Guten Morgen Österreich!
Wir begrüßen Sie bei unserem wirtschaftspolitischen Briefing am Wochenende! Heute zusammengestellt und editiert von Sara Grasel, Maximilian Kern, Yannic Haimeder, David Schima und Driss Schmid – wir melden uns aus Wien.
Editor’s Note: Wir sind schon wieder Schlusslicht
von Sara Grasel
In der Wirtschaft geht es erstaunlich oft um Stimmungen. Es reicht, dass es sich so anfühlt, als würde alles immer teurer werden, und schon geben die Menschen weniger Geld aus. Und natürlich investieren auch Unternehmen nicht, wenn die Stimmung schlecht ist. Und die Stimmung ist schon lange schlecht. Das ist auch kein Wunder: Daheim bringen wir keine substanziellen Entlastungen zu Wege – meist eher das Gegenteil oder unter dem Strich nix. Und jenseits der Grenzen sind Energiepreistreiber, Zollschranken-Aufsteller und Lieferketten-Störer auch nicht gerade hilfreich. Trotzdem gibt es sie, die Optimisten. „Die Zeichen stehen auf Aufschwung“, schreibt Finanzminister Markus Marterbauer euphorisch. Den Aufschwung braucht er dringend, damit das „auf Kante genähte“ Budget nicht schneller platzt, als man Bruttoinlandsprodukt sagen kann.
Die schlechte Nachricht: Es kommt hier kein Aufschwung, der das Defizit schmelzen lässt. Nicht mittelfristig, wie das Potenzialwachstum von unter einem Prozent erahnen lässt und auch nicht kurzfristig. Einen leichten Optimismus verspüren zwar im Juli auch Unternehmen, wie der Einkaufsmanagerindex der Bank Austria diese Woche zeigte, aber Signale, dass wir jetzt durchstarten, sehen anders aus. Es gab im Juli kaum neue Aufträge für die Industrie, vor allem die Aufträge aus dem Ausland sind weiterhin rückläufig. Die Produktionsleistung hat sich nur deshalb leicht erhöht, weil ältere Aufträge abgearbeitet werden, für die man nun vielleicht endlich die dafür notwendigen Materialien bekommen hat. Aus Sorge, dass die Lieferketten wieder schwächeln und die Preise steigen könnten, wurden die Lager vorsorglich mit Vormaterialien gefüllt. Die Unternehmen können die gestiegenen Preise zudem weiterhin nur bedingt weitergeben – Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl rechnet damit, dass sich der Druck auf die Margen weiterhin erhöht. Sprich: Den Unternehmen bleibt immer weniger übrig, um zu investieren. Aus dieser Perspektive muss man ja fast davon ausgehen, dass es nur besser werden kann.
Grafik: Wachstumspotenzial fällt auf unter 1 Prozent
Das alles macht uns schon wieder zum Schlusslicht. Selbst in Deutschland sind die Neuaufträge für die Industrie im Juli gestiegen. Und wenn man auf das 2. Quartal blickt, also jenes, das vom Krieg im Nahen Osten geprägt ist, stellt man fest: Während sich das Wachstum in den Euro-Ländern im Vergleich zum 1. Quartal sogar leicht beschleunigt hat, steht hier für Österreich eine Null. Gemeinsam mit Belgien belegen wir den letzten Platz. Auch wenn die Wirtschaft im Jahresvergleich etwas gewachsen ist – um 0,8 %, aber halt von einem niedrigen Niveau ausgehend – kommen wir gerade ganz und gar nicht in die Gänge. Schweden, Tschechien, Ungarn und viele weitere sind seit dem 1. Quartal gewachsen – Schweden sogar recht kräftig –, Österreich nicht. Im Bau schaut es überhaupt schwierig aus, da zeichnet sich das 8. (!) Rezessionsjahr in Folge ab, wie Raiffeisen-Ökonom Matthias Reith betont. 8 Jahre, in denen die Wirtschaftsleistung in diesem Bereich geschrumpft ist.
Kommentar: Das Wachstum ist zurück, der Rückstand bleibt
Stocker: „Das eine Prozent Wachstum fällt nicht vom Himmel“
Wir haben hier keine kurzfristig durch den Irankrieg gebremste Boomphase. Es ist noch immer eine strukturelle Krise, die nicht von selbst weggeht. Der Staat hat über Jahre hinweg über seine Verhältnisse gelebt, finanziert durch Schulden und durch ein immer stärkeres Zulangen beim Geld anderer für den Aufbau eines beispiellosen Nannystaats, in dem Eigenverantwortung ein Fremdwort ist. Die Abgabenquote und die Schuldenquote sind explodiert, ohne dass etwas substanziell besser geworden ist: Bildung, Gesundheit, Pensionen – alles teure Baustellen. Auch wenn es in der Wirtschaft um die Stimmung geht – Optimismus alleine reicht leider nicht. Sich jetzt zurückzulehnen und zu sagen, die Zeichen stehen auf Aufschwung, das wird schon, ist falsch. Und sich ständig auf Trump und Kriege auszureden, durchschaubar – diese Probleme haben unsere Nachbarländer auch, die allesamt etwas besser vom Fleck kommen.
News – was Sie seit dieser Woche wissen müssen:
🇦🇹 Inflation sinkt, Wirtschaft stagniert. Die Inflationsrate in Österreich lag im Juli laut Schnellschätzung bei 2,7 %, nach 3,2 % im Juni. Gegenüber Juni ging das Preisniveau um 0,1 % zurück. Maßgeblich beigetragen haben dürfte die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von 10 % auf 4,9 % mit 1. Juli. Die heimische Wirtschaftsleistung lag laut Schnellschätzung des Wifo im 2. Quartal 2026 auf dem Niveau des Vorquartals. Im 1. Jahresviertel konnte das BIP real noch um 0,2 % im Quartalsabstand zulegen. Vor dem Hintergrund der gestiegenen Ölpreise infolge des Irankriegs stagnierte die Wertschöpfung in der Industrie, während sie in der Bauwirtschaft weiter sank (-0,4 %). Die Stimmung der Unternehmen bleibt entsprechend verhalten: Im Juli legte der Konjunkturklimaindex des Wifo um 1,3 Zähler im Vergleich zum Vormonat zu, bleibt mit minus 3,8 Punkten aber im negativen Bereich. Auch die aktuellen Lageeinschätzungen und Erwartungen verharren mit minus 3,1 bzw. minus 4,4 Punkten unter der Nulllinie. [Quellen: Statistik Austria, Wifo – BIP, Konjunkturklima | Reaktionen: ÖVP, SPÖ, FPÖ – Inflation, BIP; Die Grünen, Raiffeisen Research, Handelsverband, AK, ÖGB]
🇦🇹 Energiepreis-Update – Spritpreisbremse bis Ende August verlängert. Die mittleren Treibstoffpreise lagen gestern bei 2,059 Euro für Diesel (+1,5 % seit Montag) und 1,871 Euro für Benzin (stabil seit Montag). Der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im September lag gestern Abend bei 90,09 Dollar, ein Plus von rund 2 % seit Wochenanfang. Der Gaspreis laut des für die EU richtungsweisenden Terminkontrakts lag am Freitagabend bei 59,65 Euro pro MWh – ein Anstieg um 2,3 % seit Montag. Die Mineralölsteuer (MÖSt) wird bis Ende August um 1,9 Cent pro Liter Treibstoff gesenkt. Zuletzt hatte die Entlastung 0,8 Cent je Liter betragen. Ein Margeneingriff bleibt weiterhin ausgesetzt. Dieser war bereits mit Juni weggefallen. Erst vergangene Woche hatte sich Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer im Interview mit Selektiv gegen eine erneute Margenbegrenzung ausgesprochen. Staatssekretärin Michaela Schmidt stellte nun jedoch einen Eingriff in die Gewinnmargen in den Raum, sollten die Energiepreise – getrieben durch die Situation im Nahen Osten – wieder steigen. [Quellen: Spritpreise, Ölpreis, Gaspreis, BMWET, Hattmannsdorfer-Interview | Reaktionen: SPÖ, FPÖ, ÖGB]
🇦🇹 Wehrpflicht wird um 3 Monate verlängert, Zivildienst nur freiwillig länger. Die Bundesregierung hat das „6+3“-Modell beschlossen, nachdem sich ÖVP, SPÖ und Neos nicht auf das von der Wehrdienstkommission empfohlene „8+2“-Modell einigen konnten. Ab 1. Jänner 2027 sollen Grundwehrdiener 6 Monate Grundausbildung plus 3 Monate Truppen- und Milizübungen durchlaufen. Die monatliche Vergütung soll um 60 % auf 1.000 Euro steigen. Beim Zivildienst können die bisherigen 9 Monate vorerst auf freiwilliger Basis auf 11 Monate verlängert werden, ab 2028 verpflichtend, sollte die Zahl der Grundwehrdiener (aktuell 15.000) um mehr als 7,5 % sinken. Ohne Verlängerung fehlen ab 2040 laut Ministerin Claudia Bauer jährlich 4.000 Zivildiener. Bauer hält eine verpflichtende Verlängerung bereits ab 2027 für möglich, wofür eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat nötig ist. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner bezifferte die noch nicht budgetierten Mehrkosten des „6+3“-Modells auf 200 bis 250 Mio. Euro, laut Krone bis zu 400 Mio. Euro, und forderte, dass diese nicht zulasten der Investitionen des Bundesheeres gehen dürften. [Quellen: Bundeskanzleramt, Bericht Wehrdienstkommission, Krone, Ö1-Morgenjournal, APA via Medienberichte PK Bauer | Reaktionen: ÖVP, SPÖ, FPÖ, Die Grünen, IV, Rotes Kreuz, Samariterbund, JVP]
🇦🇹 Insolvenz-Entgelt-Fonds: Finanzierungslücke sorgt für Debatte. Ausgelöst durch mehrere Großinsolvenzen sollen die Rücklagen des Insolvenz-Entgelt-Fonds wie berichtet bis Jahresende von 385 Mio. auf rund 30 Mio. Euro sinken. Für 2027 rechnet das Arbeitsministerium mit Auszahlungen von 350 Mio. Euro, denen 162 Mio. Euro an Einnahmen gegenüberstehen – Folge des 2022 von 0,2 auf 0,1 % halbierten Arbeitgeberbeitrags (IESG-Zuschlag). Angesichts der Lücke fordern AK und ÖGB eine Erhöhung des Zuschlags, der mit den Lohnnebenkosten eingehoben wird. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer lehnt eine Gegenfinanzierung über höhere Lohnnebenkosten hingegen ab: Der beste Insolvenzschutz sei eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die IV warnt vor einem Schaden für die Wettbewerbsfähigkeit sowie negativen Folgen für die Beschäftigung. Die WKÖ schlägt vor, alternative Finanzierungsmodelle zu prüfen. [Quellen: ÖGB, AK, IV, WKÖ | Reaktion: ÖGK, FW | Kommentar: Der Pleitefonds ist pleite – wer zahlt nun die Rechnung?]
💡 Österreichs Lohnnebenkosten unter den EU-Spitzenreitern. Angesichts der Diskussion um eine mögliche Anhebung des Insolvenz-Entgelt-Fonds-Beitrags lohnt ein Blick auf die aktuellen Zahlen. Mit 27,5 % lag der Anteil der Lohnnebenkosten an den Arbeitskosten hierzulande 2024 auf Platz 5 in der EU, rund 2,8 Prozentpunkte über dem EU-Schnitt von 24,7 %. Ab 2028 soll dieser Anteil laut Budgetplan der Regierung über eine Senkung des FLAF-Dienstgeberbeitrags um einen Prozentpunkt sinken, während eine Erhöhung des IESG-Zuschlags zur Sanierung des Fonds in die Gegenrichtung wirken könnte. Die Eurostat-Daten beziehen sich auf Unternehmen mit 10 oder mehr Beschäftigten. Beide geplanten Änderungen sind darin naturgemäß noch nicht enthalten. Der Vergleich erfolgt auf Basis von 2024, da für 2025 noch nicht für alle Mitgliedsstaaten Daten vorliegen. [Quelle: Eurostat | Grafik: Stanislaus Ruhaltinger]

Alle Grafiken von Selektiv 📈
Die Redaktion von Selektiv gießt Zahlen und Daten in anschauliche Grafiken – hier geht es zum Überblick mit Download-Funktion.
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🇦🇹 Ausbau der Stromnetze wird beschleunigt. Ab 1. Jänner 2027 soll sich eine eigene EABG-Behörde darum kümmern, dass der Netzausbau künftig schneller läuft. Dazu werden Beschleunigungszonen eingerichtet, sogenannte Trassenfreihaltungskorridore. In diesen Zonen muss für Netzprojekte keine gesonderte UVP mehr erfolgen. Die Freigabe erfolgt vorab für die gesamte Trasse. Basis für diese Zonen sind Meldungen der Netzausbaupläne der Netzbetreiber, die bis Jahresende erfolgen sollen. Dadurch sei mit einer „signifikanten“ Beschleunigung des Netzausbaus zu rechnen, betonte der auf Energieprojekte spezialisierte Rechtsanwalt Florian Stangl im Rahmen eines Hintergrundgesprächs des BMWET. Bis Jahresende sollen außerdem Studien zum Ausbau von Batteriespeichern und zum Potenzial des Wasserkraftausbaus vorliegen, kündigte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer an. [Quelle: Hintergrundgespräch BMWET]
🇦🇹 Trockenheit: Erste Wasserkraftwerke müssen abgeschaltet werden. Anhaltende Trockenheit und die damit verbundene geringe Wasserverfügbarkeit drücken die Stromerzeugung aus Wasserkraft. Die Erzeugung von Kleinwasserkraftwerken liegt in einigen Regionen bereits 30 bis 50 % unter dem Vorjahreswert, so Paul Ablinger, Geschäftsführer der Kleinwasserkraft Österreich. Besonders betroffen seien Teile Nieder- und Oberösterreichs, wo Kraftwerke teilweise abgeschaltet werden mussten. Auch die neue Gesetzgebung wirkt sich auf die Branche aus: Das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) sieht Einschränkungen für den Wasserkraftausbau in besonders schützenswerten Gewässern vor. Die Regelung stelle durchaus eine Verkomplizierung dar, die Politik hätte mutiger vorgehen können, so Ablinger. Besonders bei den rund 30.000 Querbauwerken in Österreich – darunter etwa 4.000 Kleinwasserkraftwerke – biete eine Erleichterung und Beschleunigung des Ausbaus großes Potenzial. Hier ließe sich laut Ablinger eine „Win-Win-Win“-Situation schaffen: mehr Arbeitsplätze, mehr Stromerzeugung und zusätzliche Einnahmen für die Gemeinden. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sagte in einem Hintergrundgespräch, dass er die Kritik nicht teile, da nur besonders schützenswerte Strecken aus dem „überragenden öffentlichen Interesse“ ausgenommen sind. [Quellen: Ablinger zu Selektiv, Hintergrundgespräch BMWET | Grafik: Wasserkraft dominiert heimischen Strommix]
🇦🇹 SPÖ gegen Wiedereinführung der Behaltefrist. Die SPÖ spricht sich gegen eine Wiedereinführung der Behaltefrist für Aktien aus. Aus Sicht der Partei würden von einer Senkung oder Befreiung von der Kapitalertragsteuer in Höhe von 27,5 % beim Verkauf von Aktien „nur sehr wenige“ profitieren. Zudem würden dem Staat dadurch Einnahmen entgehen. „Das machen wir nicht“, erklärte ein Sprecher des SPÖ-Parlamentsklubs der APA. Den Vorschlag zur Wiedereinführung der Behaltefrist hatte Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl eingebracht, um die private Altersvorsorge sowie den Kapitalmarkt zu stärken. Auch Bundeskanzler Christian Stocker sprach sich im Selektiv-Interview für die Wiedereinführung der Behaltefrist aus. [Quellen: APA via Medienberichte, Stocker-Interview | Grafik: Trotz mehr Aktien: Österreicher bleiben risikoavers | Kommentar: Die Behaltefrist in der Echokammer]
🇦🇹 313 Anträge auf Teilpension in 6 Monaten. Seit der Einführung der Teilpension Anfang 2026 wurden 313 Anträge auf deren Bezug gestellt. Die Zahl der Anträge nahm im Laufe des Jahres ab. Die Teilpension ermöglicht Personen mit Anspruch auf Alterspension, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, weiterhin erwerbstätig zu bleiben und gleichzeitig einen Teil ihrer Pension zu beziehen. Das Sozialministerium ging vor der Einführung von rund 10.000 Anträgen pro Jahr aus. Die geringe Antragszahl kommt für Christine Mayrhuber vom Wifo wenig überraschend: Pensionsentscheidungen würden langfristig geplant werden, so Mayrhuber. 10.000 Anträge auf Teilpensionen pro Jahr hält die Ökonomin in den nächsten 2 bis 3 Jahren für nicht realistisch. [Quellen: APA via Medienberichte, Ö1-Mittagsjournal 27.7.]
🇦🇹 SPÖ-Pensionistenverband gegen höheres Pensionsantrittsalter. Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec hat sich grundsätzlich dafür ausgesprochen, das Pensionsantrittsalter an die Zahl der geleisteten Berufsjahre zu koppeln. Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes, lehnt diesen Vorschlag hingegen ab. Eine Anhebung des Pensionsantrittsalters auf Basis der Lebenserwartung sei sozial ungerecht, sagte Gerstorfer gegenüber der APA. Besonders kritisch sieht sie eine Orientierung an den Berufsjahren, da dadurch u. a. Akademiker sowie Frauen mit Erwerbsunterbrechungen wegen der Kindererziehung benachteiligt würden. Außerdem bedeute eine höhere Lebenserwartung nicht automatisch, dass Menschen auch länger gesund und arbeitsfähig seien. Um das Vertrauen in das österreichische Pensionssystem zu erhalten, dürfe das Pensionsantrittsalter daher nicht infrage gestellt werden. [Quellen: APA via Medienberichte – Gerstorfer, Korosec | Grafik: Pensionen – Regierung droht an eigenem Ziel zu scheitern | Kommentar: Das ist die billigste Pensionsreform]
💡 Sparquote sinkt in Österreich deutlich. Im 1. Quartal 2026 ging die Sparquote der privaten Haushalte in Rumänien um 5,3 Prozentpunkte zurück, der stärkste Rückgang unter den 27 EU-Mitgliedstaaten. Ursache ist ein Einbruch des verfügbaren Einkommens um 8,1 %, während der Konsum mit -0,5 % nahezu stabil blieb. Auch in Österreich (-2,5 Prozentpunkte) und Griechenland (-3,7 Prozentpunkte) sank die Sparquote deutlich: In beiden Ländern hielten die Haushalte ihren Konsum trotz sinkendem Einkommen aufrecht, in Österreich stieg er um 1,1 % bei einem Einkommensrückgang von 1,8 %, in Griechenland um 1,2 % bei einem Einkommensrückgang von 2,5 %. Gegenläufig entwickelte sich Ungarn, wo die Sparquote um 3,4 Prozentpunkte zulegte, getragen von einem Einkommensplus von 5,5 %. Im Euroraum blieb die Sparquote unverändert (0,0 Prozentpunkte), in der EU-27 stieg sie leicht um 0,2 Prozentpunkte. [Quelle: Eurostat | Grafik von Stanislaus Ruhaltinger]

🇦🇹 Walter Ruck tritt zurück, Kriz-Zwittkovits übernimmt. Zwei Wochen nach den ersten Medienberichten zu vermeintlichen Aussagen Walter Rucks etwa über die Vergabe von Posten, Industrievertreter, Frauen und den Wirtschaftsminister ist Walter Ruck als Präsident der Wirtschaftskammer (WK) Wien und als Obmann des Wirtschaftsbundes (Wb) Wien zurückgetreten. Bereits am 24. Juli wurde er einstimmig vom ÖVP-Vorstand aus der Partei ausgeschlossen. Seine bisherige Stellvertreterin Margarete Kriz-Zwittkovits übernimmt beide Funktionen. Sie bezeichnete Rucks Rücktritt als richtig und wandte sich mit diesen Worten an die Wiener Unternehmer: „Ich habe keinen Weinkeller, sondern offene Türen für die Unternehmer dieser Stadt.“ [Quellen: Wb Wien, WK Wien, ÖVP auf X | Reaktionen: BM Hanke, Neos, FPÖ, Die Grünen, Stadt Wien, Neos Wien, ÖVP Wien, Wb, Unos, SWv Wien | Kommentar: Causa Ruck: Hält das die ÖVP aus?]
🇦🇹 Neue EU-Zollabgabe: 40 % weniger Asien-Pakete bei der Post. Seit dem 1. Juli 2026 gilt für Pakete aus Drittstaaten mit einem Warenwert von unter 150 Euro eine pauschale EU-Zollabgabe von 3 Euro. Laut Post-CEO Walter Oblin ist die Zahl der von der Post in Österreich zugestellten Pakete aus dem asiatischen Raum, insbesondere aus China, in den ersten Wochen um rund 40 % zurückgegangen. Oblin erwartet jedoch eine Erholung der Zustellmengen, da Händler ihre Geschäftsmodelle etwa durch den Versand aus europäischen Lagern anpassen könnten. „Nichts“ halte er von der kommenden österreichischen Paketabgabe, so Oblin: Sie treffe auch kleine heimische Händler, die über große Plattformen vertreiben. [Quelle: OÖN]
🇦🇹 Mehr Mindestsicherungsbezieher 2025 – drei Viertel in Wien. 2025 bezogen in Österreich 221.600 Menschen die Mindestsicherung. Das sind 15.819 Bezieher mehr als 2024. 43 % davon waren laut Integrationsfonds Flüchtlinge oder subsidiär Schutzberechtigte. Drei Viertel der Mindestsicherungsbezieher bzw. 166.200 lebten in Wien. Im Burgenland leben mit rund 886 Beziehern die wenigsten Mindestsicherungsbezieher im Bundesländervergleich. Die Arbeitslosigkeit unter Flüchtlingen und subsidiär Schutzberechtigten sank bis Juni 2026 im Jahresabstand um rund 7.000 Personen auf rund 37.000. [Quellen: ÖIF, Statistik Austria]
🇦🇹 Social-Media-Kinderschutz in Begutachtung. Die Regierung hat den Gesetzesentwurf für das Social-Media-Mindestalter ab 14 Jahren in Begutachtung und an die EU-Kommission zur Notifizierung geschickt. Betroffen sind u. a. TikTok, Instagram, YouTube und Snapchat – klassische Messenger-Dienste wie WhatsApp sind nicht umfasst. Inkrafttreten könnte das Gesetz bereits mit 1. Jänner 2027 mit einer Übergangsfrist bis April. Österreich ist nach Frankreich das zweite EU-Land, in dem ein solcher Kinderschutz gelten soll. [Quelle: Begutachtungsentwurf | Reaktionen: Handelsverband, SPÖ, FPÖ, Grüne, Bundesjugendvertretung]
🇦🇹 🇪🇺 Ab Sonntag gelten Transparenz-Vorgaben des „AI Act“ der EU. Ab morgen müssen Unternehmen und die öffentliche Verwaltung die Transparenz-Anforderungen des „AI Act“ der EU erfüllen – auch in Österreich, obwohl bislang keine nationale KI-Aufsicht eingerichtet wurde. Die Frist dafür ist bereits vor einem Jahr abgelaufen, kritisierten die Grünen unter der Woche. Die APA hat vom Bundeskanzleramt erfahren, dass die Gespräche dazu noch laufen. Die Anforderungen müssen aber unabhängig davon ab Sonntag umgesetzt werden, da diese auch aufgrund von Persönlichkeitsrechten durchgesetzt werden könnten. Konkret geht es um die Transparenzpflichten, etwa zur Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten und Chatbots. Die ursprünglich ebenfalls für den 2. August 2026 vorgesehenen Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme wurden durch das im Juli 2026 in Kraft getretene „AI Omnibus“-Paket auf den 2.12.2027 verschoben. [Quelle: Die Grünen, EU-Kommission, APA via Medienberichte]
🇪🇺 Frankreich dürfte beim Aus vom Verbrenner-Aus einlenken. Im Bestreben, das Verbrennerverbot der EU zu lockern, ist Deutschland offenbar ein Deal mit Frankreich gelungen. Wie Politico berichtet, könnte Frankreich einer Lockerung zustimmen – bisher war das Land ein Anhänger eines strengen E-Auto-Gebots ab 2035. Berlin würde im Gegenzug Paris strengere „Made in Europe“-Vorgaben im geplanten Industrial Accelerator Act unterstützen, die festlegen sollen, welche Handelspartner bei öffentlichen Vergaben und Förderprogrammen als „vertrauenswürdige Partner“ gelten. Bisher war Deutschland in diesem Punkt zurückhaltend. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer pochte im Interview mit Selektiv darauf, die Position Österreichs zum Verbrennerverbot eng mit Deutschland abzustimmen. Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Lockerung – 10 % der CO2-Reduktion dürften demnach technologieoffen erzielt werden – reiche nicht aus. Europa dürfe nicht „per Verordnung festlegen, welche Technologie gewinnt“. [Quellen: Politico, Hattmannsdorfer im Interview, BMWET]
🇪🇺 Inflation und BIP steigen in der Eurozone. In der Eurozone stieg die Inflation im Juli auf 2,9 %, nach 2,8 % im Juni. In Deutschland stieg der harmonisierte Verbraucherpreisindex auf 2,8 %. Die höchsten Inflationsraten im Euroraum wurden in Litauen (5,6 %) und Bulgarien (4,1 %) verzeichnet, die niedrigsten in Estland (2 %) und Malta (2,1 %). Nach einer Stagnationsphase zu Jahresbeginn stieg das BIP in der Eurozone im 2. Quartal 2026 um 0,4 %. Die EU verzeichnete im selben Zeitraum ein Wachstum von 0,5 %, nach 0,1 % im 1. Quartal. In Deutschland stieg die Wirtschaftsleistung um 0,2 %. [Quellen: Eurostat – Inflation, BIP]
🇩🇪 Deutschland kappt Solarförderung, baut Windkraft aus. Das deutsche Kabinett hat eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sowie ein Netzpaket beschlossen. Für neue Solaranlagen auf Hausdächern entfällt ab 2027 die 20-jährige feste Einspeisevergütung. Eine gestaffelte, auf bis zu 36 Monate begrenzte Übergangszahlung soll den Wechsel zur künftig verpflichtenden Direktvermarktung abfedern. Bei Windkraft an Land werden 2027 und 2028 je 15 Gigawatt und 2029 12 Gigawatt ausgeschrieben, insgesamt 12 Gigawatt mehr als bisher geplant. Größere geförderte Anlagen müssen künftig über „Contracts for Difference“ Überschüsse zurückzahlen, wenn die Markterlöse die garantierte Vergütung übersteigen. Für 2027 bis 2032 rechnet die Regierung mit Mehrkosten von 12,8 Mrd. Euro. Die Novelle geht nun an Bundestag und Bundesrat und braucht noch eine beihilferechtliche EU-Genehmigung. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sprach von einem „Paradigmenwechsel“. [Quellen: Dt. Bundesregierung, Dt. Wirtschaftsministerium, Gesetzentwurf I, Gesetzentwurf II]
🇺🇸 US-BIP steigt, Notenbank lässt Zinssatz unverändert. Im 2. Quartal 2026 ist die US-Wirtschaftsleistung auf das Gesamtjahr hochgerechnet um 1,5 % gewachsen, nach 2,1 % im 1. Quartal. Wachstumstreiber waren vor allem Konsum, Investitionen und Exporte, während die Staatsausgaben zurückgingen. Die private Inlandsnachfrage stieg um 3,9 %. Die US-Notenbank hat sich dazu entschlossen, die Leitzinsen zwischen 3,5 und 3,75 % zu belassen. 3 von 12 Mitgliedern des FOMC, dem geldpolitischen Entscheidungsgremium der Fed, stimmten jedoch für eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte. [Quellen: Bureau of Economic Analysis, Fed]
Wochenendprogramm:
Meistgelesener Kommentar der Woche. Georg Vetter: Causa Ruck: Hält das die ÖVP aus? [Hier lesen]
Meistgelesenes Interview der Woche. Philipp Rath: „Junge Menschen müssen in Aktien investieren“ [Hier lesen]
Long Read I. Wirtschaftsethiker Rhonheimer im Trend-Interview: „Sozialpolitik schafft keinen Wohlstand“ [Hier lesen]
Long Read II. EZB – From well to pump: how fuel prices are formed [Hier lesen]
Long Read III. Bloomberg Intelligence – €14 Trillion in Investment Needed to Advance Europe’s Strategic [Hier lesen]
Journal zu Gast. Christian Griebler, Ökologe und Klimaforscher [Samstag, 12:00 Uhr, Ö1]
Nächste Woche auf der Agenda:
Politik Österreich. Am Dienstag steht der Auktionstermin für eine österreichische Bundesanleihe an.
Politik international. Am Donnerstag wird in Hiroshima an den Atombombenabwurf vor 81 Jahren erinnert.
Daten und Fakten. Am Montag veröffentlicht S&P Global den „Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe sowie Dienstleistungen Eurozone Juli“ (2. Veröffentlichung), das AMS legt die Arbeitsmarktdaten für Juli vor. Am Mittwoch folgen von Statistik Austria die „Offenen Stellen 2. Quartal“ und von Eurostat die „EU-Erzeugerpreise Juni“. Am Donnerstag veröffentlicht Statistik Austria den „Umsatzindex Einzelhandel Juni 2026“, den „Großhandelspreisindex Juli 2026“ sowie den „Umsatz- und Beschäftigtenindex Handel und Dienstleistungen Mai 2026“. Eurostat legt den „EU-Einzelhandelsumsatz Juni“ und den „Einzelhandelsumsatz Eurozone Juni“ vor. Am Freitag folgen von Statistik Austria „Registrierungen und Insolvenzen 2. Quartal“ und „Außenhandel Mai“.
Selektive Agenda, Termine & Events 🗓️
Was steht auf der Agenda der Bundesregierung und wo treffen sich Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Austausch? Die wichtigsten Termine im Überblick.
Der Link zum Selektiv-Terminkalender wechselt jeden Freitag.
Selektives Networking:
Aufsteiger und Umsteiger der Woche. Volker Türk wurde für weitere vier Jahre zum UNO-Hochkommissar für Menschenrechte gewählt. Tatjana Lukáš übernimmt die Geschäftsführung des Forum Journalismus und Medien (fjum), während Franziska Hoppermann neue Generalsekretärin der CDU wird. Severin Glaser wurde zum stellvertretenden Rechtsschutzbeauftragten im Innenministerium bestellt. Neuer Sprecher für Außen- und Sicherheitspolitik der EU-Kommission wird mit September Christian Wigand. Die Geschäftsführung von DPD Österreich verstärkt ab 1. Jänner 2027 Stefan Heiglauer, ebenfalls mit 1. August übernimmt Rainer Vogelmann die Leitung der Landesdirektion Wien der DONAU Versicherung. Neuer Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist Thorsten Frei. Bei Austrian Standards wird Robert Wawrzinek neuer Director Transformation & Portfolio Management, in den Creative Industries Rat des BMWETS rücken Lotte Kristoferitsch und Lukas Fliszar nach. Robert Lechner übernimmt die Leitung der Kommunikation im Kabinett von Bundesminister Peter Hanke, Carolina Burger die Abteilungsleitung Corporate Communications & Reputation Management bei APG. August Roland Weinert löst Harald Dossi als Parlamentsdirektor ab.
Neuerscheinung. Günther Fehlinger-Jahn, Österreich braucht den Fehlinger-Plan. Ein neues Wirtschaftsmodell für Wachstum, Freiheit und Wohlstand, Fehlinger Verlag, Juli 2026.
Am Programm. Heute um 15 Uhr startet in Villach beim 81. Villacher Kirchtag der Trachtenfestzug. Am Sonntag geht in Lech die Eröffnungsgala des 14. Lech Classic Festival im Konzertsaal der Lechwelten über die Bühne.