss 2025 den Mangel an Strukturreformen im Doppelbudget in den Bereichen Gesundheit, Pflege, Pensionen, Bildung, Energie und Förderungen. Im Budgethearing des Parlaments vermissten auch alle 5 geladenen Experten langfristig wirksame Strukturreformen in denselben Bereichen sowie beim Föderalismus. Christoph Badelt sprach von „Bauchweh“ angesichts fehlender struktureller Änderungen, Martin Gundinger geht davon aus, dass die Budgetzahlen nicht halten. Finanzminister Marterbauer zeigte sich hingegen zuversichtlich: Das 3-%-Defizitziel 2028 sei erreichbar, die Erreichung hänge jedoch von der Konjunktur ab. [Quelle: Rechnungshof, Parlament – Hearing I, Hearing II | Reaktion: FPÖ]
🇦🇹 EABG und Budgetmaßnahmengesetz final beschlossen. Der Bundesrat hat das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit beschlossen. Die Planungsinstrumente traten am Freitag in Kraft und ab dem 1.1.2027 gilt das überragende öffentliche Interesse für erneuerbare Anlagen, Netze und Speicher. Genehmigungen sollen nach dem Prinzip „ein Verfahren, eine Behörde, ein Bescheid“ schneller abgewickelt werden, teilt das Wirtschaftsministerium mit. Außerdem wurde das Budgetmaßnahmengesetz mehrheitlich verabschiedet. Durch dieses Bündel an Gesetzesänderungen erhofft sich die Bundesregierung Einsparungen von 100 Mio. Euro bis 2030, u. a. durch neue Gebühren für Aufenthaltstitel und eine höhere Wegzugsbesteuerung. Das Paket enthält zudem die Fortführung der steuerfreien Mitarbeiterprämie, die von 1.000 auf 500 Euro halbiert wird. [Quelle: Parlament – EABG, Budgetmaßnahmengesetz, BMWET]
🇦🇹 🌐 Energiepreis-Update und Versorgungssicherheit. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 1,728 Euro für Diesel und 1,662 Euro für Benzin. Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im August lag gestern bei Handelsschluss bei 73,08 Dollar, ein Minus von 2,9 % im Tagesabstand. Der Gaspreis laut dem für die EU richtungsweisenden Terminkontrakt lag Freitagabend bei 41,48 Euro pro MWh – ein Anstieg um 2,7 %. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sieht eine deutliche Entspannung bei der Versorgungssicherheit bei Sprit, Öl und Gas. Die kommerziellen Diesellager in Österreich stiegen im April 2026 gegenüber März deutlich an (+36 %) und lagen damit rund 30 % über dem mehrjährigen April-Durchschnitt. Die Kerosinlager stiegen im Mai gegenüber April um rund 56 % auf einen Mai-Höchstwert im Betrachtungszeitraum 2021–2026. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis, Aussendung BMWET | Reaktion: WKÖ]]
Fußball-WM 2026: Algerien – Österreich
Wie tippen Minister, CEOs und Ökonomen?
Peter Hanke, Verkehrsminister – 1:2
Christoph Wiederkehr, Bildungsminister – 1:2
Philipp Mayer, Vorstandsmitglied Valida – 1:2
Leonhard Schitter, CEO Energie AG – 1:2
Thomas Hofer, Politikberater – 1:2
Holger Bonin, Direktor IHS – 1:0
Harald Oberhofer, Wifo-Ökonom – 0:2
🇦🇹 Lohntransparenz frühestens im Herbst. Anfang Juni hat Arbeitsministerin Korinna Schumann einen Entwurf zur Umsetzung der EU-Lohntransparenz in die Koordinierung mit den anderen Regierungsparteien geschickt – einen Tag bevor die Umsetzungsfrist der EU dazu ablief. Gespräche gab es dazu jedoch noch keine und vor der Sommerpause wird wohl auch nichts mehr weitergehen. Man warte noch ab, bis ÖVP und Neos ihre Rückmeldungen formuliert haben und starte dann im Sommer Verhandlungen, hieß es aus dem Ministerium auf Selektiv-Nachfrage. Man gehe davon aus, im Herbst einen Beschluss erzielen zu können. Aus der Wirtschaft gab es zuletzt massive Kritik am Entwurf der Arbeitsministerin, da er an einigen Stellen über die EU-Vorgaben hinausgeht und eine zusätzliche bürokratische Belastung erwarten lässt. Gleichzeitig zweifeln Ökonomen wie Monika Köppl-Turyna daran, dass der erwartete Effekt, den Gender-Pay-Gap zu reduzieren, damit erreichbar ist. Die Neos übten bereits massive Kritik an dem Entwurf und forderten einen Aufschub (Stop-the-clock) auf EU-Ebene. Gleichzeitig sei das Arbeitsministerium noch bei der Umsetzung von Maßnahmen aus dem Entbürokratisierungspaket von Dezember säumig und schon allein deshalb nicht der richtige Moment für zusätzliche Bürokratie. Auch bei einem Arbeitsrechtspaket gehe seit Monaten nichts weiter, erklärte Neos-Sprecher für Arbeit und Soziales, Johannes Gasser auf Selektiv-Nachfrage. [Quellen: Arbeitsministerium zu Selektiv, Neos-Gasser zu Selektiv, Interview Köppl-Turyna | Grafik: Lohntransparenz: Gut gemeint ist nicht gut gemacht]
💡 Österreichs Zinsausgaben verdreifachen sich bis 2030. Laut Fiskalrat steigen die Zinsausgaben von 4,3 Mrd. Euro im Jahr 2022 bis 2030 auf 13,5 Mrd. Euro, die Zinsquote von 1,0 % auf 2,3 % des BIP. Haupttreiber sind die hohen Budgetdefizite der vergangenen Jahre sowie der Umstand, dass auslaufende Anleihen aus der Niedrigzinsphase nun zu deutlich höheren Zinssätzen neu aufgenommen werden müssen. Mit durchschnittlich 10,4 % pro Jahr wachsen die Zinsausgaben im Prognosezeitraum schneller als jede andere Ausgabenkategorie und engen den budgetären Spielraum ein, zumal gleichzeitig Ausgaben für Pensionen, Gesundheit sowie Investitionen in Bundesheer und Schieneninfrastruktur stark ansteigen. [Quellen: Fiskalrat, Statistik Austria | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
Der Link wechselt jeden Freitag.
🇦🇹 Steuersenkung auf Lebensmittel wird „vollständig und unmittelbar“ weitergegeben. Mit 1. Juli wird die MwSt auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 % gesenkt. Der Lebensmittelhandel werde die Senkung ab Tag 1 zu 100 % an die Konsumenten weitergeben, so der Handelsverband. Die Umstellung habe rund 6 Mio. Euro gekostet und umfangreiche Anpassungen in Warenwirtschafts-, Kassen- und Abrechnungssystemen erfordert, die innerhalb von rund 2 Monaten umgesetzt wurden. Welche Produkte begünstigt sind, richtet sich nach der zolltariflichen Einreihung laut UStG-Novelle vom 21. Mai. Daraus ergeben sich Abgrenzungen, z. B. ist Naturjoghurt begünstigt, Fruchtjoghurt je nach Zusammensetzung nicht. [Quellen: BMF, Handelsverband]
🇦🇹 Einschränkung der Altersteilzeit fixiert. Künftig wird der staatliche Lohnausgleich für Arbeitnehmer, die vor der Pension ihre Arbeitszeit reduzieren, gedeckelt: Die Bemessungsgrundlage für das Altersteilzeitgeld wird auf maximal 75 % der sozialversicherungsrechtlichen Höchstbeitragsgrundlage (derzeit rund 5.200 Euro) begrenzt. Die Maßnahme soll 2027 85 Mio. Euro einsparen, 2028 173 Mio. und 2029 249 Mio. Euro. Notwendig wurden die Einsparungen, weil sich die Sozialpartner nicht auf alternative Kürzungen beim sogenannten „Zwischenparken“ von Arbeitskräften beim AMS einigen konnten, so Neos-Sozialsprecher Johannes Gasser. Die Maßnahmen sollen per Abänderungsantrag im Budgetbegleitgesetz Anfang Juli im Nationalrat beschlossen werden. [Quellen: APA via Medienberichte]
🇦🇹 KV-Verhandlungen im Hotel- und Gastgewerbe ohne Abschluss. Arbeitgeber und Gewerkschaft konnten sich nicht auf einen neuen Kollektivvertrag für das Hotel- und Gastgewerbe einigen. Das Letztangebot der Arbeitgeberseite vom 29. Mai sah u. a. eine durchschnittliche Erhöhung der KV-Mindestlöhne um 3 % sowie 3,4 % für die unterste Lohngruppe vor. Die Gewerkschaft lehnte das Angebot ab und fordert weiterhin einen vollen Inflationsausgleich. Eine anschließend durchgeführte Mitgliederbefragung sprach sich ebenfalls gegen das Angebot aus. Die WKÖ zweifelt an deren Aussagekraft, da die Online-Befragung öffentlich zugänglich war und mehrfache Teilnahmen nicht ausgeschlossen werden konnten. Einen neuen Verhandlungstermin gibt es noch nicht, die Gewerkschaft signalisiert jedoch Bereitschaft zur Weiterverhandlung. [Quellen: WKÖ – Juni, Mai; ÖGB – Juni, Mai, Forderung]
🇦🇹 Wifo/IHS-Sommerprognose: Verhaltener Aufschwung, sinkende Realeinkommen. Wifo und IHS haben ihre Sommerprognose vorgelegt: Das reale BIP soll 2026 um 0,9 % (Wifo) bzw. 0,8 % (IHS) wachsen, nach 0,8 % im Vorjahr. 2027 erwarten die Institute 1,1 % bzw. 1,0 % Wachstum – etwas mehr als OeNB (0,6 % / 1,1 %) und Raiffeisen Research (0,7 % / 1,0 %). Basis der Aufwärtsrevision ist eine Datenkorrektur der Statistik Austria: Das BIP 2025 war um 0,2 Prozentpunkte stärker gewachsen als bisher ausgewiesen. Hauptbelastung bleibt der Irankrieg, der die Straße von Hormus seit Ende Februar blockierte und die Energiepreise unter Druck hält. Die Inflation dürfte 2026 auf 3,0 % (IHS) bzw. 3,2 % (Wifo) steigen, 2027 auf 2,3 % bzw. 2,4 % zurückgehen. Die Realeinkommen sinken 2026 das zweite Jahr in Folge: Laut Wifo bleiben die Lohnsteigerungen pro Kopf rund 0,75 Prozentpunkte hinter der Inflationsrate zurück. Das gesamtstaatliche Defizit soll 2026 bei 4,0 % bis 4,1 % des BIP liegen und 2027 auf 3,7 % sinken – beides über der Maastricht-Grenze und über den Planwerten des Finanzministeriums. Die Schuldenquote steigt bis 2027 auf rund 84 % des BIP. [Quellen: IHS, Wifo, OeNB, Raiffeisen Research | Reaktionen: ÖGB, FPÖ, AK | Grafik: Defizit: Fiskalrat und Regierung uneins | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

🇦🇹 🇪🇺 Österreich und 16 weitere EU-Staaten fordern Verschiebung der Methanverordnung. Die Importbestimmungen der Methanverordnung seien so streng, dass Importe aus Ländern wie den USA, Algerien und Katar nicht mehr zulässig wären, was einem Entfall von 43 % bei Gas und über 80 % bei Öl entspräche, warnte Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. In einer geopolitisch unsicheren Zeit, in der die Entspannung in der Straße von Hormus nur vorübergehend sein könne, brauche Europa diversifizierte Energieversorgung. „Das können wir uns in dieser Situation nicht leisten“, so Zehetner. Österreich fordert daher gemeinsam mit 16 weiteren EU-Staaten eine Verschiebung der Importregeln um 3 Jahre. Die EU-Kommission müsse über den Sommer nachsitzen und ihre Hausaufgaben erledigen, so Zehetner. [Quelle: Doorstep Zehetner, BMWET | Reaktionen: FPÖ, WKÖ]
🇦🇹 🇪🇺 Zehetner: Grids Package „befriedigend“, Kritik an Energiekrisenmanagement. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner zog beim EU-Energieministerrat in Luxemburg eine gemischte Bilanz. Dem European Grids Package, auf das sich die EU-Mitgliedstaaten am Freitag geeinigt haben, könne Österreich nach erzielten Nachbesserungen zustimmen. Entscheidend sei, dass Österreichs Rolle als Stromtransitland berücksichtigt werde. Die derzeitige jährliche Kompensation von 10 Mio. Euro sei angesichts geplanter Netzausbauinvestitionen von 9 Mrd. Euro bis 2035 zu gering. Beim EU-Umgang mit der Energiekrise infolge der Sperre der Straße von Hormus vergab Zehetner ein „Nicht genügend“: Es fehle ein gemeinsamer Überblick über Ölkapazitäten, Raffinerieauslastung, Ölhäfen und Pipelines. Auch beim Hochlauf des Wasserstoffmarkts zeigte sie sich unzufrieden. [Quellen: Rat der EU, Doorstep Zehetner]
🇪🇺 EZB: Zinsen dürften nochmals angehoben werden. „Aus heutiger Sicht“ müssten die Zinsen im Euroraum weiter angehoben werden, um die Inflation auf den Zielwert von 2 % zu bringen. Dies sagte EZB-Direktorin Isabel Schnabel in einem Interview mit der Zeit. Das Ausmaß und der Zeitpunkt würden von den Entwicklungen im Iran, dem Wirtschaftswachstum und der Inflation abhängen. [Quelle: Die Zeit]
🇪🇺 EU-Kommission legt Steuer-Vereinfachungspaket für Unternehmen vor. Die EU-Kommission hat ein Paket zur Vereinfachung des EU-Steuerrechts verabschiedet, das Unternehmen jährlich rund 8 Mrd. Euro einsparen soll, davon 3,3 Mrd. Euro an Verwaltungskosten. Kernstück ist u. a. eine Befreiung von der Quellensteuer auf grenzüberschreitende Dividenden-, Zins- und Lizenzzahlungen zwischen Unternehmen in der EU, wodurch 5,3 Mrd. Euro pro Jahr eingespart werden sollen. Zudem sollen Doppelregelungen zwischen bestehenden Konzernsteuerregeln und der globalen Mindeststeuer beseitigt werden sowie Meldepflichten für bestimmte grenzüberschreitende Steuergestaltungen reduziert, was das Meldeaufkommen um 35 % senken soll. Bis 2029 will die Kommission den bürokratischen Aufwand für Unternehmen um mindestens 25 % reduzieren, für kleine und mittlere Unternehmen um mindestens 35 % – das entspricht erwarteten Einsparungen von 37,5 Mrd. Euro. Die geplanten Gesetzesänderungen liegen nun dem EU-Parlament zur Beratung vor. [Quellen: EU-Kommission – Übersicht, Steuer-Omnibus | Reaktion: SPÖ]
🇩🇪 2015-2026: BIP wächst real um 9 %, Private Investitionen fallen auf 2015 Niveau. In Deutschland stieg das BIP seit 2015 inflationsbereinigt um 9 %. Dies ist auf den Anstieg des Staatskonsums zurückzuführen (+29 %), denn die privaten Investitionen sind nach einem zwischenzeitlichen Anstieg wieder auf das Niveau von 2015 gesunken. Für Ifo-Institut-Präsident Clemens Fuest ein Zeichen, dass die tatsächliche Lage noch schlimmer ist als angenommen. Wächst der Staatskonsum dauerhaft schneller als die Wirtschaftsleistung, entstehen Haushaltsdefizite, die letztlich durch höhere Steuern gedeckt werden müssen, wodurch sich das Sinken der privaten Investitionen beschleunige. Krisenbedingte Ausgabensteigerungen, wie etwa in der Corona-Pandemie, seien grundsätzlich vertretbar, müssten aber nach Ende der Krise wieder zurückgeführt werden. Fuest fordert daher eine Eindämmung des Staatskonsums und Reformen, die wieder Wirtschaftswachstum ermöglichen. [Quelle: Ifo-Institut]
Wochenendprogramm:
Meistgelesener Kommentar der Woche. Rainer Nowak: „Der Brexit entlässt seinen nächsten Premier“ [Hier lesen]
Meistgelesenes Interview der Woche. Peter Koren: „Neutralität hat sich seit ihrer Entstehung erheblich verändert“ [Hier lesen]
Long Read I. Eco Austria Studie: Energiekosten, öffentliche Abgaben und der Wirtschaftsstandort Österreich [Hier lesen]
Long Read II. Wifo Konjunkturprognose für 2026 und 2027 [Hier lesen]
Long Read III. IfW Kiel – Shorting America: Europas finanzieller Hebel gegenüber den USA [Hier lesen]
Pressestunde. Mit Gerhard Karner, Bundesminister für Inneres [Sonntag, 11.05 Uhr, ORF 2]
Hohes Haus. Über den Vorsitzwechsel im Bundesrat u. a. mit Alma Zadić [Sonntag, 12:00 Uhr, ORF 2]
Das Gespräch. Zum Thema „Politikfrust – Mitte ohne Mehrheit?“ mit Heinz Fischer, Kay-Michael Dankl, Herbert Paierl, Robert Willacker und Katrin Praprotnik. [Sonntag, 22:10 Uhr, ORF 2]
Kulinarisches Briefing
20. Juni bis 26. Juni
Business-Lunch-Geheimtipps gesucht? Ein Überblick über die wichtigsten Restaurantkritiken und kulinarischen Neuigkeiten der Woche. – von Dominik Futschik
Diesmal im Briefing: Wien hat wenige Adressen, die Frühstück, Mittagessen und Abendessen gleichermaßen ernst nehmen. Afghanisch im Gastgarten im Schatten alter Bäume – der ideale Sommerort. Und schließlich ein sorgsam renoviertes Traditionscafe – Puristen wird es trotzdem schmerzen.
Jetzt jeden Samstag im Weekender!
Nächste Woche auf der Agenda:
Politik Österreich. Am Dienstag trifft sich die Steuerungsgruppe der Reformpartnerschaft in Wien. Am Mittwoch findet der Ministerrat statt. Außerdem übernimmt Vorarlberg den Vorsitz im Bundesrat und der Landeshauptleutekonferenz.
Politik international. Am Montag tagt in Luxemburg der EU-Ministerrat zum Thema Sozialpolitik. Am Mittwoch übernimmt Irland die EU-Ratspräsidentschaft.
Daten und Fakten. Am Montag veröffentlicht das Wifo seinen Konjunkturtest für den Juni und die EU-Kommission veröffentlicht Daten zum „Wirtschafts-, Industrie- und Verbrauchervertrauen Eurozone Juni“. Zudem veröffentlicht die Statistik Austria u. a. den „Erzeugerpreisindex Dienstleistungen 1. Quartal 2026“. Am Dienstag präsentiert die Statistik Austria Daten zur Konjunkturstatistik für Industrie und Bau aus dem März 2026, den „Erzeugerpreisindex Produzierender Bereich Mai“, Daten zum Außenhandel 2025, Unternehmensdemografie 2024 und die Frühschätzung zu Industrie und Bau im Mai. Am Mittwoch veröffentlicht das AMS die Arbeitsmarktdaten des Juni. Die Statistik Austria sowie Eurostat veröffentlichen die Schnellschätzungen der Inflationsrate in Österreich bzw. der EU und Eurozone. Außerdem tritt die MwSt.-Senkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel in Kraft. Am Donnerstag veröffentlicht Eurostat die EU-Arbeitsmarktdaten aus dem Mai.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Aufsteiger und Umsteiger der Woche. Rudolf Krickl wurde als CEO von PwC Österreich wiedergewählt. Angela Bachmann ist neue Holcim-Chefin für Österreich und Zentraleuropa. Der Vorstand der Österreichischen Energieagentur (AEA) hat Franz Angerer für eine weitere Funktionsperiode als Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur wiederbestellt. Oliver Gorbach komplettiert per 1. Oktober als Risikovorstand das künftige Geschäftsleitungs- und Vorstandsteam der Raiffeisen NÖ-Wien. Stefanie Christina Huber wurde als Sparkassenverbandspräsidentin wiedergewählt. Dieter Vranckx ist der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Austrian Airlines. Chris Neff ist der neue Geschäftsführer von Merck Österreich. Josef Rieberer ist der neue Präsident des Genossenschaftsverbands. Rene Zonschits ist der neue Klubobmann der SPÖ Niederösterreich. Erwin Tinhof wurde zum neuen Raiffeisen-Generalanwalt gewählt. Manuel Schalk zieht mit dem 1. Juli in den Vorstand der Wiener Städtischen ein.
Am Programm. Heute beginnen die 54. Nestroy Spiele in Schwechat [Info], am Sonntag findet in Spielberg der Formel-1-Grand Prix der Steiermark statt [Info].